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Oberhavel Hunde im Wolfsgebiet nicht von der Leine lassen
Lokales Oberhavel Hunde im Wolfsgebiet nicht von der Leine lassen
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00:32 20.05.2018
Jäger Thorsten Fanselow mit seinen Labradoren Tosh und Tern. Quelle: Robert Roeske
Oberhavel

Immer, wenn Jäger Thorsten Fanselow mit seinen Labradoren Tosh und Tern auf die Pirsch geht, ist er mit Luchsaugen unterwegs. Aber nicht, weil er nach Rehen und Wildschweinen Ausschau hält, sondern nach Wölfen. Denn der Wolf ist jetzt auch im Landkreis Oberhavel angekommen. Erst vor kurzem war im Zehdenicker Forst ein Jack-Russel-Terrier von einem Wolf schwer verletzt worden, als er mit einem Jäger unterwegs war (MAZ berichtete).

Thorsten Fanselow: „Ich sehe immer häufiger Wolfsspuren im Wald.“

„Früher ließ ich Tosh und Tern immer ohne Leine im Wald laufen. Es sind ausgebildete Jagdhunde, die aufs Wort hören“, so Thorsten Fanselow. „Aber in letzter Zeit habe ich während meiner Pirschgänge beobachtet, dass die Hunde plötzlich extrem verunsichert reagiert haben. Sie haben gewinselt und ließen ängstlich die Rute hängen. Für mich ist das ein sicheres Zeichen, dass sie eine Wolfsspur erschnüffelt haben. Die Hunde spüren, dass Wölfe gefährliche Raubtiere sind.“

Trotz Leinenzwang laufen Hunde im Wald frei – Lebensgefahr

Weil sich die Wolfsangriffe auf Hunde häufen, hat der Bundesjagdverband jetzt sogar eine To-Do-Liste herausgegeben, wie sich Förster und Jäger mit Hunden im Wolfsgebiet zu verhalten haben. Danach gilt: Selbst ausgebildete Jagdhunde sollten erst von der Leine gelassen werden, wenn das geschossene Wild in Sichtweite ist. Schutz kann auch ein Glöckchen am Halsband bieten, um Wölfe in der Nähe zu verscheuchen. Auch eine bissfeste Weste soll vor Wolfsangriffen schützen. Und: „Keine Experimente. Vom Wolf in Besitz genommenes Wild ist diesem zu überlassen“, steht warnend im Flyer. Überhaupt dürfen Jagdhunde niemals gelobt werden, wenn sie eine Wolfsfährte erschnüffeln, um so die Fährte aus Hundesicht unattraktiv zu machen.

Wölfe sehen Hunde als Nahrungs-Konkurrenten

„Obwohl für Privathunde im Wald ein genereller Leinenzwang herrscht, lassen viele Leute doch ihre Vierbeiner im Wald frei laufen“, sagt Thorsten Fanselow. „Ich kann nur davon abraten. Denn streift ein Hund durch ein Wolfsrevier, sehen die Raubtiere ihn als Nahrungs-Konkurrenten, den es zu vertreiben und zu töten gilt.“

Wer im Wald einen Wolf sichtet oder sieht, dass sein Hund aufgeregt eine Wolfsspur verfolgt, sollte seinen Vierbeiner spätestens dann an die Leine nehmen, rät der Jäger. „Dicht beim Menschen ist der Hund sicher“, sagt Fanselow. „Im Normalfall muss man vor Wölfen im Wald auch keine Angst haben.“

Menschen sind nicht in Gefahr – der Wolf wird flüchten

Wie alle Wildtiere sind Wölfe sehr scheu und flüchten, wenn sie Menschen wittern. Sollte sich aber trotzdem mal ein Wolf nähern, weil er sich für seinen domestizierten Verwandten interessiert oder er den Menschen aufgrund ungünstiger Windverhältnisse zu spät gewittert hat, raten Wolfsexperten, laut zu rufen. Außerdem sollte man sich groß machen und in die Hände klatschen. Notfalls kann nach dem Fleischfresser auch ein Ast oder ähnliches geworfen werden. Wichtig: Dann sollte man sich langsam zurückziehen.

Im Land Brandenburg leben etwa 22 Rudel – Tendenz steigend

Zwar zählt der Landkreis Oberhavel noch nicht zum direkten Wolfsgebiet wie in der Lieberoser Heide (Dahme-Spreeewald) oder in Müllrose (Oder-Spree), aber der Jagdkreisvorsitzende von Oberhavel, Thorsten Fanselow, weiß: „Es ist normal, dass auch durch unseren Forst Wölfe wandern. Denn Wölfe sind territoriale Wildtiere. Wird das Territorium für das Rudel zu klein, wird der Nachwuchs vertrieben. Die Jungwölfe suchen sich dann ein neues Revier. „Darum werden sich die Wölfe auch weiter in Brandenburg ausbreiten“, sagt Thorsten Fanselow, für den der Wolf in die Brandenburger Natur gehört. Aber: „Man muss die Population im Auge behalten. Wölfe, die sich arttypisch bewohnten Gebieten nähern, müssen entnommen werden dürfen.“ Laut Umweltministerium leben derzeit in Brandenburg 22 Rudel und drei Paare – Tendenz steigend.

Von Jeannette Hix

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