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Hennigsdorf Fast 1000 Teilnehmer beim Sportfest
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Fast 1000 Teilnehmer beim Sportfest
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00:40 19.05.2018
Weitsprung war eine der beliebtesten Disziplinen beim Sportfest. Quelle: Enrico Kugler
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Hennigsdorf

Und dann setzte sich Sebastian Busse in den Rolli, kurbelte wie wild an den Rädern. Kremmens Bürgermeister umkurvte die Pilonen mit Verve, nach knapp 35 Sekunden hatte der Kremmener Bürgermeister den Rolli-Parcours geschafft. Seine Kollegen Alexander Laesicke (46 Sekunden), Stephan Zimniok (48 Sekunden) und Thomas Günther (53 Sekunden) verwies Busse beim Rollirennen locker auf die Plätze. „Ich saß nach einer Verletzung im Krankenhaus mal im Rollstuhl, ansonsten bin ich ganz gut in Form. Auch wenn man das nicht sieht“, sagte der Sieger aus Kremmen.

Doch dann wollte auch noch André Prußok fahren, der Sohn von Lebenshilfe-Chef Bolko Prußok. Und der Mann, der wirklich im Rollstuhl sitzt, toppte Busses Zeit nochmal um drei Sekunden. „Seine Mutter ist Fan von Sebastian Vettel, deshalb fährt er immer so schnell“, flachste Bolko Prußok vor den Bürgermeistern.

970 Sportler waren vor Ort

Da liefen die Wettbewerbe auf dem Sportplatz des Hennigsdorfer Oberstufenzentrums längst auf Hochtouren. Rund 970 Sportler mit und ohne Handicap hatten sich gestern beim 19. Integrationssportfest getroffen. „Das ist absoluter Rekord“, erklärte Pur-Chefin Annette Koegst. Eigentlich waren wie immer nur 750 Teilnehmer angepeilt gewesen, doch man habe niemandem absagen wollen.

Während Koegst sprach, freute sich Ruth Jäckel schon auf die Wettkämpfe. Unter anderem maßen sich die Teilnehmer in den Disziplinen Sprint, Weitwurf und Weitsprung. Die 52-Jährige lebt in der Roten Villa in Velten, sie war mit 13 Mitbewohnern nach Hennigsdorf gekommen. Und das nicht zum ersten Mal. „Ich finde es immer toll hier, weil man hier so viele Leute trifft“, sagt Jäckel, die schon ihren Ruhestand genießt. Am liebsten mag sie die Disziplin Weitwerfen, und dabei entwickelt die Veltenerin auch sportlichen Ehrgeiz. „Ich strenge mich immer an, habe hier schonmal eine Taschenlampe und eine Tasse bekommen“, so Jäckel. Dann musste die Teilnehmerin los zur Erwärmung.

Ihre Betreuerin Fabiola Bagusch findet es gut, dass die Pur gemeinsam mit dem Landkreis jedes Jahr das Integrationssportfest auf die Beine stellt. „Unsere Bewohner freuen sich jedes Jahr darauf“, sagt die junge Frau. Sport sei wichtig für ihre Schützlinge, weil es ein guter Ausgleich zum Alltag sei – viele der Bewohner arbeiten in der Werkstatt für behinderte Menschen. Auch in der Roten Villa gebe es regelmäßig Sportangebote wie Gymnastik oder Schwimmen, ab und zu geht es auch mal zu Heimspielen des Fußball-Zweitligisten Union Berlin.

Der Stargast Mathias Schulze ist Vize-Weltmeister im Kugelstoßen

Stargast des Tages war der Paralympionik Mathias Schulze, immerhin Vize-Weltmeister im Kugelstoßen. Sport sei eine gute Möglichkeit, Menschen zusammenzubringen und so zu integrieren. Die paralympische Idee sei in den 1950er-Jahren in Großbritannien geboren. „Damals wollte man die Leute aus der Tristesse holen und ihnen zeigen, dass ihr Leben auch mit Behinderung lebenswert ist“, sagt Schulze. Der Sportler, dem eine Hand fehlt, ist bei der Stadt Leipzig als Hallenwart angestellt, trainiert neben der Arbeitszeit 20 bis 25 Stunden die Woche. Ein Pensum auf Profiniveau. Das merkten auch die Lehrer des OSZ, gegen die Schulze am Rande des Sportfestes antrat. „Damit wollen wir den Leuten zeigen, dass Menschen mit Behinderung auf jeden Fall mithalten können.“

Die Mittel für die Organisation des Sportfestes mussten aufgestockt werden, weil so viele teilnehmen wollten. Rund 5700 Euro kamen vom Kreis, 3000 Euro von der MBS. Außerdem gab es Spenden. 250 Euro kamen von der Östereichischen Lebensrettungsgesellschaft, weitere 250 Euro vom Hennigsdorfer Unternehmen Sinneswerk. Jeder Sportler bekam eine Medaille, eine Urkunde und bei Geschicklichkeitsspielen einen Sachpreis. „Für das nächste Jahr müssen wir schauen, wie wir die enorme Nachfrage der Teilnahme noch bewältigen können“, sagte Organisator Steffen Leber.

Eine der Disziplinen war der Sprint. Quelle: Enrico Kugler

Von Marco Paetzel

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