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Hund und Hundeführer ein Team

Baumgarten Hund und Hundeführer ein Team

Stephan Schultz aus Baumgarten ist Schweißhundeführer – er und sein Bayerischer Gebirgsschweißhund werden dann geholt, wenn verletztes Wild nicht auffindbar ist. Die Spezialisten finden es.

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Erfolgreiche Nachsuche von Stephan Schultz und Lennert: Das Schwarzwild wurde gestellt.

Quelle: privat

Baumgarten. Wenn Leo erst mal Witterung aufgenommen hat, dann ist vor ihm kein Schalenwild mehr sicher. Der Elfeinhalbjährige heftet sich an die Fersen von Wildschwein, Damwild & Co. Ausdauernd, schnell und zielsicher. Seiner Nase entgeht nichts. Leo aus Baumgarten ist ein Bayerischer Gebirgsschweißhund – ein Experte für das Aufspüren von „krankem“ Wild, wie es die Jäger in der Fachsprache nennen, wenn ein Tier angeschossen oder auch angefahren wurde, also verletzt ist. Leo ist der Hund von Stephan Schultz. Er wiederum nennt sich Schweißhundeführer, der gemeinsam mit seinem Hund ein „Spezialistenteam“ bildet, wenn es daran geht, angeschossenes und dennoch weggelaufenes Wild zu finden.

„Wir werden dann gerufen, wenn das kranke Wild nicht aufzuspüren ist“, sagt Stephan Schultz. Der Jäger, der den Schuss abgegeben hat, muss die Stelle kennzeichnen, an der das Tier getroffen wurde und von der es weiterlief. Gelingt ihm das nicht, kommt Stephan Schultz mit Leo oder dem dreieinhalbjährigen Lennert ins Spiel. Zur Nachsuche.

„Der Hund riecht die Bodenverwundung“

Die Hunde mit der feinen Nase nehmen dann die Fährte auf. Auch wenn sie „Schweißhunde“ (Schweiß = Blut) heißen – das Blut sei es laut Stephan Schultz nicht, welchem die Hunde hinterherschnüffeln. „Er riecht die Abdrücke, die sogenannte Bodenverwundung“, sagt der 44-Jährige. „Der Schweißhund hat so einen sensiblen Geruchssinn, dass er Tiere verfolgen kann, dessen Spuren 20 Stunden und älter sind. Das muss er können.“ Ob Sommer, ob Winter, ob weicher Boden, ob harter Boden, ob Rapsfeld oder Maisfeld – die Schweißhunde sind in der Lage, die unterschiedlichsten Bedingungen zu meistern. So eine Suche kann mitunter stundenlang dauern. Der Hundeführer lässt seinen Hund an der Leine vornweg laufen, die Verfolgung aufnehmen und muss daher auch sehr fit sein. Anderthalb bis zwei Kilometer pro Suche sind normal, sie kann aber auch schon mal fünf oder zehn Kilometer weit gehen. Manchmal sind es auch zwei Hunde, die das kranke Tier stellen. Es wird dann vom Jäger erlöst, damit es nicht weiter leidet. „Die Gefahr ist natürlich immer da, dass man vom Tier – insbesondere vom großen Schwarzwild – attackiert wird“, sagt Stephan Schultz, der auch schon mehrfach angegriffen wurde. „Aber es ging immer alles gut.“

Drei Rassen sind anerkannte Nachsuchehunde

Der Baumgartener, auch beruflich Jäger, ist seit 2004 Mitglied im Klub der Bayerischen Gebirgsschweißhunde und seitdem auch Besitzer von solchen Ausnahmekönnern. Die Bayerischen Gebirgsschweißhunde sind eine von drei Rassen, die als anerkannte Schweißhunderasse gelten (außerdem der Hannoversche Schweißhund und die Alpenländische Dachsbracke). Er bildet sie selbst aus. „Das macht jeder. Der Hund braucht den Bezug. Ich hole mir die Welpen – und schon fängt die Ausbildung an. Er muss gefördert werden. Jeden Tag. Wie im Sport müssen auch Hunde ständig trainiert werden. Dazu kommt, dass sich der junge Hund etwas vom älteren abguckt. Nach etwa 17, 18 Monaten kann er die Vorprüfung absolvieren.“ Da muss der Hund eine künstliche Spur verfolgen. Bei der Hauptprüfung sind es richtige Spuren. Das Prüfungszeugnis wird in der Ahnentafel des etwa 900 bis 1000 Euro teuren Hundes angeheftet.

Schweißhundeführer arbeiten ehrenamtlich. „Wer sich darauf einlassen will, sollte auf jeden Fall Zeit haben, denn die Suche kann dauern“, so Stephan Schultz. Er bedauert, dass diese aufwendige Aufgabe gesellschaftlich nicht anerkannt wird. Hundesteuer zum Beispiel werde nur auf Antrag zum Teil erlassen. In anderen Bundesländern müsse nichts gezahlt werden. Trotzdem steht er immer wieder auf Abruf bereit. Mit Leo. Oder mit Lennert. Mit wem auch immer. „Wir sind ein Team!“

Von Stefan Blumberg

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