Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich würde das so machen“

Netzwerk Gesunde Kinder Oberhavel „Ich würde das so machen“

Eva-Maria Schrader ist seit sechs Jahren Patin im Oberhaveler Netzwerk Gesunde Kinder. Sie berät Frauen bereits in der Schwangerschaft und nach der Geburt des Kindes die Familie bis zum 3. Lebensjahr des Kindes. Sie gibt ihre Erfahrungen weiter, denn sie hat selbst drei Kinder großgezogen.

Voriger Artikel
Die Wikinger erobern Kremmen
Nächster Artikel
Pierre-Brice-Nachlass in Mühlenbeck

Eva-Maria Schrader im Wintergarten ihrer Wohnung.

Quelle: ENRICO KUGLER

Oranienburg. Sie mag Kinder sehr gerne und hat drei eigene großgezogen. Eva-Maria Schrader (67) aus Glienicke ist seit sechs Jahren Patin im Netzwerk Gesunde Kinder Oberhavel.

MAZ: Wann sind Sie Patin im Netzwerk Gesunde Kinder geworden?

Eva-Maria Schrader: Ich hatte mich dafür interessiert, als ich noch berufstätig war. 2009 ging ich zu einem Informationsgespräch, absolvierte die Ausbildung an zwei Abenden pro Monat. Und im Sommer erhielt ich das Zertifikat mit der Berechtigung, Patin im Netzwerk zu sein.

Was waren Ihre Motive, dort mitzumachen?

Schrader: Kinder sind Bestandteil meines Lebens. Ich habe drei Kinder großgezogen, und meine vier Enkel sind auch alle bald erwachsen. Ich möchte etwas für Kinder tun und meine Erfahrungen beisteuern.

Wie viele Familien betreuen Sie?

Schrader: Da ich nicht mehr arbeite, kann ich mich jetzt um sechs Familien kümmern. Ich betreue Frauen in der Schwangerschaft bis zum 3. Lebensjahr des Kindes.

Was sind das für Familien?

Schrader: Ganz normale Familien. Die Eltern haben meist viel über Kindererziehung gelesen und sind sich nicht sicher, welche der 30 Antworten auf ihre Frage die richtige ist. Sie würden sich gerne mit einer erfahrenen Person austauschen.

Um welche konkreten Fragen geht es dabei?

Schrader: Oft geht es um Entwicklungsphasen des Kindes. Manche Eltern sind verunsichert, weil ein anderes Kind, das genauso alt ist wie das eigene, schon besser sprechen kann zum Beispiel. Ein Dauerthema ist das nächtliche Durchschlafen des Kindes. Viele Kinder schlafen schlecht ein und nicht durch. Manche Kinder haben ihre Eltern voll im Griff.

Wie meinen Sie das?

Schrader: Wenn Eltern schon aufspringen, sobald das Kind einen tiefen Atemzug holt, merkt sich das Kind diesen Automatismus. Das trägt nicht zum Durchschlafen bei. Ich hatte als Patin schon Kinder, die im 3. Lebensjahr immer noch nicht durchschliefen. Das schlaucht natürlich die Eltern.

Netzwerk Gesunde Kinder Oberhavel

Zielgruppe: Das Netzwerk Gesunde Kinder Oberhavel steht allen Schwangeren sowie allen Müttern und Vätern mit Kindern bis zum Alter von drei Jahren im Landkreis Oberhavel offen.

Ziel: Eltern sollen dabei unterstützt werden, die passenden Antworten für sich und ihr Kind zu finden. Die Paten wollen einen Beitrag für mehr Kinder- und Familienfreundlichkeit in der Region leisten. Träger des Netzwerkes ist die Oberhavel Kliniken GmbH in Oranienburg.

Kontakt: Das Netzwerk Gesunde Kinder hat seinen Sitz in der Klinik Oranienburg, Robert-Koch-Straße 2 bis 12, Telefon: 03301/662037. Projektleiterin ist die Chefärztin der Abteilung für Kinder- und Jugendmedizin der Klinik, Lucia Wocko. Simone Freitag ist Projektkoordinatorin, Andrea Zapp ihre Stellvertreterin. Bürozeiten sind montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr.

Informationsveranstaltungen: Wer Interesse an einer ehrenamtlichen Tatigkeit als Familienpatin oder als Pate hat, sollte sich folgende Termine für Informationsveranstaltungen notieren: _ 26.09. 2015, 10 bis 12 Uhr, Klinik Oranienburg und 19.09.2015, 10 bis 12 Uhr, Klinik Gransee.

Was raten Sie den Eltern?

Schrader: Ich empfehle, das Ins-Bett-Bringen mit einer Zeremonie zu verbinden. Man sollte verhindern, dass sich die Kinder zum Abend hin hochspulen. Zum Beispiel mit Ballspielen. Regelmäßig zur selben Zeit sollten die Kinder ins Bett gebracht werden. Dann wird eine Geschichte erzählt oder ein Lied vorgesungen und dann das Licht zum Schlafen ausgemacht. Sollte das Kind doch noch mal rufen oder aufstehen, wird kein Aufriss gemacht, das Kind beruhigt und wieder hingelegt.

Wie bringen Sie das den Eltern bei?

Schrader: Auf keinen Fall mit erhobenem Zeigefinger. Ich sage immer: „Ich würde das so machen.“

Und wenn Eltern Ihren Rat nicht annehmen?

Schrader: Das nehme ich nicht persönlich. Ich kann meinen Rat nur anbieten.

Haben Sie als Patin einen bestimmten Auftrag zu erfüllen?

Schrader: Keinen Auftrag im Sinne einer staatlichen Auflage. Nein, das nicht. Doch wir versuchen, Kindern beste Voraussetzungen für ihre Entwicklung zu bahnen. Es ist ja bekannt, dass im ersten Lebensjahr die Grundlagen für das ganze Leben gelegt werden. Das betrifft das Essen, der Umgang mit anderen und das Schlafen. Zur optimalen Entwicklung gehören die U-Untersuchungen beim Arzt bis zum 3. Lebensjahr. Dort werden die Kinder auch geimpft.

Lassen Eltern ihre Kinder impfen?

Schrader: Meistens ja, manche Eltern lehnen das ab. Da bohre ich dann nicht weiter nach, denn ich will ja den guten Kontakt zu den Eltern nicht verlieren. Außerdem kann der Arzt dazu auch seine Meinung sagen.

Wie finden Sie das?

Schrader: Dass ein Kind bei einer Impfung schreien kann, na gut, dann ist es so. Ich finde es unverantwortlich, Kinder nicht impfen zu lassen. Wer Geld vom Staat erhält, sollte etwas dafür tun, dass sein Kind gegen bestimmte Krankheiten geschützt ist.

Wie sieht eigentlich Ihr Patenalltag aus. Wie oft sind Sie in den Familien?

Schrader: So alle vier bis sechs Wochen besuche ich eine Familie. Manchmal rufe ich auch nur an. Die Familien haben meine Handynummer und dürfen mich bei Fragen anrufen.

Sie sind integriert wie ein Familienmitglied?

Schrader: Mal so, mal so. Ich bin auch schon zur Taufe eines Kindes eingeladen worden. Und zu einer Familie habe ich immer noch Kontakt, obwohl des Kind schon älter als drei Jahre ist.

Spielen Sie auch Babysitter?

Schrader: Nein, das nicht. Doch in einer Notsituation würde ich natürlich helfen. Ich bin auch schon mit der Mutter von Zwillingen Schlitten gefahren, die Mutter mit einem Kind, ich mit dem anderen.

Müssen die Eltern für eine Patenschaft etwas bezahlen? Und erhalten Sie eine Entlohnung?

Schrader: Das Angebot für die Eltern ist kostenlos. Nach den U-Untersuchungen beim Arzt gibt es vom Netzwerk Geschenke, so zum Beispiel einen Babyschlafsack und ein Thermometer oder Gutscheine für Babygymnastik. Die Paten erhalten die Ausbildung gratis, ebenso Weiterbildungen. Zudem können wir Kilometergeld für Fahrten zu den Familien und Telefonkosten abrechnen. Ansonsten setzen wir unsere Freizeit ein. Ich würde das auch ohne Kostenerstattung machen.

Kann eigentlich jeder Patin oder Pate im Netzwerk Gesunde Kinder werden?

Schrader: Ja, Frauen und Männer, jede Altersgruppe. Die Liebe und Begeisterung für Kinder sollten vorhanden sein. Und man sollte nicht zu empfindlich sein. Denn manchmal hat man mit Streit und Trennungen umzugehen. An erster Stelle steht immer: Dem Kind muss es gut gehen.

Was sagen eigentlich Ihre Kinder zu Ihrer Arbeit als Patin im Netzwerk?

Schrader: Die haben damit kein Problem. Außerdem gehe ich ihnen nicht auf den Keks.

Was bringt Ihnen der Job als Patin?

Schrader: Ich lerne eine Menge, zum Beispiel bei Veranstaltungen wie Kochen für Kinder, Singen mit Kindern oder auch bei Lehrgängen mit Paten über Gesprächsführung.

Haben Sie noch Zeit für Hobbys?

Schrader: Ja natürlich. Ich kümmere mich um meine Mutter im Seniorenheim und singe mit ihr im Seniorenchor. Ich gehe zur Wassergymnastik und Rückenschule und reise gern.

Interview: Marion Bergsdorf

Von Marion Bergsdorf

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg