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Oberhavel „Ich bin gern der Kummerkasten“
Lokales Oberhavel „Ich bin gern der Kummerkasten“
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00:52 16.10.2014
Matthias Hennig ist einer, der sich gern engagiert und etwas bewegt im Ort. Quelle: Andrea Kathert
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MAZ: Sie stammen nicht aus dieser Region, Herr Hennig. Aber Sie haben sich offenbar gut hier eingelebt?

Matthias Hennig: Stimmt, durch einen Zufall, wie so viele in meinem Leben, hat es mich vor acht Jahren nach Lehnitz verschlagen. Meine Familie und ich sind gut gelandet. Das ist ein schöner Fleck hier.

Es hat auch nicht lange gedauert und Sie haben sich sofort im Ort engagiert?

Hennig: Das Schöne war, in Lehnitz gibt es viele „Neue“. Die sind alle in derselben Situation, sie wollen sich sozial einbringen. Und so haben wir 2010 recht schnell den Kita-Förderverein gegründet. Abends im Garten. Das war ganz unkompliziert. Es wurde einfach gefragt, wer den Vorsitz machen will. Und da habe ich mich nicht weggeduckt.

Fand der Förderverein einen guten Zuspruch?

Hennig: Jetzt sind wir schon 53Mitglieder, da kann man was schaffen. Wir veranstalten unter anderem Sommerfeste, Bälle, Theater, Laternenumzüge und organisieren Arbeitseinsätze. So sind wir bekannt geworden. Aus dem Verein hat sich vieles entwickelt. Der Kulturverein ist entstanden und auch der Schulförderverein konnte profitieren. Auf dem zweimal jährlich stattfindenen Basar für Kindersachen zählen wir inzwischen 100 Stände.

Apropos Kinder. Sie haben vier. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Hennig: Man braucht viel Organisationstalent und eine starke Familie. Geholfen hat mir meine Erfahrung als Leiter einer Basketballabteilung. Ich habe etwa 80 Jugendliche betreut und einige Fehler gemacht, aus denen ich lernen konnte. Die Vereinsarbeit basiert auf dem Vertrauen in die Mitglieder. Man kann nicht alles selber machen und ich kann gut abgeben. Es gibt so viele Leute, die sehr engagiert sind. Mein Geheimnis sind Arbeitsgruppen, die schaffen Verbindlichkeiten und die Arbeit klappt gut.

Und mit Ihrem Job vereinbart sich das auch noch?

Hennig: In meinem Hauptjob bin ich zwar latent angespannt, bin im Schichtbetrieb. Ich komme aber nicht nach Hause und falle dann nur noch auf die Couch.

Wie kamen Sie eigentlich in den Ortsbeirat?

Hennig: Mit dem hohen Stimmenanteil für die SPD konnten wir erfreulicherweise drei Ortsbeiratsmitglieder stellen. Wir waren uns intern schnell einig, und auch über die einstimmige Wahl der anderen Ortsbeiratsmitglieder habe ich mich sehr gefreut. Die Arbeit der letzten Monate, sei es die Umfrage bei den Lehnitzern oder die Wiederaufnahme des Kontakts zur Stadt Oranienburg, wurden von den Wählern anerkannt und honoriert.

Sie haben auch gleich als Ortsvorsteher kandidiert. Haben Sie sich das Amt gleich zugetraut?

Hennig: Klar, wenn ich mich engagiere, dann richtig und das heißt auch, die Verantwortung als Ortsvorsteher gerne zu übernehmen.

Auf der konstituierenden Sitzung hat der ehemalige Ortsvorsteher Baer einen schlechten Abgang hingelegt. Haben Sie mit ihm noch mal gesprochen?

Hennig: Seitdem hat er sich nicht wieder gemeldet. Ich habe ihn mehrere Male angerufen. Ich hätte mich gern mit ihm unterhalten. Es gibt einiges, was ich ihn gern gefragt hätte. Und nun fehlt er uns auch im Ortsbeirat, da er mit seinem Wegzug nach Templin sein Mandat aufgibt und niemand nachrückt.

Haben Sie sich als Ortsvorsteher schon ein wenig eingefuchst?

Hennig: Ja, ich habe mich schon ganz gut reingefunden. Bei den Entscheidungen sehe ich uns im Ortsbeirat als Team. Ich muss nicht im Vordergrund stehen. Mein Motto ist eher, ich bilde mir eine Meinung mit Hilfe der Mitglieder des Ortsbeirates, ohne hierbei meine eigene Position zu vernachlässigen. Außerdem kommt mir zugute, dass ich in der Stadtverordnetenversammlung (SVV) sitze und in fast alle Ausschüsse gehe. Zu fragen, wo drückt der Schuh, ist für mich ein Sinn des Ortsbeirates. So kann Meinungsbildung vom Bürger über den Ortsbeirat, der SVV, dem Kreistag bis hin zum Landtag reichen. Wir verschicken auch wieder Geburtstagskarten an Jubilare. Wir haben die Bürgersprechstunde reaktiviert. Die Leute kommen mit für sie wichtigen Anliegen und diese nehme ich mit in die Bürgermeister-Runden oder versuche unmittelbare Hilfestellungen zu geben.

Das hört sich nach einer Menge Arbeit an, oder?

Hennig: Na ja, es macht schon Arbeit. Aber ich bin gern der Kummerkasten. Und hier fängt auch die Meinungsbildung an. Ich möchte wissen, was die Bürger hier im Ort bewegt.

Was steht an wichtigen Sachen in Lehnitz noch an?

Hennig: Einige Nebenstraßen und Gehwege sind noch nicht ausgebaut. Die Kita-Sanierung und Spielplätze sind Themen. Eltern bewegt immer, was für ihre Kinder getan wird. Also ich sehe die Entwicklung von Lehnitz weiterhin als zu gestaltenden Prozess.

Eine lückenhafte Vita

Geboren wurde Matthias Hennig 1977 in Perleberg. Dort wuchs er auf, besuchte die Schule und blieb viele Jahre (dank acht Onkel und Tanten) tief verwurzelt.
In Perleberg leitete er später auch die Abteilung Basketball des Sportvereins.
Ein guter Einstellungsberater der Bundeswehr brachte ihn soweit, mit 17 Jahren die Schule zu schmeißen, und das als Jahrgangsbester. Er begann eine zweieinhalb jährige Ausbildung zum Polizeivollzugsbeamten . 1998 lernte er dort auch seine Frau kennen, die er 2007 heiratete.
Im Jahr 2000 kam er über einen Einsatz bei der Expo in Hannover zur Polizei des Deutschen Bundestages, der kleinsten Behörde der Polizei. Sie untersteht dem Bundespräsidenten.
Auch seine spätere Frau verschlug es nach Berlin. Die Reihe der Zufälle in Hennigs Leben setzte sich fort, als er bei einem Basketballturnier auf der Suche nach der Dianastraße in Lehnitz herumirrte. Beide entdeckten das schöne alte Haus in der Friedrich-Wolf-Straße 15. Und wieder ein Zufall: es stand zum Verkauf.
Nach dem Einzug im Juni 2006 folgte die Familienplanung. Im Oktober kam das erste Kind zur Welt: ein Junge. Zwei Jahre später folgte ein Brüderchen. Und 2010 kamen die Zwillinge (ein Mädchen und ein Junge) zur Welt.
Den Förderverein der Lehnitzer Kita hob Hennig mit aus der Taufe.

Das Thema Asylbewerber ist in ihrem Ortsteil ja allgegenwärtig. Was ist Ihre Einstellung dazu?

Hennig: Wir haben eine Verantwortung, der wir gerecht werden müssen und wollen. Die Unterbringung von Asylbewerbern ist eine große Herausforderung für die Bundesregierung und wir haben in Lehnitz zunächst die Rahmenbedingungen, Hilfe zu leisten. Es wird mit Sicherheit auch Probleme geben. Da mache ich mir gar keine Illusionen.

Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Hennig: Ich wünsche mir, dass ausgrenzende Bemerkungen, „du bist doch ein Zugezogener“, bald verschwinden. Und Bezug nehmend auf die Rede des Bürgermeisters beim Stadtempfang wünsche auch ich mir, dass wir die Herausforderung bei der Aufnahme von Flüchtlingen annehmen und uns nicht dagegen sperren. Das macht es für alle nur schwerer und ändert nichts an der Tatsache, dass diese Menschen da sind und wahrscheinlich auf Dauer ein Teil unserer Gesellschaft sein werden.

Interview: Andrea Kathert

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