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Hightech-Auto verdrängt gute, alte Messlatte

Steinförde Hightech-Auto verdrängt gute, alte Messlatte

Hochmoderne Technik löst auch in der Forst altbekannte Arbeitsweisen ab. So passiert dies in der Landeswaldoberförsterei Steinförde beim Vermessen der Polter. Im Vorbeifahren wird die Menge an Holz, die sich am Waldrand befindet, eingelesen.

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Bernd Steinmann an seinem Arbeitsplatz mit der hochmodernen Technik (kleines Bild: im Auto).

Quelle: FOTO: Stefan Blumberg

Steinförde. Die Messlatte war gestern. Heute werden die Polter im Wald mit hochmoderner Technik vermessen: fotooptisch. Das intelligente Messgerät ist auf dem Autodach befestigt. Der Holzvermesser braucht nicht mal aussteigen, fährt mit dem Auto langsam an den Poltern – das sind die an den Waldwegen zurechtgeschnittenen und gestapelten Holzhaufen – vorbei und lässt seine technische Wunderwaffe deren Größe einlesen. Die Daten sind sofort auf seinem Bordcomputer sichtbar. „Das ist eine ganz tolle Technik“, sagt Bernd Steinmann, der für die Landeswaldoberförsterei Steinförde dieses Hightech-Auto seit einigen Wochen fährt und die Vermessungsarbeiten übernommen hat. Seit der Anschaffung des Autos läuft die Vermessung und die Vermarktung des Holzes komplett digital ab. Der Revierförster, der bisher mit der drei Meter langen Messlatte von Polter zu Polter zog, gab diese Aufgabe nun ab.

Ein Mann, ein Fahrzeug, drei Landeswaldoberförstereien

Drei von diesen Fahrzeugen wurden vom Land Brandenburg angeschafft. Das, in dem Bernd Steinmann sitzt, deckt den ganzen Nordwesten des Landes ab (die Oberförsterein Grünaue, Alt-Ruppin und Steinförde): Lychen, Pritzwalk, Wittenberge, Rathenow, Potsdam – das ist der Aktionsradius, in dem sich der Fürstenberger bewegt. Neue Gegenden, neue Wälder, neue Waldwege. „Aber das ist nicht schlimm“, sagt er. „Ich ziehe mir morgens die Daten vom Computer auf meine Vermessungstechnik. Auf der digitalen Landkarte sind rote Fähnchen zu sehen. Jedes Fähnchen steht für einen Polter, der vermessen werden soll. Mit dem Navigationsgerät finde ich die ganz genau. Ich stelle mir meine Touren so zusammen, dass ich gleich mehrere Polter abarbeiten kann.“

Sobald Bernd Steinmann die roten Fähnchen angeklickt hat, ändert sich deren Farbe in Gelb. Jeder, der in der Vermarktungskette involviert ist, weiß, dass dieser Polter in Kürze vermessen wird. Hat Bernd Steinmann seine Arbeit beendet, wechselt die Fähnchenfarbe in Grün. Für jeden Polter wird ein detailliertes Protokoll gefertigt. Darin sind Angaben über Baumart, Messdatum, Polterbreite, -höhe und -tiefe, Raummaß, Stückzahl (Schätzung) sowie Abbildungen enthalten. „Wir weisen damit eine nachvollziehbare Lieferkette vor“, sagt Christian Henschel, Holzvermarkter in der Landeswaldoberförsterei Steinförde. „Wir machen viele genaue Angaben. Die sind zudem rechtssicher.“ Die Daten werden in Echtzeit übertragen. Ein positiver Aspekt der Anschaffung des Dralle-Messsystems  (vom  dänischen Unternehmen Dralle entwickelt): „Die Abweichung bei den Messungen reduziert  sich  von zehn auf drei Prozent.“ Damit falle der Verlust wesentlich geringer aus. Und auch die Zeitersparnis sei nicht zu verachten. Ziel ist es, 200 000 Festmeter eigenes Holz im Jahr zu vermessen.

37 Jahre im Holzeinschlag – und jetzt im Auto unterwegs

Für Bernd Steinmann, der bei Bedarf von Detlef Schmidt vertreten wird, bedeutet seine neue Aufgabe noch einmal eine Richtungsänderung in seinem Leben in der Forst. „37 Jahre lang habe ich in Steinförde im Holzeinschlag gearbeitet. Wenn man was anderes machen will – wie lange soll man warten?“ Er betritt absolutes Neuland. Der 56-Jährige besitzt weder Handy noch Computer. Jetzt sitzt er in seinem Messwagen und bedient die digitale Technik wie ein erfahrener IT-Fachmann. Er füttert das Messgerät mit Daten, präzisiert die Messungen, indem er die zunächst einberechnete Luft auf dem Bildschirm per Hand ausklammert. Gemessen werden kann Tag und Nacht (dafür sind Scheinwerfer installiert), bei Schnee und Regen. „Klasse“, sagt Bernd Steinmann. Sein Dienstwagen sieht nicht aus wie ein Ungetüm, aber der Anblick ist dennoch gewöhnungsbedürftig. „Wenn jemandem das Auto im Wald auffällt, braucht er keine Angst haben“, sagt Christian Henschel. „Es sind nur wir vom Landesbetrieb Forst.“

Von Stefan Blumberg

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