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Hennigsdorf Ein offenes Ohr für Familien
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01:16 16.07.2018
Janette Bodenstein, Leiterin der Einrichtung (l.), und ihre Mitarbeiterinnen Susanne Beier und Jenny Ullrich (r.). Quelle: Marco Paetzel
Hennigsdorf

Die Holzboxen mit Taschentüchern stehen auf allen Tischen in der Beratungsstelle. Es ist die Grundausstattung bei den Gesprächen hier oben in den Büros im ersten Stock des Gebäudes in der Hauptstraße 22. „Die Taschentücher werden häufiger mal gebraucht“, sagt Psychologin Susanne Beier. Kein Wunder. Die Probleme, mit denen die Menschen in die Beratungsstelle kommen, belasten sie oft stark. Der häufigste Grund, warum Leute hier Hilfe suchen, sind Trennungen und Scheidungen. Wenn die Eltern dabei etwa viel gestritten haben oder das Kind sich zwischen Mutter und Vater hin- und hergerissen fühlt, könne das schnell zur Belastung werden. „Das Kind könnte die Streitereien mitbekommen und dann Angst haben, weil es nicht weiß, wie es mit Mama und Papa weitergeht“, sagt Susanne Beier, die neben ihrer Kollegen Jenny Ullrich, Erzieherin und Sozialpädagogin, für Gespräche bereit steht.

Die Taschentuch-Boxen werden gern genutzt. Quelle: Marco Paetzel

Man könne mit der Beratung vor Ort oft schon sehr viel erreichen. „Wir können die Eltern etwa an einen Tisch setzen und eine Aussprache herbeiführen oder ganz konkret aushandeln, wann das Kind den Papa sieht“, sagt Susanne Beier. Ein Mittel sei es etwa, dass sich die Partner jeweils in die Perspektive des anderen versetzen. „Manchmal merkt man da, dass viel mehr Gemeinsamkeiten vorhanden sind, als die Eltern wissen.“ Dabei gehe es nicht unbedingt darum, die Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern die Zukunft ganz konkret zu gestalten. „Wir geben nichts vor, das handeln die Eltern untereinander aus.“

Jeden Tag kommen Hilfesuchende in die Beratungsstelle. „Das Angebot wird schon gut angenommen, aber wir müssen uns auch noch bekannter machen“, sagt Leiterin Janette Bodenstein. Erst seit April gibt es die Beratungsstelle des Kinder- und Jugendhilfe-Verbundes Nord (KJHV) in der Hauptstraße. Auf dem Grundstück war zuvor jahrelang das Blumengeschäft „Vergissmeinnicht“. Vor allem Eltern, Kinder und Jugendliche aus Hennigsdorf, Velten, Kremmen und Oberkrämer nutzen das neue Angebot, um Rat zu suchen. „Theoretisch können die Leute aber aus ganz Oberhavel kommen“, sagt die Chefin.

Für Kinder gibt es in der Beratungsstelle eine eigene Ecke. Quelle: Marco Paetzel

Die Beratung vor Ort, ein Angebot des Jugendamtes, ist niedrigschwellig, kann anonym sein und kostet nichts. Häufig nutzen die Leute sie lieber, als einen Termin beim Jugendamt auszumachen. „Hier kann man auch mit Problemen herkommen, wo die Leute sagen, dass sie mit sowas nicht zum Amt gehen würden“, so die Leiterin.

Viele kommen etwa, um sich in klassischen Erziehungsfragen beraten zu lassen. Das Kind zeigt Trotzverhalten, hängt übermäßig lange am Handy, hat im Supermarkt etwa geklaut oder lügt oft. Allesamt klassische Szenarien. „Das sind Anliegen, die wir hier gut mit den Beteiligten bearbeiten können“, sagt Susanne Beier. Auch Jugendliche könnten kommen, etwa bei Schulproblemen oder wenn sie eigentlich nicht mehr bei ihren Eltern leben und in eine WG ziehen wollen. „Wir schauen dann, ob man die Probleme nicht anders lösen kann, als gleich auszuziehen“, sagt Jenny Ullrich.

Auch ein Familiencafé steht bereit. Quelle: Marco Paetzel

Die Beraterinnen stoßen aber auch schonmal an ihre Grenzen. Etwa, wenn Eltern mit sehr auffälligen Kindern kommen, die sich selbst verletzen. Auch diese Leute werden nicht mit ihren Problemen alleingelassen. „In solchen Fällen müssen wir dann schauen, ob wir eine Klinik oder einen niedergelassenen Therapeuten in der Gegend finden“, sagt Susanne Beier.

Von Marco Paetzel

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