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Hunde-Auslaufgebiet im Niemandsland

Oranienburg Hunde-Auslaufgebiet im Niemandsland

In Oranienburg dürfen Hunde an vielen Orten toben, denn es gibt keine generelle Leinenpflicht für die Vierbeiner. Das von der Stadt ausgewiese Auslaufgebiet finden allerdings nur wenige, denn es liegt weitab in Tiergarten. Dort fährt niemand mit seinem Hund extra hin. Wir haben uns trotzdem dort umgesehen.

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Das ist doch ein prima Hundeleben in Oranienburg.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. In Oranienburg leben zurzeit 44.960 Menschen. Und dazu noch 2158 Hunde, die in der Stadt gemeldet sind. Und die Vierbeiner wollen jeden Tag ordentlich bewegt werden. Wer als vorbildlicher Hundehalter in Oranienburg nach einem ausgewiesenen Auslaufgebiet für seinen vierbeinigen Begleiter sucht, der hat sich echt was vorgenommen. Denn es gibt nur eine Fläche, die offiziell als Auslaufgebiet ausgewiesen ist. Und die liegt weitab in Tiergarten. Wer das Gebiet tatsächlich findet, der kann ohne Probleme bei den Pfadfindern anheuern.

Keine generelle Leinenpflicht

2005 entbrannte in Oranienburg unter den Stadtverordneten eine Diskussion, ob die Stadt ein Auslaufgebiet ausweisen sollte. Tierschützer und der Verein „Dog Peace“ wünschten sich solche Gebiete, um Hunde ohne Leine toben lassen zu können. Das dürfen sie allerdings sowieso an vielen Stellen. Denn in der Stadt gibt es gar keine generelle Leinenpflicht. Nach der Hundehalterverordnung müssen die Tiere aber beispielsweise bei Volksfesten und öffentlichen Versammlungen oder auf Sportplätzen, in Fußgänger- und Einkaufszonen und in Treppenhäusern angeleint sein.

Zwischen 2002 und Anfang 2005 gab es ein ausgewiesenes Hundeauslaufgebiet an der Birkenallee. Die Stadtverordneten hatten das Auslaufgebiet allerdings aufgehoben, nachdem in Süd eine neue Kita gebaut worden war. Vier Gebiete wurden damals zur Debatte gestellt. Übrig blieb besagte Fläche in Tiergarten, die allerdings nicht ausgeschildert ist. 5000 Quadratmeter groß ist sie, gelegen am Tiergartenweg, in der Nähe des Kahlen Berges. Die MAZ machte sich auf die Suche nach dem Auslaufgebiet.

Auslaufgebiet weit ab vom Schuss

Der naheliegende Versuch, über den Tiergartenweg die Hundespaßfläche zu finden, führt von der Stoeckerstraße in Sachsenhausen in den Tiergartenweg. Das ist ein solider Feldweg mit jeder Menge Schlaglöcher und ausgefahrenen Spurrinnen, die für jeden Pkw-Unterboden eine Herausforderung sind. Immerhin nach vier Kilometern knickt der Tiergartenweg rechtwinklig nach links ab in Richtung Waldgebiet, worin sich der Kahle Berg versteckt. Die Fläche vor dem Wald muss es sein. Und jedem Hund würde sie gefallen. Das Feld ist frisch umgepflügt und seit einer Woche mit einer satten Gülleschicht verfeinert, ein Fest für jede Hundenase.

Für Hundenasen ein Fest

Für Hundenasen ein Fest: der Acker mit frischer Gülle in Tiergarten.

Quelle: Enrico Kugler

Die junge Frau, die gerade den Nachbarshund ausführt, weiß nichts von einem Auslaufgebiet. „Wir gehen hier alle jeden Tag mit unseren Hunden spazieren“, sagt sie. Und mit „wir“ meint sie die Hundebesitzer aus Tiergarten. Dass hier Leute aus Oranienburg extra herkämen, glaubt sie nicht.

In der Tiergartensiedlung wimmelt es nicht gerade von Menschen, die man nach dem Weg fragen könnte. Aber an der Ecke Tiergartensiedlung/Elsenweg steht eine Frau gerade mit ihrer großen Schäferhündin am Zaun. Von einem Hundeauslaufgebiet habe sie noch nie was gehört. Hier in Tiergarten? Ne! „Vielleicht fragen Sie mal beim Gastwirt“, gibt die Hundebesitzerin noch einen Tipp. Aber der hat zu.

Für Hunde jedenfalls macht die Siedlung ihrem Namen keine richtige Ehre. Das Austoben in Tiergarten hält sich wohl in Grenzen. Und noch ein Tipp: Wer doch mal das Auslaufgebiet sucht, sollte den Kuhbrückenweg benutzen, der ist wenigstens asphaltiert.

Die Hunderegeln für Oranienburg

Die Stadtverordneten beschlossen am 24. Oktober 2005, ein Hundeauslaufgebiet in Tiergarten auszuweisen. Es ist 5000 Quadratmeter groß und befindet sich am Tiergartenweg in der Nähe des Kahlen Berges.

In Oranienburg und den Ortsteilen sind 2006 Hunde angemeldet, zuzüglich 119 mit Negativzeugnis und zuzüglich 33 gefährliche Hunde.
Die Zahl von Beißunfällen und Attacken, die beim Ordnungsamt angezeigt werden, liegen zwischen 10 und 20 Fällen pro Jahr.

Grundsätzlich gilt in Oranienburg die brandenburgische Hundehalterverordnung.

In Oranienburg gibt es keinen generellen Leinenzwang, Ausnahmen regelt die Stadtordnung, zu finden auf der Internetseite.
Laut Stadtordnung von Oranienburg gilt unter anderem eine generelle Leinenpflicht für die Havelpromenade, westliche Seite zwischen dem „Blauen Wunder“ und dem „August-Wilhelm-Steg“ sowie auf der östlichen Seite zwischen der Luise-Henrietten-Brücke und dem „August- Wilhelm-Steg“.

Weiter heißt es: Tierhalter oder Tieraufseher haben die von ihren Tieren verursachten Verunreinigungen auf öffentlichen Straßen und Anlagen unverzüglich zu beseitigen und den ordnungsgemäßen Zustand wiederherzustellen. Dazu sind stets geeignete Reinigungsmaterialien mitzuführen und zu benutzen.

Auf Kinderspielplätzen und in eingerichteten Badestellen dürfen Tiere – außer Blinden- und Behindertenbegleithunde – nicht mitgenommen werden.

Nun ja, allerdings kommen wahrscheinlich die allerwenigsten Hundehalter der Innenstadt auf die Idee, weit draußen extra ein Auslaufgebiet zu suchen. Schließlich ist Oranienburgs Innenstadt ist mit seiner Havel, dem Lehnitzsee und seinen vielen Grünflächen nicht nur ein Paradies für Spaziergänger, sondern eben auch für viele vierbeinige Begleiter. Und laut brandenburgischer Hundehalterverordnung müssen die Vierbeiner noch nicht mal ständig an der Leine geführt werden. Außer am Oranienburger Havel­ufer, so legt es die Stadtordnung fest.

Wollen wir spielen

Wollen wir spielen? In Oranienburg gibt es viele Ecken, wo hund erichtig toben können.

Quelle: Enrico Kugler

Was nun die Ausweisung eines Hundeauslaufgebietes für Oranienburg gebracht hat, weiß auch Ordnungsamtsleiterin Sylvia Holm nicht so richtig. Wahrscheinlich wollten die Stadtverordneten damals hauptsächlich der Hundehalterverordnung nachkommen, die im Jahr 2004 herauskam. Wo sich das Auslaufgebiet befindet, steht nirgends wo geschrieben. Wer es wissen möchte, muss sich schon im Ordnungsamt erkundigen. Aber das ist Sylvia Holm bisher noch nicht passiert. Einen Bedarf für weitere Gebiete gibt es offenbar nicht.

Allerdings gebe es auch keinen Grund, den Beschluss zurückzunehmen. „Es gibt keine Beschwerden“, sagt Sylvia Holm. Die Zahl der Beißattacken würde eine generelle Leinenpflicht auch nicht notwendig machen. Und wie gesagt, es gibt genug andere Flächen, wo Hunde toben dürfen.

Von Andrea Kathert

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