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Hilferuf der Helfer

Birkenwerder Hilferuf der Helfer

Die Helfer der Willkommensinitiative in Birkenwerder suchen neue Helfer und Paten für ihre Schützlinge. Viele haben Sprachkurse hinter sich, haben einen Bleibestatus und Arbeit. Jetzt gehe es um den nächsten Meilenstein der Integration: eine eigene Wohnung.

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Andrea Müller und Thomas Hirth von der Willkommensinitiative Birkenwerder suchen Unterstützer.

Quelle: Helge Treichel

Birkenwerder. Arbeit und Wohnung – das seien die Schwerpunkte der Integration, sagt Thomas Hirth. Doch gerade an zweiterem hake es in Birkenwerder. Und das Problem spitze sich noch zu, weil die Gemeinschaftsunterkunft in der Hubertusstraße bis Mitte Juni leer gezogen werden soll. 35 bis 40 Menschen seien auf Wohnungssuche. Zumeist handele es sich um junge Männer aus Syrien im Alter zwischen 20 und 30 Jahren. Auch eine afghanische Familie sei betroffen.

Umzug ist ein „Rückschritt“

Die Geflüchteten sollen in die Gemeinschaftsunterkünfte in der Geschwister-Scholl-Straße in Birkenwerder und nach Lehnitz umziehen. Für viele ist das ein Rückschritt, weil sie wieder in Zwei- oder Dreibettzimmer untergebracht werden sollen, sagt Thomas Hirth. Den 55-Jährigen ärgert auch, dass die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft dafür kräftig zur Kasse gebeten werden sollen. In den Fachausschüssen wird derzeit der Entwurf einer diesbezüglichen Satzung beraten, über die bereits Ende Mai vom Kreistag beschlossen werden soll.

Blick in die Gemeinschaftsunterkunft in Lehnitz

Blick in die Gemeinschaftsunterkunft in Lehnitz.

Quelle: Helge Treichel

Es geht um das Erheben von Gebühren für die Benutzung von Einrichtungen der vorläufigen Unterbringung von Flüchtlingen, Spätausgesiedelten und weiteren aus dem Ausland zugewanderten Personen. Bis zu 620 Euro sind danach pro Platz an den vertraglich gebunden Dienstleister zu zahlen, an die Gesellschaft für Anlagenbewirtschaftung und Objektbetreuung Oberhavel mbH. „Das ist unsittlich“, sagt Hirth.

Geflüchtete mit Arbeit sollen Heimplatz künftig bezahlen

Neben Miet- und Reinigungskosten sind laut Beschlussvorlage auch Serviceleistungen im Preis inbegriffen: Reinigung, TV-Anschluss, Objektbewachung sowie das Bereitstellen von Kranken- und Spielzimmern. Diese Gebührenstufe sei kostendeckend und soll ab dem zwölften Monat gelten. Davor sollen Geflüchtete mit einem Arbeitsplatz 288 Euro zahlen.

Geflüchtete aus Syrien bereiten sich in Lehnitz eine Mahlzeit zu

Geflüchtete aus Syrien bereiten sich in Lehnitz eine Mahlzeit zu.

Quelle: Helge Treichel

Dem stellt Hirth den Zuschuss gegenüber, den Geflüchtete für eine Wohnung erhalten können. Für eine Person und 50 Quadratmeter Wohnfläche sind das zwischen Berlin und Oranienburg 259,50 Euro. Das entspricht einer Bruttokaltmiete von 328 Euro. Dafür sei es nahezu aussichtslos, ein eigenes Quartier zu bekommen.

Paten und Unterkünfte für Geflüchtete gesucht

Die Helfer bitten deshalb um Hilfe: Sie suchen Paten für ihre Schützlinge. Es geht um Kontaktpflege, Unterhaltungen auf Deutsch, das Suchen und Besichtigen von Wohnungen oder Wohngemeinschaften, Hilfe bei Umzügen, das Begleiten zu Arztterminen sowie sportliche Aktivitäten, Konzerte und Ausflüge. Für Veranstaltungen stehe sogar Geld als Förderung zur Verfügung. Und wer hat, könne natürlich auch ein Zimmer vermieten.

Gemeinschaftsunterkunft in Lehnitz

Gemeinschaftsunterkunft in Lehnitz.

Quelle: Helge Treichel

Interessenten melden sich bitte per E-Mail unter paten@iwibi.de. „Interessenten teilen uns mit, was sie sich vorstellen können, dann vermitteln wir einen passenden Kontakt“, sagt Thomas Hirth: „Ich hoffe, wir bewegen was und es melden sich einige, die sich ein Herz nehmen.“ Außerdem werde natürlich auch Hilfestellung angeboten, schließlich könnten die Mitglieder der Initiative bereits auf einen anderthalbjährigen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Als Pate den eigenen Horizont erweitern

Zu den Aktiven mit Erfahrung zählt Andrea Müller. Die 37-jährige Ergotherapeutin kümmert sich wie auch Hirth um einzelne Flüchtlinge intensiv. Parallel ist sie in einer der Arbeitsgruppen der Initiative tätig. „Paten sind total wichtig“, sagt sie. „Leute mit Paten sind im Integrationsprozess wesentlich weiter als ohne.“ Vom Bauern bis zum Arzt seien alle Berufe vertreten. Die Mutter „ihrer“ sechsköpfigen Familie sei Hebamme, erzählt Andrea Müller. Für sie bringe diese ehrenamtliche Tätigkeit sehr viele positive Erfahrungen mit sich: „Man guckt über den eigenen Horizont, man spricht über Kultur, Musik, Erlebtes.“

Info: www.willkommen-in-birkenwerder.de

Von Helge Treichel

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