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„Ich wünsche mir ein Integrationspaket“

Interview mit Mario Gruschinske, ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt Gransee „Ich wünsche mir ein Integrationspaket“

Mario Gruschinske wurde im Mai 2014 zum Bürgermeister der Stadt Gransee gewählt. Im Gespräch zum Jahreswechsel äußert er sich zur angespannten Haushaltslage, zur Flüchtlingspolitik, zum Wettbewerb Zukunftsstadt und einigen anderen Themen.

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Mario Gruschinske: „Einen Mangel an Terminen gab es nicht.“

Quelle: FOTO: UWE HALLING

Gransee. Ein anspruchsvolles Jahr liegt laut dem ehrenamtlichen Bürgermeister von Gransee hinter den gewählten Vertretern. Im gerade begonnenen warten aber auch so manche Herausforderungen.

MAZ: Welches der beiden Jahre Ihrer bisherigen Dienstzeit war anstrengender – 2014 oder 2015?

Mario Gruschinske: 2015, es gab eine Fülle an Aufgaben zu erledigen. Allein der Wettbewerb Zukunftsstadt Gransee, für den ich gern noch mehr Zeit gehabt hätte. Der Tag der Vereine, die Willkommensinitiative, Jubiläen wie der Tag der Einheit. Einen Mangel an Terminen gab es nicht. Und dann das Haushaltsdefizit. Hier muss ich sagen, hat die Verwaltung brillante Arbeit geleistet, insbesondere Fachbereichsleiter Manfred Richter und Mitarbeiterin Christina Riß. Sie haben die optimale Variante gefunden, um das Minus auszugleichen, ohne an die freiwilligen Leistungen zu gehen.

In vielen Orten geht es geräuschvoll zu, wenn es sich um das Thema Flüchtlinge dreht. Stichwort Abendspaziergänge. In Gransee gibt es das nicht. Was läuft hier anders?

Gruschinske: Es wäre vermessen zu sagen, wir machen es besser. Wir hatten die Chance, vorher anzufangen. Wir haben hier auch Nazis. Es mussten viele NPD-Sticker in der Stadt entfernt werden. Wir reden mit Skeptikern, gehen auf sie zu. Wenn jemand Ängste hat, für den steht die Tür immer offen – bei der Verwaltung, bei der Willkommensinitiative, bei mir. Die Flüchtlinge, die hier leben, sagen, dass sie gern hier sind. Wir machen auch was mit ihnen. Wenn man sich die Fluchtgeschichten so anhört, möchte ich nicht tauschen. Dann versteht man die Menschen besser. Was hat sich denn für die Kritiker persönlich geändert? Sie verdienen nicht weniger und erfahren auch sonst keine spürbaren Beeinträchtigungen. Für mich hat sich nichts verändert und da bin ich nicht alleine.

Die Kanzlerin sagt zu dem Thema „wir schaffen das“. In Gransee sieht es so aus, als ob man sich die Frage hier gar nicht stellen muss, weil es gut läuft.

Gruschinske: Ich bin sehr zufrieden, wie wir das bis hierhin gelöst haben. Aber es gehört sehr viel zur Integration. Deshalb wünsche ich mir ein ganzes Integrationspaket vom Land. Darin dürfen die Ehrenamtlichen gern eingebunden sein, wenngleich es für sie fast schon den Umfang von hauptamtlicher Arbeit hat. Es sollen nicht immer Lippenbekenntnisse sein. Die Frage, ob wir das schaffen, können wir uns immer stellen, aber „wir machen das“ einfach.

Gransee 2030 – der Zukunftswettbewerb zieht sich durch das Jahr. Wie, glauben Sie, ist Gransee im Rennen?

Gruschinske: Ich bin zufrieden, würde mir jedoch noch wünschen, dass der Wettbewerb noch mehr Fahrt aufnimmt. Ich weiß, dass Leute sagen, es sei zu akademisch und theoretisch. Aber es geht um ganz praktische Dinge. Die Beteiligung ist gut, die Leute, die da sind, wollen was voranbringen und mitgestalten. Sie sollten wir mit in die Verantwortung nehmen. Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft – wenn immer weniger Geld fließt – die Bürger sowieso mehr mit einbinden müssen.

Was sagen Sie den Kritikern des Wettbewerbs?

Gruschinske: Es ist die Chance, die gemeinsame Zukunft zu gestalten, um Gransee lebenswerter zu machen. Ich empfehle den Kritikern, mitzumachen. Es ist so, als wenn man zu Hause sein eigenes Wohnzimmer gestaltet.

Der Rückgang der Einwohner wurde im vorigen Jahr gestoppt, jetzt gibt es offenbar positive Zahlen. Ist das eine Trendwende?

Gruschinske: Die Zahlen haben sich stabilisiert. Dabei sind aber auch die Flüchtlinge. Jedoch gehen die Grundstücke am Stadtwald weg, die Infrastruktur mit Schulen, Medizin, Einkauf, Bahnanbindung stimmt. Wir werden sicherlich das Versorgungszentrum für Ältere, auch durch sie wird es einen Zuzug geben. Die gastronomische Lage ist quantitativ sicherlich eine Katastrophe. Ich wünsche mir mehr solch mutige Leute wie die Hillebrands, die ein Café eröffnen. Wie auch immer: Gransee ist attraktiv.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2016?

Gruschinske: Erstmal kommen wir in die zweite Phase des Wettbewerbs 2030. Ein tolles Stadtfest wünsche ich mir. Dann würde ich das Zusammenleben mit den Flüchtlingen gern mehr ins Bewusstsein der Granseer rücken. Vielleicht ist ein Bürgerhaushalt ein Thema, auch wenn der Zeitpunkt wegen der angespannten Haushaltslage gerade schlecht dafür ist. Und wir sollten den Weg insgesamt so weitergehen, Auseinandersetzungen darf es geben. Davon lebt die Demokratie.

Interview: Stefan Blumberg

Von Stefan Blumberg

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