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Hennigsdorf Im Bistro Nord gehen die Lichter aus
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Im Bistro Nord gehen die Lichter aus
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01:15 03.06.2018
Juana Augustin informiert mit diesem Zettel ihre Gäste, dass sie schließen muss. Eine Abschiedsfeier gab es schon. Quelle: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Es ist Donnerstag, kurz vor der Mittagszeit. Vor dem Bistro Nord sitzt schon eine Traube Gäste auf den Stühlen. Bierchen stehen auf dem Tisch, Kippenqualm steigt in den Himmel. Wie jeden Tag. Die Stimmung war schon besser, nur selten hört man jemanden lachen. Anfang Juni muss das Bistro Nord samt des Shops nebenan schließen. Stammbesucherin Christiane Dietrich kann das gar nicht fassen. „Das war hier meine große Anlaufstelle. Wo soll ich jetzt hin?, fragt sie in die Runde. Tränen stehen der 56-Jährigen in den Augen. Das Bistro Nord, das ist für sie viel mehr als eine Kneipe. „Wenn ich Sorgen habe oder mal Hilfe brauche, dann komme ich einfach her.“ Die anderen in der Runde nicken.

Drinnen im Bistro wuselt Chefin Juana Augustin derweil herum. Sie ist schon seit dem frühen Morgen auf den Beinen. „Ich räume alles aus, nebenbei habe ich aber noch bis mittags auf“, sagt die 34-Jährige. Vor drei Wochen fand die dreifache Mutter die Kündigung für die zusammen rund 188 Quadratmeter großen Läden im Briefkasten. „Für mich war das ein Schock. Für die Leute geht hier eine Menge unter“, so Augustin.

Der Zeitungsshop ist schon geschlossen. Quelle: Enrico Kugler

Der Zeitungsladen nebenan, den Juana Augustin zusammen mit dem Bistro übernommen hat, lief zuletzt immer schlechter. „Ich wollte mich räumlich verkleinern. Aber mein Vermieter lehnte das ab, weil das wirtschaftlich wohl keinen Sinn gemacht hätte“, sagt Juana Augustin. Sie habe alles versucht, sogar schon einen neuen Mieter besorgt. Doch es half alles nichts. Sie wurde vor die Tür gesetzt. „Am 7. Juni ist die Übergabe. Das ist jetzt eben so“, sagt Juana Augustin.

Vor sechs Jahren zog die gelernte Textilverkäuferin von Eberswalde in die Stahlstadt, wollte sich hier ein neues Leben aufbauen. „Meine Mama ist nach Berlin gezogen, ich wollte in der Nähe sein“, sagt die 34-Jährige. Sie kellnerte erst im Café im Seniorenwohnpark und fing dann als Servicekraft im Bistro Nord an. Das war damals schon eine echte Institution inmitten der Plattenbauten des Hennigsdorfer Stadtteils. Als die ehemalige Betreiberin Gabi Dehrberg dann aus gesundheitlichen Gründen aufhören wollte, musste Juana Augustin erstmal ein Jahr lang überlegen. Dann wagte sie den Schritt in die Selbstständigkeit. Das war im Oktober 2016.

Die Stammgäste trifft die Schließung hart. Quelle: Enrico Kugler

Die neue Betreiberin klotzte richtig ran, verpasste den Wänden einen hellen Farbton. Für ihr Bistro ließ sie auch Werbung drucken, legte sie in Supermärkten aus. „Für das Bistro waren die letzten Jahre wirtschaftlich richtig gute Zeiten“, sagt Juana Augustin. Sie lockte die Kunden mit einem regelmäßigen Brunch-Angebot, auch Eisbein-Wochenenden gab es. „Da war das Bistro oft bis auf den letzten Platz voll“, sagt die junge Mutter. Auch Catering bot sie an, die Senioren im Wohnpark und zwei Tagesmütter belieferte Juana Augustin mit warmen Speisen. In der Küche stand sie selbst. „Es gibt hier ganz normale deutsche Hausmannskost.“ Blutwurst, Königsberger Klopse, Spinat mit Ei oder Aufläufe – das waren die Renner auf der Karte.

Auf ihre Stammgäste, rund 20 Leute, konnte Juana Augustin zählen. „Für diese Leute geht ein Anlaufpunkt kaputt, das war ein Jugendclub für Erwachsene.“ Zu Pfingsten organisierte sie eine Abschiedsfete im Bistro.

Der Nord-Shop nebenan ist schon fast leer, demnächst wandern die Zeitungs- und Tabakregale auf den Schrott. Im Bistro ist noch viel mehr zu tun. Das Schlimmste wird, den Tresen herauszureißen. Sonnabend, schätzt Juana Augustin, wird sie zum letzten Mal öffnen. Dann nimmt sie sich zwei Wochen Auszeit. Ob sie woanders nochmal ein Lokal aufmacht? „Niemals, ich halte nicht mehr den Kopf hin.“ Demnächst ist die junge Mutter wieder fest angestellt. Sie wird in einem Hennigsdorfer Lokal anfangen. Welches, das bleibt noch geheim.

Zu Pfingsten gab es eine Abschiedsparty. Quelle: privat

Von Marco Paetzel

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