Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Hennigsdorf Blasorchester sucht dringend Nachwuchs
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Blasorchester sucht dringend Nachwuchs
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
01:16 16.03.2019
22 Mitglieder hat das Hennigsdorfer Ensemble aktuell, die meisten davon sind um die 70 Jahre alt. Quelle: Marco Paetzel
Hennigsdorf

Es ist ein kalter Montagabend im März, drinnen im Stadtklubhaus läuft die Probe schon auf vollen Touren. „Nochmal, und diesmal schön ruhig!“, sagt Orchesterleiter Klaus Pahl. Der 80-Jährige sitzt auf seinem Rollator, dirigiert das Ensemble. „Spiel mir das Lied vom Tod“, „The greatest Show on Earth“ oder „Love Story“ probt das Ensemble heute. Filmmusiken stehen auf dem Programm.

Das ist aber eher die Ausnahme. „Meistens machen wir Walzer, Polka, Märsche zur Unterhaltung. Aber das will die Jugend nicht so spielen“, seufzt Steffen Müller. Mit seinen 53 Jahren gehört der Hennigsdorfer noch zu den Jüngeren im Ensemble. Das Durchschnittsalter der 22 Mitglieder liege um die 70 Jahre herum. „Uns fehlt einfach der Nachwuchs“, so Müller. Klar, es würden ab und zu junge Leute kommen, doch die würden sich nicht wohlfühlen.

Geprobt wird montags im Stadtklubhaus. Quelle: Marco Paetzel

Das Orchester ist ein echtes Stück Hennigsdorfer Geschichte. 1966 suchte man bei den Lokomotivbau-Elektrotechnischen Werken (LEW) Musiker, die zum 1. Mai. spielen konnten, Walter Scholz hieß der erste Dirigent des LEW-Blasorchesters. „Die Umzüge mussten damals begleitet werden, da wurden alle Großbetriebe aufgefordert, Musikgruppen zu bilden“, sagt Manfred Ulack, der in den LEW in der Qualitätssicherung arbeitete und seit etwa 1976 dabei ist. Das Repertoire war klar: „Marschmusik war damals unser Ding“, sagt der Saxofonist.

Die Proben fanden im ersten Stock des damaligen LEW-Klubhauses statt, das Ensemble wurde unter der langjährigen Leitung immer besser. Das belegen Auszeichnungen bei Leistungsvergleichen, besonders bei den zentralen Arbeiterfestspielen. Nach der Wende war dann plötzlich alles anders: „Der Betrieb durfte keine Kultureinrichtungen mehr betreiben, die AEG hat das nicht weiterverfolgt“, erinnert sich Manfred UIack. Also gründeten die Musiker 1990 einen gemeinnützigen Verein, benannten sich in „Blasorchester Hennigsdorf“ um.

22 Mitglieder hat das Ensemble. Quelle: Marco Paetzel

Sechs bis sieben Auftritte hat das Orchester in seiner großen Besetzung, unter anderem regelmäßig beim Hennigsdorfer Stadtfest, dem Herbstfest in Hohen Neuendorf oder beim Neujahrskonzert im Oranienwerk. Eine kleinere Besetzung mit 12 Leuten gibt es auch, diese hat etwa 20 Auftritte im Jahr, unter anderem auf Geburtstagen, Frühschoppen oder Schlachtefesten.

Der Nachwuchsmangel sei ein generelles Problem in Brandenburg. Im Landesblasmusikverband gebe es nur noch etwa zehn Mitglieder, erklärt Manfred Ulack. In Bayern dagegen seien es Tausende.„In Preußen ist Blasmusik irgendwie abhanden gekommen. Wir sind auf einem einsamen Posten“, so Ulack. Vor etwa 20 Jahren sei ein Fernsehteam nach Hennigsdorf gekommen, um für das Ensemble zu trommeln. „Da kam dann eine CD raus, aber das war’s dann auch. Gemeldet hat sich keiner“, sagt Manfred Ulack.

Klaus Pahl (vorn r.) ist der Leiter der Orchesters. Quelle: Marco Paetzel

Sicher, es gäbe auch die Möglichkeit, das Repertoire – gut 150 Lieder – zu ändern, etwa mehr Filmmusiken mit ins Programm zu nehmen. Aber das sei nicht das, was das Publikum hören wolle. „Wir haben das mal beim Erntefest in Bärenklau gespielt. Da haben sich die Leute hinterher beschwert, dass wir keine Blasmusik mehr machen“, sagt Steffen Müller. Und was ist in zehn Jahren mit dem Orchester? Müller überlegt nicht lange. In dieser Form werde es das Ensemble dann wohl nicht mehr geben. Ein paar jüngere seien unter 60, die dann in der kleineren Besetzung spielen könnten. „Aber ob das dann noch Hennigsdorfer Blasorchester heißen wird“, sagt Steffen Müller, „das kann ich nicht sagen.

Interessierte können bei der Probe montags ab 17 Uhr im Hennigsdorfer Stadtklubhaus vorbeischauen.

Von Marco Paetzel

Birkenwerder Polizeibericht Oberhavel vom 12. März 2019 - Polizeiüberblick: Lenkräder in Glienicke gestohlen

Ein ausgeraubter Taxifahrer in Birkenwerder, ein Gebäudebrand in Oranienburg und eine Gewässerverunreinigung in Hennigsdorf – diese und weitere Meldungen der Polizei Oberhavel lesen Sie im Polizeibericht vom 12. März.

12.03.2019

Knapp 200 Schüler und Lehrer der Hennigsdofer Schweitzer-Oberschule sammelten Unterschriften, damit Hausmeister Dirk Piepenhagen bleiben kann. Doch sein Vertrag wurde nicht verlängert.

12.03.2019

Zahlreiche Crossläufer und Crossläuferinnen sowie ein paar fleißige Rettungssanitäter stehen diese Woche bei zur Wahl bei Oberhavels „Foto der Woche“.

12.03.2019