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„Icke“ im Duden: Reaktionen aus Oberhavel

Oberhavel „Icke“ im Duden: Reaktionen aus Oberhavel

Das Wort „Icke“ kommt in den Duden. Für einige in Oberhavel ist das eine Überraschung. Uwe Zietmann, Schulleiter des Granseer Strittmatter-Gymnasiums, ist nicht erfreut, während es sein Kollege, Olaf Wildgrube, positiv sieht. „Sprache verändert sich eben“, sagt der Leiter der Sachsenhausener Jean-Clermont-Schule.

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„Icke“ komm in den Duden – in der nächsten Auflage wird das Wort hier zu finden sein.

Quelle: Helge Treichel

Oberhavel. Das Personalpronomen „Icke“ wird in den Duden aufgenommen. Der Berliner Kurier und der Berliner Rundfunk 91.4 hatten dazu eine Aktion gestartet – passend zum 1. April. Alles also nur ein launiger Scherz?

Nein. „Icke“ kommt wirklich in den Duden. Das bestätigt Nicole Weiffen von der Duden-Pressestelle. „In unserer Duden-Redaktion war das Wort in der Prüfung, die Aktion der Berliner Medien kamen zufällig dazu“, sagt sie. Die Redaktion sah genug Kriterien – Verbreitung, Verwendung in Zeitungen, im Fernsehen, Internet, Radio und in der Literatur –, um die Verwendung im Rechtschreibwerk zu rechtfertigen.

In Oberhavel wird auf die Neuigkeit unterschiedlich reagiert. „Ich halte davon nichts, denn wenn wir jedes Dialektwort in den Duden aufnehmen würden, hätte er 30 000 Seiten“, sagt Ursel Degner aus Hennigsdorf zu der Entscheidung. Die Deutschlehrerin an der Oranienburger Torhostschule weiter: „Ich werde auch meine Schüler bitten, ,Icke‘ nicht zu verwenden, wenn sie mit mir im Unterricht reden. Schließlich wäre es ja auch später bei einer Bewerbung nicht unbedingt von Vorteil, wenn sie dann berlinern.“

Uwe Zietmann: „Ich bin dagegen“

Uwe Zietmann, Schulleiter des Strittmatter-Gymnasiums in Gransee, war ganz überrascht, als er erfuhr, dass „Icke“ in den Duden aufgenommen wird. „Ich bin dagegen“, sagt er spontan. Für ihn ist das Wort eindeutig Mundart, eine Umgangssprache, die nicht in ein Standardwerk der deutschen Sprache gehört. Der Eintrag sei zwar originell, aber man mache damit eine Tür auf. „Wo hört es auf, wenn Mundart salonfähig wird?“

Er befürchtet, es werde ein „Scheingefecht“ folgen, was in den Duden darf und was nicht. Seine Schüler hätten den Duden immer zur Hand. „Es ist das zentrale Werk, mit dem wir arbeiten. Ich lege wert darauf, dass wir unsere Sprache pflegen.“ Wenn sprachliche Auswüchse salopp aus der Hüfte geschossen werden, müssten diese nicht immer gleich in den Duden. „Im Sinne einer digitalisierten Welt sollten es eher technische Begriffe in das Regelwerk schaffen“, so Uwe Zietmann, selbst gelernter Geschichts- und Deutschlehrer.

Olaf Wildgrube: „Sprache verändert sich“

Sein Kollege Olaf Wildgrube sieht das etwas anders. „Sprache verändert sich eben im Lauf der Generationen“, sagt der Leiter der Jean-Clermont-Schule in Sachsenhausen. Ihn wundert die Duden-Entscheidung deshalb gar nicht. Auch Wörter wie „verarschen“ oder „googeln“ stünden schließlich drin. „Wenn Sprache sich ändert, kann ich es verstehen, dass Wörter, die oft benutzt werden, auch im Duden landen.“ Einen Untergang der deutschen Sprachkultur sieht er deshalb nicht.

Ebenso positiver Natur sind die Reaktion auf Facebook. Da hat die MAZ Oberhavel den neuen Duden-Eintrag zur Debatte gestellt. „Find ick knorke“, schreibt Mischa Ortmann, worauf Daniel Otto meint: „Dit fetzt ey.“ Anja Fischer: „Icke find dit jut!“ Der Berliner Jérôme Papenfoth bemängelt, dass das Wort fast ausgestorben sei: „Es gibt kaum noch echte Berliner.“

5000 neue Worte in jedem Duden

„Icke“ ist bundesweit bekannt und schon bei Theodor Fontane, Erich Mühsam und Kurz Tucholsky zu finden. Hergeleitet wird diese sehr einmalige Berliner Sprachschöpfung vom plattdeutschen Wort „ik“. In die nächste Ausgabe des Dudens soll sie nun Eingang finden – als eines von gut 140 000 Wörter (um 1880 umfasste das Nachschlagewerk noch lediglich 27 000 Begriffe).

„Wir bekommen täglich Wortvorschläge“, so Nicole Weiffen. In der aktuellen Duden-Auflage finden sich 5000 neue Begriffe. Gestrichen wurden nur wenige. „Da sind wir im unteren dreistelligen Bereich, wir sind konservativ, was Streichungen angeht“, so die Pressesprecherin.

„Icke“ ist nicht das erste Wort aus der Berliner Mundart, das einen Eintrag im Duden gefunden hat. Schon enthalten zwischen den gelben Buchdeckeln sind „Kiez“, „koof mich“ oder „jwd“ (janz weit draußen).

Wann die neue Auflage mit „Icke“ auf den Markt kommt, ist noch unklar. Klar ist: „Der Duden wird immer umfangreicher“, so Nicole Weiffen. Auch Dank Wörter wie „Icke“, die es in die Umgangssprache geschafft haben.

Von Marco Winkler

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