Volltextsuche über das Angebot:

19 ° / 11 ° Regenschauer

Navigation:
Herr Wichmann und das Wunder von Lychen

Politiker macht die Pietá von 1460 ausfindig Herr Wichmann und das Wunder von Lychen

Eigentlich wollte der Gemeindekirchenratsvorsitzende der Johannis-Kirche in Lychen, Henryk Wichmann, den Zugang zu einer Gruft finden und stöberte in den Kirchenbüchern. Zufällig entdeckte er, dass einer seiner Vorgänger Gegenstände aus der Kirche an das märkische Provinzialmuseum zu Berlin verkauft hat.

Voriger Artikel
Neue Stühle - alte Sorgen
Nächster Artikel
Zauber der Musik

Gemeindekirchenratsvorsitzender der Johannis-Kirche in Lychen Henryk Wichmann.

Quelle: Anke Dworek

Lychen. Wenn am kommenden Dienstag die Sanierung der Johannis-Kirche in Lychen gefeiert wird, kann Gemeindekirchenratsvorsitzender Henryk Wichmann mit einer Sensation aufwarten. Er hat herausgefunden, wo sich das einzige mittelalterliche Ausstattungsstück der Kirche, eine Pietá aus dem Jahre 1460, befindet. Sie lagert im Depot des Märkischen Museums in Berlin.

Eigentlich wollte Wichmann den Zugang zu einer Gruft finden und stöberte in den Kirchenbüchern. Zufällig ist er darauf gestoßen, dass sein Vorgänger im Amt im Jahre 1902 sechs altertümliche Gegenstände aus der Kirche an das märkische Provinzialmuseum zu Berlin verkauft hat. Darunter befand sich besagte Pietá. Die überstand sogar den großen Stadtbrand von 1680, weil sie auf dem Dachboden der Kirche eingelagert war. „Das war wie ein Wunder. Unsere Kirche wurde 1248 als Marienkirche gebaut und erst mit der Patronatsübernahme 1302 durch den Johanniterorden wurde sie zur Johanneskirche. Trotz der Brände und anderer Katastrophen blieb die Pietá erhalten“, erzählt Wichmann.

Bis dann die Lychener auf die Idee kamen, so einiges aus ihrer Kirche verkaufen zu wollen. „Sogar den Altar und die Kanzel wollten sie versilbern, wie aus einem Schriftwechsel von 1891 hervorgeht. Das gestattete ihnen aber die märkische Provinzialregierung und das Konsistorium nicht“, sagt Wichmann. Aber für sechs Ausstattungsgegenstände erhielten sie die Erlaubnis – darunter die Pietá und einige Leuchter. So wechselte die Figurengruppe mit der trauernden Maria und ihrem gekreuzigten Sohn Jesus den Eigentümer und den Aufbewahrungsort. Wo der sich seit 1902 befand, hatte Wichmann den Unterlagen entnehmen können. Aber ob sie dort nach mehr als 100 Jahren immer noch ist? Henryk Wichmann nahm sofort Kontakt mit dem Museum auf und erfuhr: Ja, sie ist da.

„Eine wunderbare Nachricht. Ich habe darum gebeten, mir die Pietá persönlich ansehen zu dürfen. Und selbstverständlich werde ich mich bemühen, sie als Dauerleihgabe nach Lychen zu holen“, sagt Wichmann.

Aber erstmal wird am Dienstag ab 18.30 Uhr unter dem Motto „reinkommen – staunen – Orgelklänge“ gefeiert, wozu natürlich auch alle Lychener Nachbarn eingeladen sind. Mit Bredereiche und Himmelpfort, Alt- und Neu-Placht, Rutenberg/Beenz, Annenwalde und Densow bildet Lychen ja einen Pfarrsprengel.

Die Kirche ist in den vergangenen Jahren für mehr als 800000 Euro saniert worden. Dank der Unterstützung des Bundeskanzleramtes konnte in diesem Jahr noch der Innenraum renoviert werden. Auch dabei gab’s eine Überraschung: Im Chorraum konnten neogotische Wandmalereien freigelegt werden.

Bei all diesen Wundern dürfte es keinen mehr erstaunen, dass das alte Taufbecken der Kirche in einem Hühnerstall in Lychen gefunden worden ist.

Von Anke Dworek

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg