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Hennigsdorf Der letzte Ein-Mann-Bunker
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01:16 21.01.2019
Der Ein-Mann-Bunker im Park an den Havelauen wird oft mit einem Grillofen verwechselt. Quelle: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Wie ein kurzer Bleistift ragt er aus dem Boden. Ein kleiner Betonbunker steht direkt am Wegesrand der Havelauen-Parks, ein paar Spaziergänger flanieren vorbei. Jahrzehntelang war das Relikt aus dem zweiten Weltkrieg verschwunden, zu DDR-Zeiten wurde er beim Ausbau des Holzindustrie-Betriebes achtlos in ein Loch geworfen und zugeschippt. Doch als die Stadt das leerstehende Betriebsgelände, das einst Bauunternehmer August Conrad gehörte, 2001 abreißen ließ, stießen Bagger in der Erde auf den Bunker.

Heute, 18 Jahre später, macht er einen erbärmlichen Eindruck: Von außen ist der Betonbau mit Graffiti beschmiert, immer wieder schmeißen Unbekannte Müll ins Innere. Dabei ist er eine militärhistorische Rarität: Es ist der letzte Ein-Mann-Bunker in der Region Berlin-Brandenburg. „Alle anderen Bunker dieser Art wurde gesprengt, einige auch vergraben oder entsorgt“, sagt Carl-Heinrich Gans vom Hennigsdorfer Geschichtsverein. Der letzte vor Jahren im Humboldt-Hain. Die Sprengung des letzten Berliner Ein-Mann-Bunkers war ein Medienereignis.

„Der Bunker muss erhalten bleiben!“

Es ist dem Ortschronisten Dietrich Roggensack zu verdanken, dass der Hennigsdorfer Ein-Mann-Bunker bei seiner Entdeckung 2001 nicht einfach zwischen Bauschutt entsorgt wurde. Mit dem damaligen Stadt-Archivaren Ullrich Jainz machte sich Roggensack dafür stark, dass der Bunker in den Havelauen seinen Platz bekommt. Doch beide Männer sind mittlerweile verstorben und der Bunker verkommt immer mehr. An ihre Stelle tritt nun der Hennigsdorfer Geschichtsverein. „Der Bunker muss erhalten bleiben!“, fordert Mitglied Carl-Heinrich Gans.

Doch wofür brauchte die Wehrmacht einen winzigen Bunker ohne Schießscharte, gerade groß genug für eine stehende Person? „Im zweiten Weltkrieg gab es überall an größeren Industriegebieten solche Bunker“, antwortet Carl-Heinrich Gans. Vor allem Jugendliche über 16 Jahre, die noch nicht in den Krieg ziehen konnten, wurden dort quasi als Brandmelder eingesetzt. Wenn bei Luftangriffen in 3000 Metern Höhe die Bomben gezündet wurden, flogen scharfe Granatsplitter wie Dolche vom Himmel. „Die Bunker waren lebenswichtiger Schutz, da es in ihrer Nähe keine Luftschutzbunker gab“, sagt Gans, der sich auf Informationen von Dietrich Roggensack stützt.

Spaziergänger halten den Bunker oft für einen Grillplatz

Gans und sein Hennigsdorfer Geschichtsverein fordern, dass der Betonkörper des Bunkers saniert wird, um ihn vor Rost und Frost zu schützen. Zudem müsse eine verschließbare Stahltür eingebaut werden – die alte sei vielleicht zu DDR-Zeiten im Stahlwerk gelandet, mutmaßt Gans. Auf der Tür könne dann auch gleich knapp erklärt werden, dass es sich um einen Bunker handelt und wofür er gedacht war. „Sonst denken die Leute, das ist ein Grill- oder Kaminofen, in dem man Feuer machen kann“, sagt der Hobby-Historiker. Auch Ingmar Arnold vom Verein „Berliner Unterwelten“ fordert den Erhalt des Hennigsdorfer Ein-Mann-Bunkers als letztem seiner Art. Aus der Sicht von Carl-Heinrich Gans ist es auch kein moralisches Problem, einen Bau zu erhalten, der im weitesten Sinne der Wehrmacht diente. „Der Bunker war ja zum Schutz der Hennigsdorfer Bevölkerung gedacht. Die Jungen, die ihn nutzen, sollten ja ihren Ort behüten. Mit Angriff hatte das ja nichts zu tun“, erklärt der Hennigsdorfer.

Auf MAZ-Anfrage reagierte die Stadtverwaltung prompt, schickte Mitarbeiter zur Begutachtung des Bunkers in die Havelauen. Mitterweile ist der Müll aus dem Bunker verschwunden. Zudem sollten bis Ende Januar die Graffti beseitigt werden, erklärt Stadt-Sprecherin Ilona Möser. Zudem denke man in der Verwaltung über ein Sanierungskonzept für den Bunker nach.

Von Marco Paetzel

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