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Oberhavel Hereinspaziert in Hennigsdorf
Lokales Oberhavel Hereinspaziert in Hennigsdorf
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07:00 14.09.2015
Bürokom-Geschäftsführer Wolfgang Hammer ist stolz auf die vielen Erinnerungen an das alte Betriebsfeuerwehrgebäude der AEG/ LEW, in deren Erdgeschoss die Firma heute ihre Räumlichkeiten hat.. Quelle: Ulrike Gawande
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Hennigsdorf

Sieben historische, unter Denkmalschutz stehende Gebäude hatten am Sonntag ihre Türen geöffnet, darunter mehrere, die sonst nicht der Öffentlichkeit zugänglich sind. An jedem Gebäude informiert ein Rollbanner über die Geschichte des Hauses. Anlass für viele, stehen zu bleiben und ins Gespräch zu kommen. Oft über die Zeit, als die Hauptstraße wirklich noch Hauptstraße, eben die Hauptgeschäftsstraße des Ortes war. Damals, als die Hennigsdorfer vorbei an Noten- und Spielzeugladen, dem Kurzwarengeschäft mit französischem Namen, mehreren Bäckern und Lebensmittelgeschäften unter den schattigen Bäumen entlangflanieren konnten.

Am besten hätten aber die Backwaren von Bäcker Wolter geschmeckt, stellt Wolfgang List fest. Er ist Ur-Hennigsdorfer. Sein Geburtshaus steht kurz vor der Bahnbrücke. Bis 1942 befand sich in dem Haus der Feinkostladen seines Vaters, dann ging die Ware aus. Verschiedene Nutzungen folgten, bis sein Bruder nach der Wende darin einen Friseursalon eröffnete. Wolfgang List kann viele Geschichte aus vergangenen Zeiten erzählen. Wie er so entspannt im Garten des alten Farbenhauses Schulz sitzt, das heute vom Institut Spinnenetz für seine Kinder- und Jugendarbeit genutzt wird, wirkt der 82-Jährige wie ein lebendiges Denkmal. Man könnte ihm stundenlang zuhören. Und man kennt ihn, der selbst viele Lebensmittelläden im Ort führte. So entstehen Gespräche über dies und das. Damals eben, als die Straßenbahn noch nach Spandau fuhr. „Die Tapeten für meine erste Wohnung habe ich im Farbenhaus gekauft“, erinnert sich Gundula Leupold aus Hennigsdorf. Sie freut sich, dass am Denkmalstag so viele Gebäude geöffnet haben. „Es ist eine Reise in Kindheitserinnerungen.“ So habe sie bis heute noch den Geruch von Horn in der Nase, den Duft, wenn Pferde neue Hufe bekommen. Damals als sie mit einem Nachbarmädchen deren Opa bei der Arbeit in der Schmiede besucht hat. Lange ist es her. Seitdem war sie nie wieder dort.

Die AEG-Feuerwehr

Eine verheerende Explosion war 1917 der Grund, weshalb die AEG eine eigene Berufsfeuerwehr gründete und den Bau der Feuerwache in Auftrag gab.

Federführend in der Planung und Errichtung war das Berliner Architekturbüro um Peter Behrens, der die Industriearchitektur des 20.Jahrhunderts maßgeblich geprägt hat. Mitarbeiter waren Mies van der Rohe und Walter Gropius, Gründer des Bauhauses.

Die AEG-Feuerwehr verfügte über drei Fahrzeuge und 35 Einsatzkräfte.

Bis 1992 wurde das Gebäude von der Feuerwehr genutzt.

Dann stand es leer. 1995 stellte man das Ensemble unter Denkmalschutz.

Jahre später fand sich ein Käufer, der das Gebäude unter hohen Auflagen des Denkmalschutzes mit Liebe zum Detail sanierte. Kettenzug, Rutschstangen und Schlauchwaschanlage wurden erhalten.

Seit 2012 ist Bürokom Mieter im EG.

Schön sei aber, dass sich etwas in der Stadt verändern würde, findet Gundula Leupold. Auch wenn es bedauerlich sei, dass viele Läden in der Hauptstraße leer stehen, sei doch heute der Verkehr zu stark, als dass sie wieder zur Einkaufsmeile werden könnte, glaubt Wolfgang List.

Davon kann auch Sabine Schröder-Dinh ein Lied singen, die schon im August ihren Laden „Vergissmeinnicht“ in der alten Scheune schließen musste. „Da ich meine Teilnahme zum Denkmaltag schon zugesagt hatte, ist nun noch einmal geöffnet“, erzählt sie mit Wehmut in der Stimme. Sie schaut sich um und stellt fest: „Wenn immer so viele Menschen wie heute gekommen wären, hätte ich nicht schließen müssen.“ Unter den Gästen im gemütlichen Café-Garten, mit Blick in die Havelauen, sitzt Wolfgang Sylvester, auf familiärer Ahnenforschungstour. „Hier in der Scheune lagerten die Boote meiner Familie“, berichtet der Oranienburger mit Hennigsdorfer Wurzeln. Eigentlich sei die AEG/LEW fast so etwas wie ein Familienbetrieb, erzählt er, alle Familienmitglieder hätten dort gelernt und gearbeitet. Auch er, bis er zur Armee ging. Schon sein Urgroßvater war Teil der Werksfeuerwehr, deren Wache nun von Bürkom genutzt wird.

Es gab eben an diesem Tag sehr viel zu entdecken.

Von Ulrike Gawande

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