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Hohen Neuendorf Mauersegler finden im Rathaus Unterschlupf
Lokales Oberhavel Hohen Neuendorf Mauersegler finden im Rathaus Unterschlupf
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01:16 15.02.2019
Yvonne Schuldes und Uta Sachse (v.l.) präsentieren die besonderen Vogelkästen am oberen Rand der Rathausfassade. Quelle: Helge Treichel
Hohen Neuendorf

Die acht Nistkästen sind an der Nord-Fassade des Hohen Neuendorfer Rathausanbaus kaum wahrnehmbar. Aber so unscheinbar das Erscheinungsbild, so groß ist die Wirkung für die Mauersegler, eine bedrohte Art. Zwischen Mai und August ziehen die Vögel in kleinen Schulen und mit akrobatischem Flugstil am Himmel ihre Bahnen.

Damit das so bleibt, hatte Yvonne Schuldes als Schwalbenbeauftragte des Nabu-Regionalverbandes Oranienburg mit der Stadtverwaltung in Hohen Neuendorf Kontakt aufgenommen. Etwa zwei, drei Jahre sei das her, sagt die 41-Jährige. Beim ehemaligen Klimaschutzbeauftragten Malte Stöck stieß sie gemeinsam mit Mitstreiter Detlef Joachim aus Birkenwerder auf Interesse. Es wurde beratschlagt, eine Lösung gefunden, die Planung angepasst. Ohne viel Aufhebens wurden die etwa 30 mal 15 Zentimeter großen Kästen in den Bau integriert – und blieben von den meisten Menschen bislang völlig unbemerkt. Dass die Stelle genau richtig gewählt ist, davon ist Yvonne Schuldes überzeugt: „Gleich in der Nähe, am Restaurant und Hotel „Zum Grünen Turm“, gibt es bereits eine Mauersegler-Kolonie.“

Yvonne Schuldes zeigt die Nisthilfen mit den unscheinbaren Zugangsöffnungen. Sie ist unter yp.schuldes@gmail.com erreichbar. Quelle: Helge Treichel

Ein kleiner Aufwand für eine Stadt, ein großer Effekt für den Artenschutz: Diese Geschichte dürfe nicht unerzählt bleiben, ist Uta Sachse überzeugt. Die 60-jährige Hennigsdorferin war bis zu ihrer Entlassung vor zwei Jahren für den Schienenfahrzeughersteller Bombardier tätig. Aus dem Loch, in das sie damals gefallen war, hat sie sich mittlerweile herausgearbeitet – mit ehrenamtlichem Engagement. Sie und ihr Mann wurden Mitglied im Naturschutzbund (Nabu) und im Verein „Natur Hennigsdorf“.

„Ich finde total toll, dass die Stadt dieses Mausegler-Projekt im Zuge des Rathaus-Neubaus gleich mit realisiert hat“, sagt Uta Sachse: „Für mich ist Hohen Neuendorf ein leuchtendes Vorbild.“ Sie wünsche sich, dass noch andere Kommunen in dieser Weise aktiv werden, auch ihre Heimatstadt Hennigsdorf, in der die ehemalige Berlinerin seit 1998 zu Hause ist. Sie und ihr Verein haben der Kommune auf die Sprünge geholfen, indem drei Projekte im Rahmen des Bürgerhaushalts vorgeschlagen wurden. Dazu gehören Futterhäuser und das Projekt „Hennigsdorf blüht auf“.

Für Mitte Mai hat Uta Sachse bereits den nächsten Termin am Rathaus Hohen Neuendorf organisiert: Mit einer speziellen Beschallung sollen Mauersegler angelockt und so auf die neuen Nistmöglichkeiten hingewiesen werden. Yvonne Schuldes hat dafür spezielle Rufe der Mauersegler aufgezeichnet. Diese wolle sie mit einem Lautsprecher abspielen, wobei der Schall von der Fassade schräg in Richtung Himmel reflektiert werden soll. „Ob es klappt, weiß ich nicht“, sagt Yvonne Schuldes. Aber versuchen will sie das auf jeden Fall.

Selten sind Mauersegler am Boden anzutreffen. Quelle: Erich Kaiser

Und auch ein weiteres Vorhaben steht bereits fest, eine Exkursion mit dem Thema „Mauersegler und Schwalben“ am 16. Juni. Mit dem Fahrrad soll von Birkenwerder zum Schloss Oranienburg gefahren werden. Treffpunkt ist ab 8.30 Uhr der Bahnhof in Birkenwerder. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen.

Yvonne Schuldes ist nicht nur die Schwalbenbeauftragte des Nabu, sie hat ihr Hobby vor zwei Jahren auch zum Beruf gemacht. Als Selbstständige berät sie nun Bauherren zum Mauersegler- und Schwalbenschutz. Und ihre Kapazitätsgrenze sei beinahe erreicht.

Der Bedarf ist groß. Denn fast immer, wenn Fassaden saniert werden, seien die versteckten Nistplätze von Mauerseglern in Gefahr. Anders als bei Schwalben würden nicht einmal die Ausscheidungen auf ein Nest hinweisen. Zudem sei es so klein und so spärlich gebaut, dass es leicht übersehen wird. Denn Mauersegler halten sich nahezu ununterbrochen in der Luft auf. Sogar das Nistmaterial werde wie die Nahrung ausschließlich im Flug aufgenommen, erzählt Yvonne Schuldes. Diese Lebensweise habe dazu geführt, dass sich die Beine zurückentwickelt haben. Lediglich zum Nisten landen die Luftakrobaten. Die Nisthilfen mit dem Einflugloch nach unten seien eigens darauf abgestimmt. Wichtig sei auch die Ausrichtung nach Norden oder nach Osten, damit die künstlichen Höhlen in der Sonne nicht überhitzen.

Uta Sachse ist voller Tatendrang, um auf die wertvolle Naturschutzarbeit aufmerksam zu machen. Quelle: Helge Treichel

Von Helge Treichel

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