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Hennigsdorf Klassentreffen nach 62 Jahren
Lokales Oberhavel Hennigsdorf Klassentreffen nach 62 Jahren
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00:24 30.09.2018
Ilse Krüger (geb. Schmidt), Rosemarie Nölte, Peter Rausendorff, Rosemarie Schreiber, Michel Meyen, Lilo Nagengast (geb. Vandersee), Helma Lüdtke (geb. Neumann), Ingrid Kluge, Werner Schneider und Ellen Hagedorn (geb. Seidel. vl.), mit Partnern. Quelle: Marco Paetzel
Hennigsdorf

Mit seinen alten Klassenkameraden sitzt Peter Rausendorff am Fuß des Grenzturms. Sie blinzeln in die Herbstsonne, kippen sich ein paar Kümmerling-Schnäpschen hinter. Rausendorff lässt den Blick über das Wasser schweifen. „Hennigsdorf“, sagt der 81-Jährige, „ist irgendwie immer meine Heimat geblieben.“ Eine Heimat, die er im Dezember 1954 für Jahrzehnte verlassen musste. Als sein Vater Kurt Rausendorff, bis dahin Pfarrer in Nieder Neuendorf, nach Heiligensee wechselte, kam die ganze Familie im Auto mit rüber. „Wir haben es gerade noch so geschafft, ein paar Tage später wäre das vielleicht nicht mehr möglich gewesen“, sagt Rausendorff, der im Pfarrhaus an der Dorfstraße aufgewachsen ist. Der Hennigsdorfer Junge machte seinen Weg in Westberlin, wurde erfolgreicher Kieferorthopäde mit eigener Praxis in Berlin-Zehlendorf.

Schon 1983 gab es ein Klassentreffen in Ost-Berlin

Am Dienstag kehrte der Schüler von einst in sein Hennigsdorf zurück, genau wie viele seiner Mitschüler: Die Abiturklasse von 1956 – inklusive einiger, die vorher abgingen – trifft sich in dieser Woche in der Stahlstadt. Drei von einst sind nicht mehr dabei – zwei sind verstorben, eine weitere Klassenkameradin ist im Pflegeheim. Der Kontakt ist nie abgerissen, auch wenn die Klassenkameraden durch den Bau der Mauer getrennt wurden. „Wir haben uns alle richtig gemocht und sind gute Freunde geblieben, trotz der konträren politischen Verhältnisse“, sagt Rosemarie Schreiber, die heute noch in Hennigsdorf lebt und die Gruppe in dieser Woche zum Wiedersehen eingeladen hatte.

Nach der Wende trafen sich die Mitschüler regelmäßig, machten Ausflüge in den Spreewald, nach Potsdam oder Stralsund. Vor zwölf Jahren lief Rosemarie Schreiber mit ihren ehemaligen Klassenkameraden durch die Flure des Alten Gymnasiums. 2006 war es genau 50 Jahre her, dass Schreibers Klasse in der einstigen Puschkin-Oberschule Abitur gemacht hatte. Die Schule steht in dieser Woche nicht auf dem Reiseplan, dafür gibt es viele andere Stationen: Nach einer Tour zur Kirche und dem Grenzturm in Nieder Neuendorf besichtigte die Gruppe auch die Bollhagen-Werkstätten in Marwitz, die Mühle in Vehlefanz oder das Kremmener Scheunenviertel. Und natürlich essen sie auch zusammen. Es gibt immerhin viel zu erzählen.

Für das Medizinstudium in den Westen

Peter Rausendorff genießt die Tage mit seinen alten Klassenkameraden. Besonders am Herzen liegt dem Rentner sein bester Freund Werner Schneider aus Jugendtagen. „Wir haben uns damals sogar die Freundinnen geteilt“, sagt der 81-Jährige und grinst. Schneider, in der Karl-Liebknecht-Straße aufgewachsen, entschied sich 1958, seine Heimat gen Westen zu verlassen. Er und sein Bruder Eberhard wollten Medizin an der Berliner Humboldt-Universität studieren, doch die Schikanen wurden zu groß. „Unsere Einstellung war nicht staatlich konform, das hat man uns immer spüren lassen“, sagt der 80-Jährige. In West-Berlin machte er nochmal sein Abitur, studierte Medizin in Frankfurt und Erlangen und arbeitete schließlich bis 2003 als Gynäkologe. In Darmstadt hatte Werner Schneider 32 Jahre lang seine eigene Praxis.

Der Kontakt zu den Klassenkameraden von einst war fast eingeschlafen, bis er Anfang der 1960er-Jahre zufällig eine Banknachbarin wiedertraf. „Sie wiederum hatte Kontakt zu vielen anderen“, sagt der Rentner. Ein erstes Klassentreffen gab es schon 1983 in Ost-Berlin, Schneider und die anderen konnten mit einem Tagesvisum in die DDR einreisen, um die alten Mitschüler endlich einmal wiederzusehen. „Allerdings wurde ich an der Grenze festgehalten und ausgefragt, das war schon bedrückend.“ Ein komisches Gefühl ist es für ihn auch, wieder am Grenzturm zu stehen. „Da kommen einem die alten Bilder der Grenzanlage mit den grobgeharkten Streifen und den Hunden wieder in den Kopf.“

Ob es noch ein Treffen gibt, ist ungewiss

Hennigsdorf, sagt der Rentner, hat sich in all den Jahrzehnten aber mächtig gewandelt. Die Hauptstraße mit dem alten Rathaus erkenne er noch wieder. Und auch der Eichenhain nahe seinem Elternhaus ist noch da. „Die Bäume sind in all den Jahren riesig geworden.“ Auf den Tümpeln im Wald spielte er mit Freunden im Winter Eishockey, auf den überschwemmten Wiesen liefen sie Schlittschuh. Eine Zeit, die Schneider nie vergessen wird. Dennoch ist Darmstadt längst seine Heimat geworden. „Dort leben meine Kinder und Enkel.“

Auch Rosemarie Nölte ist das Heimatgefühl so ein bisschen abhanden gekommen. „Ich lebe so lange im Westen“, sagt die 80-Jährige. Mit ihren Eltern hat sie in der Kochstraße 16 in Velten gewohnt, jeden Tag ging es damals noch mit der S-Bahn oder eben mit dem Fahrrad zu Schule nach Hennigsdorf. Kurz vor dem Mauerbau ging der Teenager 1960 in den Westen, machte nochmal Abitur in Berlin-Schöneberg. „An der Humboldt-Uni wollte man mich nicht, ich war politisch untragbar. Ich war zum Beispiel nicht in der FDJ.“ Auch Rosemarie Nölte studierte Medizin, auch sie hatte ihre eigene Praxis. 30 Jahre lang war die Augenärztin in Berlin-Hermsdorf niedergelassen. In den vergangen Jahren war sie wieder viel in der Region unterwegs, der Verwandtschaft wegen. „Ich liebe es auch, über die Dörfer nach Linum zu fahren.“

So sahen die Schüler 1956 aus. Quelle: Privat

Ob sich die ehemaligen Klassenkameraden wiedersehen, steht noch nicht fest. Immerhin sind alle schon um die 80 Jahre alt. „Wir feiern das hier jetzt erstmal wie ein Abschiedsfest“, so Organisatorin Rosemarie Schreiber. Ihre alten Freunde wird sie auf jeden Fall zum Abschied fest in den Arm nehmen.

Von Marco Paetzel

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