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Hereinspaziert ins Klärwerk

Liebenwalde Hereinspaziert ins Klärwerk

25 Jahre Trink- und Abwasserzweckverband Liebenwalde sind doch ein guter Anlass, um zur Besichtigung der Kläranlage einzuladen. Viele wissen nicht, was sich dort genau abspielt und was eigentlich mit ihrem Schmutzwasser passiert. Ein Blick hinter die Kulissen ist am Sonnabend möglich.

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In der Mitte aufgerissen: die L 215 zwischen Zehdenick und Kurtschlag.

Quelle: Andrea Kathert

Liebenwalde. „Den ersten Winter, den vergessen wir nicht“, sagt Wolfhard Raasch, der technische Leiter beim Trink- und Abwasserzweckverband (TAV). Neben ihm sitzt Silvia Sydow, heute stellvertretende Geschäftsführerin des Verbandes. In besagtem Winter 1994/95 gab es drei Monate Dauerfrost mit bis zu 15 Grad Minus in der Nacht. „Der Boden war 1,70 Meter tief gefroren.“ Das hielt auch das neue Klärwerk nicht aus. „Die Anlage war eingefroren“, erzählt Raasch. „Und bei mir standen die Telefone nicht mehr still“, kann sich auch Silvia Sydow bestens erinnern. Ein Hilferuf nach dem anderen ging ein, weil auch etliche Wasserleitungen immer wieder einfroren. „Ich bin nach Oranienburg gefahren und hab beim Caravancenter sämtliche 30-Liter-Kanister aufgekauft“, meint Raasch. „Im Klärwerk haben wir die Kanister aufgefüllt und zu den Leuten gefahren.“ Wolfhard Raasch hat nur gehofft, hoffentlich passiert das nicht jedes Jahr. Die Kläranlage fror nicht wieder ein.

Aber Havarien gibt es immer mal wieder. Die letzte am vergangenen Sonntag. Das Pumpwerk in Bischofswerder hinterm Days-Hotel war verstopft, mit etlichen Feuchttüchern. Das schafft keine Pumpe. Wolfhard Raasch musste per Hand eingreifen und das ganze Zeug wieder aus der Pumpe und den Leitungen pulen.

Berge von Feuchttüchern holte Raasch aus der Pumpe und den Leitungen

Berge von Feuchttüchern holte Raasch aus der Pumpe und den Leitungen.

Quelle: TAV

Wie die Kläranlage in Gänze funktioniert, können sich alle, die es interessiert, am Sonnabend, 6. Mai, ansehen. Dann gibt es um 11 Uhr und um 13 Uhr Führungen über das gesamte Gelände.

Dieser „Tag der offenen Tür“ hat seinen guten Grund. Vor 25 Jahren wurde der Trink- und Abwasserzweckverband gegründet: am 1. Mai 1992. Liebenwalde und Gemeinden aus dem Barnim schlossen sich zusammen, damit die Zeit der Klärgruben ein Ende findet. Die einzige Kläranlage, die es damals schon gab, war eine Teichanlage für den 60 WE-Block und die Leute am Weinberg und Häuser am See. Ansonsten musste jeder seine Grube abfahren lassen.

Der 21. September 1992 war ein historischer Tag. Silvia Sydow hat von Anfang an alle Zeitungsausschnitte gesammelt und zeigt auf das vergilbte Foto, auf dem Christa Balke (Bürgermeisterin von Hammer), Ingeborg Kirchmann (Bürgermeisterin von Liebenthal), Ingenieur Christian Schnur, Gert Luckmann ( Stadtoberhaupt von Liebenwalde) und Dieter Müller (Bürgermeister von Groß Schönebeck) gemeinsam zum Spaten greifen und den Bau der Kläranlage einläuten. Das Gelände an der Berliner Straße war ursprünglich Privatland. Nach der Wende musste es für teures Geld von der BVVG erworben werden.

Der Baugrund war schon die erste Herausforderung. Bereits nach einem Meter stießen die Bauarbeiter auf Grundwasser. Das Gelände grenzt direkt an den Malzer Kanal und ist außerdem von einem Grabensystem umgeben. Eine aufwendige Grundwasserabsenkung war nötig.

In der Schaltzentrale wird die Anlage überwacht und gesteuert

In der Schaltzentrale wird die Anlage überwacht und gesteuert.

Quelle: Andrea Kathert

Zunächst entstand das Verwaltungsgebäude, dann folgte das eigentliche Klärwerk, Stück für Stück. Die Anlage kam von der Firma Schreiber aus Langenhagen. Die Mitarbeiter der Firma Bücker bauten sie auf.

Schon zwei Jahre später, 1994, war das Klärwerk betriebsbereit. Aber der Bau der Kanalisation in den Ortsteilen kam nicht so schnell hinterher. Am 3. April 1995 fand der erste Probelauf statt, da lief das erste Abwasser ins Werk. Noch vor der offiziellen Inbetriebnahme durfte der Plus-Markt an der Berliner Straße sein Schmutzwasser einleiten. Und nach und nach, je nach Erschließungsgrad in den Gemeinden, wurde die mobile Entsorgung durch die zentrale Abwassereinleitung abgelöst.

Ausgelegt war die Kläranlage für 14 000 Einwohnergleichwerte, mit 5000 begann der Betrieb. Vier Jahre nach der Inbetriebnahme stellte man fest, dass die Anlage eigentlich überdimensioniert war, denn die prognostizierten Zuzüge und großen Bauvorhaben wurden nicht alle wahr. „Zum Beispiel die Kurklinik in Liebenthal, aus der ist nie was geworden“, sagt Wolfhard Raasch.

Für den Niederbarnimer Zweckverband war das 1997 nicht schlecht. Es ersparte ihm den Bau eines eigenen Klärwerkes. Die Barnimer Gemeinden und Zehlendorf, Schmachtenhagen und bald auch Wensickendorf entsorgen ihr Schmutzwasser nach Liebenwalde. Auch 2000 Zühlsdorfer sind an das Netz angeschlossen.

Heute ist das Liebenwalder Klärwerk keineswegs mehr zu groß. Mit etwa 18 000 Einwohnergleichwerten ist es bestens ausgelastet. Bei Starkregen könnte es sogar noch mehr Reserven gebrauchen. Wolfhard Raasch denkt nur an den Juli 2011, als an zwei Wochenenden 178 Liter pro Quadratmeter Regen runterkamen und die Kläranlage an einem Tag mehr als 8000 Kubikmeter bewältigen musste, weil das Regenwasser von den Straßen in den Schmutzwasserkanal lief. Oder weil „besonders schlaue“ Grundstücksbesitzer ihr Regenwasser zusätzlich in den Abwasserkanal ableiteten – illegal natürlich. „Bei solchen Mengen ist die Anlage hydraulisch dann überlastet“, meint Raasch.

Die Geburtsstunde für den TAV

Gegründet wurde der Trink- und Abwasserzweckverband Liebenwalde (TAV) offiziell am 1. Mai 1992.

Damals schlossen sich Liebenwalde, Hammer, Liebenthal und die Gemeinde Schorfheide mit Groß Schönebeck, Böhmerheide, Klandorf, und Schluft zusammen. Neuholland kam 1994 dazu, Freienhagen und Kreuzbruch erst 2006.

Am 21. September 1992 wurde der historische Spatenstich für das Klärwerk an der Berliner Straße in Liebenwalde gefeiert. Am 3. April 1995 fand der erste Probelauf statt.

Die Mengengebühren für Trinkwasser liegen im Verbandsgebiet seit 2003 konstant bei 1,29 Euro pro Kubikmeter. Bei Schmutzwasser ist die Mengengebühr sogar gesunken und liegt derzeit bei 3,23 Euro pro Kubikmeter. Hinzu kommt bei beiden die Grundgebühr.

Im Klärwerk sind elf Mitarbeiter beschäftigt, fünf in der Verwaltung, sechs im technischen Bereich.

Alle Interessierten sind für Sonnabend, 6. Mai, von 10.30 Uhr bis 15 Uhr zu einem „Tag der offenen Tür“ eingeladen. Um 11 Uhr und um 13 Uhr finden Führungen über das Gelände statt. es wird erklärt, wie die Anlage im Detail funktioniert.

Reserven für solche Fälle werden gerade geschaffen, indem die Belüftung im Belebungsbecken verbessert wird. Denn heute ist eher das Problem, dass zuviel Fracht und zu wenig Wasser im Klärwerk ankommen. „Heute landet eben alles im Klo“, ärgert sich Wolfhard Raasch. „Unser Klärwerk wird manchmal als Mülltonne mißbraucht.“

Geschäftsführerin Jana Trampe ist für die Zahlen zuständig. Sie muss ein wenig anders rechnen. Täglich fallen in Liebenwalde 80 bis 90 Liter Schhmutzwasser an. Im Jahr 2014 waren es durchschnittlich 93 Liter. „Wir haben natürlich auch Leute, die kommen mit wesentlich weniger Wasser aus.“ Der Bundesdurchschnitt liegt bei 120 Liter pro Tag und Einwohner. Und deshalb würde sich Jana Trampe schon wünschen, dass ein wenig mehr Wasser eingeleitet wird. Denn das Problem für Liebenwalde ist, dass mehr Fracht, aber weniger Wasser in der Anlage ankommt. „Was für uns wieder die Kosten erhöht“, sagt Jana Trampe. Denn die Reinigung des Wassers dauert dadurch länger, es wird mehr Strom verbraucht. Alleine die neue Belüftung frisst viel mehr Strom.

Auf die Kläranlage lässt Wolfhard Raasch nichts kommen. „Die funktioniert bestens.“ Und davon kann sich am Sonnabend jeder überzeugen.

Von Andrea Kathert

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