Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Oberhavel "Ich strample mich ab"
Lokales Oberhavel "Ich strample mich ab"
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:08 13.09.2013
Quelle: Peter-Paul Weiler
Falkensee

Als Harald Petzold vor vier Jahren bei der Bundestagswahl scheiterte, zerbröselte seine sichergeglaubte Zukunft wie Zwieback. Statt wie geplant den Politbetrieb aufzumischen, war er plötzlich arbeitslos.

Dabei hatten ihn alle schon mit einem Bein in Berlin gesehen. Die Umfragewerte waren so gut gewesen, dass sein Posten als Büroleiter bereits neu besetzt worden war. Auch als Lehrer konnte er nicht wieder einsteigen, die Falkenseer Kantschule hatte die Unterrichtsstunden schon ohne ihn verplant. Am Wahlabend zog dann eine Kandidatin aus der Uckermark auf der Landesliste überraschend an Petzold vorbei - er war draußen. "Damals war ich enttäuscht", sagt er. "Dieses Mal will ich es unbedingt schaffen."

Er ist fest entschlossen. Harald Petzold, 51 Jahre alt, graue Locken, Trainingsjacke, ist bereit, sich zu verausgaben, auch körperlich. Für den Kampf als Kandidat der Linken kurvt er mit einem roten Lastenfahrrad durch seinen Wahlkreis. Damit könne er nah bei den Leuten sein, sagt er. Zudem sei das Rad kostengünstig, klimafreundlich und ein Hingucker. Den brauche er, denn vor allem in den Speckgürtelgemeinden Schönwalde, Dallgow und Falkensee sei es nicht einfach, Wähler zu gewinnen.

Dass die Touren mit dem schweren Rad da als Symbol für seinen Wahlkampf taugen, ist offenbar ein Zufall: "Ja, ich strample mich ab", sagt Petzold und grinst. Vorsichtig. Er will nicht in den Verdacht geraten, solche Bilder zu inszenieren. Dann wäre er ja genauso schlimm wie die Etablierten, die er kritisiert. Glaubwürdigkeit ist ihm heilig, ebenso Verlässlichkeit: "Wort und Tat müssen für mich übereinstimmen", sagt er. Im Kreistag Havelland ist das für ihn momentan nicht so einfach: Der Linken-Fraktionschef scheitert dort mit Vorschlägen regelmäßig am Widerstand der regierenden Zählgemeinschaft. Aber er kennt es auch anders, von früher.

Eltern werden ja für vieles verantwortlich gemacht, in Petzolds Fall lag es aber wohl tatsächlich an seiner Mutter, dass er mit 19 in die Partei eintrat. Im Westen wurden gerade Raketen stationiert, Petzold war bei der Armee und überzeugt, mit der Mitgliedschaft etwas zum Frieden beitragen zu können. "Das war vielleicht etwas naiv", räumt er ein. Neben dem Frieden war Petzold aber noch etwas anderes wichtig: Wie seine Mutter, die er als umtriebig beschreibt, wollte er sich sozial engagieren.

Dass SED-Mitgliedern dabei Türen offenstanden, die anderen verschlossen blieben, schien Petzold, Sohn eines NVA-Offiziers, offensichtlich. Er selbst erlebte seinen parteipolitischen Aha-Moment in dem Potsdamer Mütterheim, in dem er während des Musik- und Pädagogikstudiums untergebracht war. In dem Haus gab es kein Telefon: "Wenn ein Kind Fieber hatte, mussten die Mütter nachts bei Wind und Wetter raus, um den Arzt zu rufen", erinnert sich Petzold. Er beschaffte den Apparat über die Parteigruppe der Hochschule. "Als normaler Student hätte ich das nie geschafft", sagt er. "Da habe ich gedacht: Das ist es wert, Parteimitglied zu sein."

Eineinhalb Jahre arbeitete er als Lehrer in Ketzin, begann mit einer Doktorarbeit in Musikwissenschaften. Dann: die Wende. Petzold sah sich nach politischen Alternativen um, wurde aber nirgends fündig. "Überall musste man sich entschuldigen, dass man in der DDR schon gelebt hat", sagt er, zur Zeit des Umbruchs 27 Jahre alt. Das System sei aber "nicht in Bausch und Bogen schlecht gewesen": Sein kostenfreies Studium etwa betrachte er, ältestes von vier Kindern, als politische Errungenschaft. "Das hätten sich meine Eltern wohl nicht leisten können."

So blieb er in seiner Partei. Doktor wurde er nicht mehr. Denn ehe er sich versah, saß er im Brandenburgischen Landtag, wo er für zwei Legislaturperioden blieb. Parallel paukte er an der Uni für sein zweites, diesmal gesamtdeutsches Lehramtsstudium. 1998 kandidierte er erstmals für den Bundestag, "weil wir einen Kandidaten brauchten", sagt Petzold. Seine Bewerbung war aussichtslos: Die SPD gewann mit rund 20 Prozent Vorsprung, er ging zurück in den Schuldienst. Stellvertretender Landesvorsitzender der PDS wurde er außerdem. Fünf Jahre unterrichtete er an der Falkenseer Kantschule Musik und Politische Bildung. Dann ließ er sich als Lehrer freistellen, um das Büro der Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann zu leiten. 2009 nahm er den zweiten Anlauf aufs große Parkett - mit bekanntem Ergebnis.

So richtig arbeitslos wurde Petzold dann doch nicht. Kurz nach der missglückten Wahl stellte ihn das Wirtschaftsministerium als Referent an, seither schreibt er dort Ministerreden und beantwortet Bürgerzuschriften. Überhaupt: ie Bürger und wie man sie unterstützen kann, sie sind Petzolds großes Thema.

Am meisten habe ihn damals nach der Niederlage geschmerzt, dass er in seinem Wahlkreis kein Büro mit festem Ansprechpartner habe eröffnen können, sagt er. Das wäre auch seine erste Tat nach der Wahl: einen Kümmerer einstellen, mit offenem Ohr für die Sorgen der Bürger. Petzold sieht sich selber so, als einer, der für Leute kämpft, die ihre Rechte nicht kennen. Als einer, der kein Problem hat, sich mit anderen anzulegen. Der Gerechtigkeit will. Darin ist er vielleicht ein typischer Linker. Es passt zu den Sätzen, die er über sein 13-Punkte-Programm geschrieben hat: "Her mit dem schönen Leben! Für alle!" Darunter fordert er unter anderem Mindestlohn, bezahlbaren Wohnraum und kostenlosen Nahverkehr. "Das ist nicht nur ein utopisches sozialistisches Ideal", entgegnet er Zweiflern, "sondern möglich".

Er glaubt es wirklich. Für ein Direktmandat braucht er in seinem Wahlkreis rund 30 Prozent der Erststimmen, für einen Einzug über die Landesliste müssten zwischen 22 und 25 Prozent der Brandenburger die Linke wählen. Um sie zu überzeugen, tritt er in die Pedale, wenn es Not tut, auch bei Gegenwind. "Ich möchte nicht verbissen sein", sagt Petzold. Er will sich nur hinterher nicht vorwerfen müssen, er habe nicht alles versucht.

Von Jana Einecke

Oberhavel Eine Ausstellung im Rathaus der Partnerstadt Lengerich mit Fotos von Hajo Eckert eröffnet - Leegebruch – gestern und heute
 
09.09.2013
Oberhavel Der Posaunenchor Kremmen feiert am kommenden Wochenende sein großes Jubiläum / Mitglieder zwischen 16 und 78 Jahren - Neues Liedgut zum 60.Geburtstag

Takt 27. Der ist schwierig. "Da kamen wir zu spät", bemerkt eine der Mitspielerinnen im Kremmener Posaunenchor. Und das, obwohl die Stelle im Lied extra markiert worden ist.

09.09.2013
Oberhavel Salons von Monique Müller wollen den Besuch zum Erlebnis machen, frisieren Promis und schicken ihre Azubis nach London - Für den kleinen Luxus zwischendurch

Sie gehört zu den Trendsettern, und ihr Name ist fast schon ein Marke: Monique Müller frisiert die Köpfe von Catwalk-Schönheiten ebenso wie Heidi Klums Topmodels.

09.09.2013