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Hilfe, die alle Jahre wieder ankommt

Verein Litauenhilfe in Birkenwerder Hilfe, die alle Jahre wieder ankommt

Seit 1993 fahren Reinhard Schlarmann aus Birkenwerder und seine Mitstreiter mit Kleinbussen voller Hilfsgüter nach Litauen. Zielort ist Sumskas/Kalveliai. 2008 wurde der 65-jährige Vorsitzende des Vereins „Litauenhilfe“ dafür mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Anfang Dezember gehen unter anderem Weihnachtspäckchen mit auf die Reise.

Birkenwerder. Seit 1993 fahren Reinhard Schlarmann aus Birkenwerder und seine Mitstreiter mit Kleinbussen voller Hilfsgüter nach Litauen. Zielort ist Sumskas/Kalveliai. 2008 wurde der 65-jährige Vorsitzende des Vereins „Litauenhilfe“ dafür mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt. Der nächste Transport startet Anfang Dezember. Diesmal gehen unter anderem Weihnachtspäckchen mit auf die rund 1000 Kilometer lange Reise.

MAZ: Weihnachten steht vor der Tür. Und Sie rufen wieder mit Flyern zur Aktion Weihnachtspäckchen für Litauen auf. Worum geht es da?

Reinhard Schlarmann: Auch in diesem Jahr wollen wir wieder in der Vorweihnachtszeit Weihnachtspäckchen nach Litauen bringen. Es ist schon Tradition, dass wir unter anderem zu Schule nach Sumskas fahren, wo wir persönlich jedem Schulkind eine kleine Freude zum Weihnachtsfest überreichen. Der kleine Ort liegt mit seinen rund 1000 Einwohnern in einem strukturschwachen Gebiet mit hoher Arbeitslosigkeit ganz nahe an der Grenze zu Weißrussland und ist seit 2012 offiziell Partnergemeinde von Birkenwerder. Seit 2009 rufen wir dazu auf, Weihnachtspäckchen für unsere Aktion zu spenden. Im vergangenen Jahr kamen so 230 Stück zusammen.

Was muss ich tun, um mitzumachen?

Schlarmann: Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Wer helfen möchte, kann selbst ein oder mehrere Päckchen in der Größe eines Schuhkartons zusammenstellen und in weihnachtliches Geschenkpapier einwickeln. Abzugeben sind die Päckchen bei mir in Birkenwerder, Lindenhof Siedlung 8. Abgabeschluss ist aus organisatorischen Gründen der 30. November. Zweitens nimmt unser Verein auch Geschenke in loser Form an, die dann von uns sorgfältig verpackt werden. Wer sich an den Gesamtkosten der Aktion beteiligen möchte, kann drittens auch einen Geldbetrag auf unser Vereinskonto überweisen – mit dem Hinweis „Aktion Weihnachtspakete“. Und wenn sich viertens Schulklassen engagieren wollen, bitten wir um Abgabe von nicht zugeklebten Päckchen, möglichst mit beiliegendem Weihnachtspapier. Der Grund hierfür sind die erfahrungsgemäß großen Unterschiede hinsichtlich der Inhalte. So können wir die Kartons in Einzelfällen auffüllen, um einen Ausgleich vorzunehmen.

Was kommt als Geschenk in Frage?

Schlarmann: Das sind Schul- und Bastelmaterialien wie Stifte, Hefte, Tuschkästen und Zirkel. Außerdem Spielzeug, wobei um kleinere neue Sachen handeln sollte, mindestens aber um Neuwertiges. Problematisch sind Gebrauchsanweisungen ausschließlich in Deutsch und Batteriebetriebenes wegen der Folgekosten. Ein Hauptbestandteil können Süßigkeiten sein. Wünschenswert ist dabei alles, worüber sich Kinder freuen. Tabu ist natürlich Alkoholisches. Und Kinder sind auch nicht so glücklich, wenn sie gebrauchte Kleidung bekommen.

Wie wird sichergestellt, dass Geschenke auch passen?

Schlarmann: Jeder Spender kann selbst entscheiden, welche Altersgruppe er bedenken möchte und dann gezielt einkaufen. Wir beschenken Schüler der ersten bis zehnten Klasse, Vorschüler sowie Kindergärten mit Schützlingen im Alter von drei bis sechs Jahren. Aus diesem Grund sollten außen bitte unbedingt diese Angaben gemacht werden: „Junge“, „Mädchen“ sowie „Junge oder Mädchen“. Dazu eine Alters- oder Klassenangabe, möglichst von-bis. Hilfreich ist auch die Angabe „Vorschulkind“ für Drei- bis Sechsjährige.

Wie ist die Aktion entstanden?

Schlarmann: Bereits 1992, die sowjetische Besatzungsmacht war noch in Litauen präsent, sind vom Berliner St. Hedwig-Krankenhaus medizinische Ausrüstung, Verbrauchsmaterialien sowie sonstige Krankenhausausstattung und Fahrzeuge aus DDR-Beständen zum Caritas-Verband nach Kaunas gebracht worden. Krankenhaus-Mitarbeiter Klaus Thater und sein Schwager Karl-Heinz Klaus aus Alexanderdorf haben bald darauf im Auftrag der katholischen Gemeinde Berlin-Karlshorst und der Beniktinerinnenabtei Alexanderdorf weitere Spenden abgeliefert. Als die beiden Männer die Armut und Not in Litauen gesehen haben, entschlossen sie sich, weiter zu helfen. Bereits sechs Monate später stellten sie einen Hilfstransport mit elf Kleinbussen und 22 Helfern zusammen. Bei dem war auch ich dabei.

Was hat Sie bewogen, bis heute dabei zu bleiben?

Schlarmann: Die Hilfsgüter gingen an ein Krankenhaus nach Vilnius. Die Ausstattung und die Zustände waren erschreckend. Da die Kapazität der ohnehin engen Krankenzimmer nicht ausreichte, wurde ein Sofa auf dem Flur als Krankenlager genutzt. Das Mittagessen wurde aus Eimern geschöpft. Als damals noch leitender Angestellter im technischen Bereich des St. Hedwig-Krankenhauses hatte ich sofort viele Ideen, wie wirkungsvoll geholfen werden kann. Zudem übernahm ich das Ausfüllen der Zoll- und Begleitpapiere, damit an der Grenze Probleme und Wartezeiten vermieden werden. Zusammenfassend kann ich sagen: Das Organisatorische liegt mir. Von daher habe ich mich engagiert. Ich habe das Ganze also nicht erfunden, sondern mich einfach eingebracht und die Sache später übernommen.

Wie kam Birkenwerder ins Spiel?

Scharmann: Nach meinem Umzug 1996 von Berlin-Mitte nach Birkenwerder fand ich schnell Helferinnen und Helfer. Inzwischen belieferten wir auch andere Einrichtungen, darunter in Sumskas und Kalveliai. Wegen der überaus herzlichen Aufnahme in der dortigen Schule und den beiden Krankenhäusern wurden diese Orte zu einer unserer Hauptanlaufstellen. Nicht zuletzt auch, weil das marode Jakobus-Krankenhaus in Vilnius trotz der Hilfe geschlossen wurde.

Gibt es auch eine christliche Basis für Ihr Engagement?

Schlarmann: Mein christlicher Glaube ist auch ein Beweggrund. Aber: Wenn man die Zustände in manchen litauischen Orten einmal gesehen hat, muss man einfach helfen. Nicht als Christ sondern als normal mitfühlender Mensch. Und: Nach der Wende stellten wir fest, dass es uns fürchterlich gut geht. Bereits zu DDR-Zeiten hatten wir die Chance, mal ein Päckchen aus dem Westen zu bekommen. Von diesen angenehmen Erfahrungen wollte ich etwas zurückgeben. In Richtung Westen war das nicht möglich. Aber in Richtung Osten. Man muss sich mal vor Augen führen: An unserer litauischen Partnerschule bekommen 65 von 110 Kindern aus sozialen Gründen ein unentgeltliches Mittagessen. Das sind etwa 60 Prozent. In ganz Birkenwerder sind es vielleicht zwanzig. Das sind etwa zwei Prozent der Schul- Und Kindergartenkinder. Noch ein Beispiel. Meine Dolmetscherin bekommt 250 Euro Rente. Die Lebenshaltungskosten liegen aber bei etwa 80 Prozent der deutschen. Versuchen sie mal, damit klarzukommen.

Deshalb haben Sie ja eine verlässliche Hilfe aufgebaut. Wie oft machen Sie die Transporte?

Schlarmann: Wir machen drei feste Transporte pro Jahr, es gab auch schon mal vier. Dabei können wir uns auch auf die Unterstützung der Gemeinde verlassen. Ansonsten wäre diese Arbeit nicht zu leisten. Unser Jahresbudget liegt bei 5000 bis 6000 Euro.

Was liefern Sie neben Weihnachtspäckchen und Mediznischem noch nach Litauen?

Schlarmann: Wir sammeln auch Kleidung, denn allein die 2007 vom Verein gegründete Kleiderkammer von Sumskas versorgt rund 3000 bedürftige Menschen. Wir beliefern zudem die zentrale Kleiderkammer der Caritas in Vilnius. Die Textilien lagern wir im Gästezimmer in unserem Keller, unserem Multifunktionsraum und Packlager, wo meine Frau Rosemarie und ich die Sachen auch sortieren. Aufgrund der Situation mit den Flüchtlingen haben die Kleiderspenden allerdings etwas nachgelassen.

Haben Sie da noch Zeit für Freizeitbeschäftigungen?

Schlarmann: Ich bin seit vier Jahren im Vorruhestand und seit sechs Monaten regulär Rentner. Seitdem hat sich die Hilfsaktion ausgeweitet. Ich halte jetzt auch Vorträge. Nebenbei kümmere ich mich um Haus und Grundstück. Da ist immer was zu tun. Als gelernter Metallbauer baue ich jetzt einen neuen Zaun. Außerdem hatte ich mir Berlin-Touren und Museumsbesuche vorgenommen. Ich habe gerade einmal drei geschafft. Wenn man sich engagiert, muss man auch Einbußen hinnehmen.

Wie motivieren sie sich?

Schlarmann: Klar fragt man sich manchmal: Warum tust du dir das an? Wenn man aber dort ist und Kinder beschenkt und die Freude sieht, ist das einfach nur schön. Die Jugendlichen um 16 Jahre tun ja immer etwas cool. Aber einmal musste ich noch mal zurück, weil ich meinen Fotoapparat liegengelassen hatte. Da hatten die eben noch so „Gleichgültigen“ die Päckchen aufgerissen wie die kleinen Kinder. Die Dankbarkeit in den Augen, auch von Seiten der Eltern ist für mich das Schönste. Das ist meine Hauptmotivation.                
 Interview: Helge Treichel

Von hhhh

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