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„Ich habe nichts gegen Asyl, aber...“

Propaganda trifft auf stillen Protest „Ich habe nichts gegen Asyl, aber...“

In Zehdenick (Oberhavel) haben am Freitagabend 140 Menschen gegen die Asylpolitik protestiert. Sie propagierten Gerüchte, forderten sogar Flüchtlinge dazu auf „Eier zu haben“ und „ihr Land zu verteidigen“ Auch ein Veltener NPD-Mann ergriff das Wort. Doch die Veranstaltung blieb nicht ohne Protest. Viele Menschen protestierten dagegen.

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Die Spaziergänger setzen sich auf dem Zehdenicker Marktplatz in Bewegung, um eine Schleife durch Havelstadt zu laufen. Im Hintergrund: der stille Protest.

Quelle: Stefan Blumberg

Zehdenick. Die einen verschafften sich am Freitagabend via Mikrofon Gehör, die anderen begegneten dem mit einem stillen Protest. Zum vierten Abendspaziergang in Zehdenick fanden sich etwa 140 Menschen ein, die laut Aufruf „für eine angemessene Asylpolitik“ demonstrierten. Die etwa 100 Menschen einige Meter weiter wollten ihnen allein mit ihrer Präsenz Paroli bieten. Für Polizeieinsatzleiter Mario Bergel ein normaler Einsatz: „Wir sind hier, um beide Versammlungen zu schützen.“

Eine Botschaft rüberbringen wollte Hartmut Leib (SPD): „Ich bin gekommen, weil wir mit den demokratischen Kräften das Signal setzen wollen gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und für ein kulturelles Miteinander.“ Tobias Sigg kam aus einem anderen Grund: „Ich bin gegen die Politik der zu starken Einwanderung. Gelder für Kitas und Schulen werden gestrichen, Rentner müssen arbeiten gehen, um über die Runden zu kommen. Frau Merkels ’Wir schaffen das’ klappt nicht. Wichtig ist, dass wir gewaltfrei protestieren. Ich habe nichts gegen Asylanten, aber gegen Schmarotzer.“

Einer der Sprecher auf dem Podium beobachte regelmäßig, wie Flüchtlinge „einen auf dicke Hose“ machten, er sich als Werktätiger „aber solche Sachen nicht leisten kann, die manche Flüchtlinge tragen“. Er empfahl den hauptsächlich jungen Männern, „dass sie Eier zeigen und ihr Land verteidigen sollen“.

Manfred Rissmann (SPD) ist einer der Mitorganisatoren der Gegendemo. „Gemeinsam mit der Kirche und den Arbeitsgruppen für die Flüchtlinge haben wir erst ab Mittwoch zum Mitmachen aufrufen können, dafür ist die Beteiligung ganz gut.“ Er sagte auch, warum die Abendspaziergänger bei ihrem Gang durch die Stadt nicht begleitet wurden: „Wir wollten keine Konfrontation.“

Bevor sich die Demonstranten in Bewegung setzten, sagte der Veltener Robert Wolinski (NPD): „Die aktuelle Asylpolitik der Bundesregierung bringt das Fass zum Überlaufen. Bei etwa einer Million Zuwanderern wird das soziale Gleichgewicht der Bundesrepublik belastet. Wir wünschen uns eine Politik der Vernunft, eine friedliche Welt und ein gerechtes Miteinander.“ Zum ersten Mal beim Abendspaziergang war Jörn Friederici. Er ist dafür, „dass Asylsuchende vernünftig aufgenommen werden. Wir müssen Flagge zeigen. Die Spaziergänger bringen mich zur Weißglut.“

Von Stefan Blumberg

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