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Oberhavel Hoffen auf ein Wunder
Lokales Oberhavel Hoffen auf ein Wunder
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15:57 30.12.2014
Liebevoller Moment zwischen Maria Neuenfeld und ihrem Sohn Arne-William, der prompt darauf reagiert. Quelle: Helge Treichel
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Hohen Neuendorf

Diese Gefühlsregungen, die für andere Mütter alltäglich sind, bedeuten für Arne einen großen Fortschritt. Jedenfalls seit diesem sonnigen 11. Mai im vergangenen Jahr, der das Leben von Maria und Sven Neuenfeld komplett umkrempelte. Seit Arne-William unbemerkt in einen Badepool fiel und trotz seiner Rettung im Wachkoma liegt.

Die drei Neuenfelds waren damals Gäste einer Geburtstagsfeier bei den Eltern der besten Freunde in Hennigsdorf, zusammen mit weiteren Bekannten und deren Kindern. Viele sind so alt wie ihr Sohn. Arne tollte mit ihnen durch den Garten – und war auf einmal spurlos verschwunden. Kurz zuvor war noch ein Foto mit ihm gemacht worden: der damals Zweijährige auf seinem Laufrad. Es sollte die letzte Aufnahme von ihm aus seinem früheren, unbeschwerten Leben sein. Um 17.18Uhr hatte die Kamera das Bild abgespeichert. „Zehn Minuten später hatten wir schon den Notarzt alarmiert“, sagt Papa Sven Neuendfeld.

Die Uhrzeit hat sich in sein Gedächtnis gebrannt. Immer wieder hat er die Minuten durchgespielt. Wie alle abgelenkt waren, weil ein Mädchen vor eine Schaukel gelaufen war und seine Frau die Kleine tröstete. Wie sie Arnes Verschwinden bemerkten und ihn alle fieberhaft gesucht hatten. Wie sie ihn endlich unter der schweren Abdeckplane des zuvor extra abgesperrten und beobachteten Pools vor dem Haus gefunden hatten. Auch jetzt geht Sven Neuenfeld die Schrecksekunden wieder durch. „Es waren definitiv weniger als zehn Minuten“, sagt er nach einer Weile mit Nachdruck. So, als wollte er sich selbst Mut zusprechen. Von der Zeitspanne, in der das Gehirn des Kleinen nicht mit Sauerstoff versorgt war, hängt sehr viel ab: welche Schäden er davongetragen hat, wie die Chancen der Gesesung stehen, ob er wieder aufwacht.

Maria, Sven und Arne-William Neuenfeld . Quelle: Helge Treichel

Um diesen Prozess zu befördern, wird Arne Rund um die Uhr in der Helios-Klinik Hohenstücken in Brandenburg betreut, ein neurologisches Rehabilitationszentrum für Kinder und Jugendliche. Seine Mutter wohnt bei ihm und begleitet ihn bei seinem umfangreichen Therapieprogramm. Sie bedient die Apparaturen, die ihr Kinde mit Nahrung und Sauerstoff versorgen, sie saugt von Zeit zu Zeit Schleim ab und hat immer ein Auge auf den Überwachungsmonitor. Hightech im Kinderwagen und am Krankenbett.

Papa Sven, der nach einer sechsmonatigen Auszeit seine Arbeit im Hennigsdorfer Elektrostahlwerk inzwischen wieder aufgenommen hat, besucht die beiden, sooft er kann. „Es ist nicht einfach, mit der Situation umzugehen“, sagt der 34-Jährige. „Der schreckliche Unfall hat alles geändert.“

Momentan werde versucht, ihn schritweise aufzuwecken, schildert Mama Maria die aktuelle Situation. Dazu dienen unter anderem die natürlichen Reize des Alltags: Vogelgezwitscher, Straßenlärm, Kinderstimmen, sogar ein paar Regentropfen im Gesicht. „Wir können alles machen, was wir früher auch gemacht haben“, sagt die 33-Jährige. Das schließt ein, mit dem Kind ganz normal zu sprechen. Die Ärzte hätten zu einem „Mittelmaß an Gefühlen“ geraten. Nicht zu traurig, nicht zu aufgedreht. Arne bekomme alles mit.

Aber eine eindeutige Prognose geben die Fachleute nicht ab. Jedes Kind, jeder Fall sei anders, sagen sie. Von Vergleichen raten sie ab. Doch die Neuenfelds klammern sich an die positiven Beispiele. Sie hoffen und glauben an ein Wunder. Dass er möglichst lange in der Klinik gefördert wird, dass sie ihren Arne wiederbekommen. Beide sind fest entschlossen, für ihr Kind zu kämpfen, ihm jede erfolgversprechende Therapie zu ermöglichen. Auch eine Delfintherapie, die im Gegensatz zum Reiten in der Klinik keine Kassenleistung mehr ist. Dabei werden sie von unzähligen Helfern unterstützt. Eltern aus der Tagespflege, Sportvereine, Musiker. Alle sammeln Geld für Arne-William.

Zuerst stehen jedoch andere kostspielige Dinge an. Haus und Wohnung müssen rollstuhlgerecht umgebaut werden. Zuvor wollen die Großeltern mit den Kindern die Wohnung im Mehrgenerationenhaus tauschen. Ein Autositz muss angeschafft werden. „Wir wissen gar nicht, wie wir das schaffen sollen.“

Immer wieder kommen auch die Selbstvorwürfe hoch, im entscheidenden Moment nicht für Arne dagewesen zu sein, sagt Sven Neuenfeld. Er und seine Frau werden psychologisch und auch seelsorgerisch betreut. „Alle, die Kinder haben, wissen, wie wir uns fühlen.“

Von Helge Treichel

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