Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Hennigsdorf Auf der Jagd nach Rasern
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Auf der Jagd nach Rasern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:39 01.06.2018
Dennis Schönefeld blitzte am Dienstag in der Fontanesiedlung. Quelle: Marco Paetzel
Hennigsdorf

Es ist Dienstag, kurz vor halb zehn. Dennis Schönefeld wischt sich den Schweiß von der Stirn, das Quecksilber ist auf 24 Grad geklettert. Der Ordnungsamts-Mitarbeiter hat gerade einen Blitzer mit Stativ in der Fontanesiedlung aufgestellt. Nur ein paar Meter von der Kita, dem Spezialpflegeheim und der Regenbogenschule. Seit die Marwitzer Straße eine Großbaustelle ist, nutzen Fahrer die Strecke durch Hennigsdorf-Nord als Umleitung. „Nur fahren viele nicht 30, sondern wie auf der Marwitzer Straße 50“, sagt Schönefeld.

Plötzlich hält ein weißer Geldtransporter am Grünstreifen, ein Mann springt heraus. „Haben Sie uns eben geblitzt oder den nach uns? Wir müssen das wissen!“, fragt der kahlgeschorene Herr mit polnischem Akzent. Er sei mit dem Geldtransport in Eile gewesen. Schönefeld geht zu seinem Blitzer-Stativ, hält am Display kurz inne. „Nee, Ihr Auto haben wir nicht drauf“, sagt der 42-Jährige. Der Fahrer des Geldtransporters lässt die Schultern fallen, lächelt und braust davon.

Auch ein LKW ging in die Falle. Quelle: Marco Paetzel

Ausreden, sagt Schönefeld, hat er schon viele gehört. Die meisten hätten es einfach eilig, geträumt oder die Schilder nicht beachtet. Einmal erwischte er in der Fabrikstraße einen Teenager mit seinem getunten Auto, statt 50 bretterte er mit 80 über den Asphalt. „Er behauptete, dass er einen neuen Tacho eingebaut hatte, den er ausprobieren wollte.“ Ausreden seien aber generell aussichtslos. „Ich könnte nicht mal meinen besten Kumpel aus dem System löschen. Geblitzt ist geblitzt“, sagt der Familienvater.

Seit anderthalb Jahren blitzt Dennis Schönefeld für die Hennigsdorfer Stadtverwaltung, zusammen mit seinen Kollegen Marco Fritz und Gerd Gröbe sorgt er dafür, dass die Straßen sicherer werden. An knapp 60 Stellen im Stadtgebiet halten die Blitzer-Männer. Dabei sind vor allem 30er-Zonen in Wohngebieten, oder in der Nähe von Schulen, Kitas oder Altenheimen. Auch in Glienicke und Birkenwerder blitzen die Männer an neuralgischen Punkten.

Schönefeld an seinem Arbeitsplatz. Quelle: Marco Paetzel

Besonders schnell fahren die Hennigsdorfer im Waidmannsweg, ausgerechnet hier laufen die Schweitzer-Schüler morgens zum Unterricht. Auch in der Ruppiner Chaussee vor dem Asylbewerberheim geben die Leute gerne Gas. Die schlimmsten Raser seit Langem haben Schönefeld und seine Kollegen aber erst vor 14 Tagen erwischt: In der Spandauer Allee, auf Höhe der Shell-Tankstelle, raste erst ein Auto mit 103 Stundenkilometern am Blitzer vorbei, gleich danach löste das Maschinchen wieder aus. Das nächste Auto hatte 97 Sachen drauf. Ob die Herren sich auf der 50er-Strecke ein Rennen geliefert haben, das kann Dennis Schönefeld nicht sagen. Es könne auch sein, dass sie einfach noch die Grün-Phase der Baustellenampel über die Behelfsbrücke in Nieder Neuendorf schaffen wollten. Wichtig ist, dass der Blitzer die Männer erwischt hat. „Um solche Typen aus dem Verkehr zu ziehen, machen wir den Job. Uns geht es doch nicht um die Mutti, die aus Versehen mal 39 in einer 30er-Zone fährt.“

Bevor Dennis Schönefeld bei der Stadt anfing, wurde er auch oft geblitzt. 2006, damals als Mitarbeiter von Eon, fuhr er in einer 50er-Zone 80. Der Lappen war einen Monat weg. Das war einmal „Heute halte ich mich an die Regeln. Ich will meinem Kind ein Vorbild sein.“

Am Dienstag steht Dennis Schönefeld bis in die Mittagsstunden in der Fontanesiedlung. Das Messgerät registriert 670 Autos, die in Richtung Reinickendorfer Straße fahren. 62-mal löst der Blitzer aus, weil ein Auto mindestens 39 Stundenkilometer fährt. „Guter Durchschnitt für einen Tag“, sagt Schönefeld. Den Rekord am Dienstag hält ein Fahrer, der mit 56 Sachen in die Falle geht. Morgen ist ein neuer Tag. Und die Raser-Jagd beginnt für Dennis Schönefeld von vorn.

Der Blitzer im grauen Caddy. Quelle: Marco Paetzel

Von Marco Paetzel

Eine 17-Jährige übersah Montagmittag in Hennigsdorf wohl beim Überqueren der Neuendorfstraße eine 68- jährige Radfahrerin. Nach der Kollision kam die Frau verletzt in ein Krankenhaus.

29.05.2018

Mathias Mrosewski aus Kremmen hat am Dienstag im Geldautomaten des Hennigsdorfer Ziel-Centers einen dreistelligen Geldbetrag gefunden, den offenbar jemand beim Abheben dort vergessen hat. Nun sucht er nach dem Eigentümer des Geldes. Wer die Scheine vergessen hat, kann sich beim ihm melden.

01.06.2018

Schauspieler Tim Wilde aus Nieder Neuendorf steht derzeit mit US-Superstar Nick Nolte in Berlin vor der Kamera, er mimt einen Schaffner bei den Dreharbeiten für „Head full of Honey“. Es ist das US-Remake des Kassenschlagers „Honig im Kopf“. In Nieder Neuendorf tankt der 52-Jährige vor allem Kraft. Und wird auf seine manchmal brutalen Rollen angesprochen.

31.05.2018