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„Die Ideen der Bürger sind jetzt gefragt“

Interview mit dem stellvertretenden Amtsdirektor Manfred Richter „Die Ideen der Bürger sind jetzt gefragt“

Wie wird Gransee und das Leben dort in 20 Jahren aussehen? Antworten auf diese Fragen soll der Wettbewerb Zukunftsstadt Gransee geben. Der stellvertretende Amtsdirektor Manfred Richter erklärt im MAZ-Interview, wie der Wettbewerb funktioniert und warum die Ideen der Anwohner das Wichtigste dabei sind.

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Der stellvertretende Amtsdirektor Manfred Richter koordiniert die Teilnahme der Granseer am Wettbewerb.
 

Quelle: Foto: Uwe Halling

Gransee.  Manfred Richter hat die Teilnahme von Gransee am bundesweiten Wettbewerb „Zukunftsstadt“ wesentlich mit angeschoben. Bei ihm laufen die organisatorischen Fäden zusammen. Am 1. Juli ist offizieller Beginn der ersten Etappe des Drei-Phasen-Wettbewerbs, bei dem es darum geht, Visionen für das eigene Umfeld zu entwickeln.

MAZ: Herr Richter, Gransee ist auf den letzten Drücker in den Wettbewerb gerutscht. Warum?

Manfred Richter: Wir haben erst ein paar Wochen vor Ende der Bewerbungsfrist, eher zufällig vom „Wettbewerb Zukunftsstadt“ erfahren. Mit meinen Kollegen und unseren Partnern habe ich besprochen, ob wir mitmachen. Die Rahmenbedingungen passten.

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Seit Juli läuft der Ideenwettbewerb Gransee 2030 – dabei geht es um die Zukunft der Stadt im Norden Oberhavels. Anwohner sollen Ideen und Vorschläge einreichen, wie das Leben im Jahr 2030 aussehen soll. Wir stellen die Kooperationspartner des Wettbewerbs vor.

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Wie würden Sie den Wettbewerb kurz und knapp beschreiben?

Richter: Es geht darum, heute Ideen zu entwickeln, wie wir hier in 15, 20 oder mehr Jahren leben wollen. Dabei geht es um einen ganzheitlichen Ansatz. Alle gesellschaftlichen Bereiche sind einbezogen: Wohnen, Arbeit, Bildung, Beteiligung, Freizeit, Mobilität, Gesundheit, Kultur, Sport, Versorgung, Tourismus, Erholung noch einiges mehr. Die Rahmenbedingungen spielen sicher eine große Rolle, zum Beispiel die Demografie, und die Diskussion darüber, was von wem getan werden kann, um gute Ideen umzusetzen, damit aus einem theoretischen Thema auch ein praktisches wird.

„Zukunftsstadt Gransee“ – beschränkt sich der Wettbewerb auf die Stadt Gransee?

Richter: Nein, wir sind ein Amt mit fünf Kommunen. Eine Stadt und 20 Dörfer, insgesamt 34 Ortsteile. Wenn wir über Zukunft reden, dann geht es um die Zukunft in der Region zwischen Dagow, Schulzenhof, Rönnebeck, Buberow und Wentow. Gransee ist der zentrale Ort für viele Menschen, die im Amt wohnen. Die Kinder gehen in Gransee zur Schule, hier wird eingekauft, gearbeitet, hier ist das Krankenhaus und der Bahnhof.

Wie wollen Sie die „Dörfer“ mit ins Boot kriegen?

Richter: Warum ins Boot kriegen? Wir sitzen doch alle schon in einem Boot. Wir müssen darüber reden, in welche Richtung wir rudern wollen. Im Amt Gransee war und ist das solidarische Miteinander von Dörfern und Stadt beispielhaft. Ein von allen getragenes Solidarprinzip hat geholfen, Konflikte konstruktiv zu lösen. Das Amtsmodell ist ein Zukunftsmodell. Es geht um die Identität von Dörfern und kleinen Städten. Für uns heißt das, dass Gransee, Großwoltersdorf, Schönermark, Sonnenberg und Stechlin gemeinsam in die Zukunft sehen.

Es gab mittlerweile zwei Treffen der Arbeitsgruppe. Dort sind Vertreter aus Verwaltung, Politik, Architekturbüro, Stadtplanung, Universität und der MAZ vertreten. Kritik flammte ob der Besetzung auf, dass „die“ das alleine machen. Was halten Sie dem entgegen?

Richter: Die Arbeitsgruppe, die öffentlich tagt, hat die Aufgabe, die Arbeit zu organisieren und das Ergebnis zu dokumentieren. Jeder ist eingeladen, an dem Wettbewerb mitzuwirken und sich einzubringen. Die Ideen müssen von den Bürgern kommen.

Wie sieht das Mitmachen in der Praxis aus?

Richter: Ein wesentlicher Punkt sind Bürgerwerkstätten, zu denen wir einladen werden. Hier hoffen wir auf eine große Beteiligung, dort ist der Ort, Ideen zu diskutieren. Nach den Sommerferien, Anfang September ist ein erster Auftakt geplant. Es wird eine Homepage „Zukunftsstadt“ geben. Vielleicht gelingt es auch dort oder an anderer Stelle, einen Blog einzubauen. Facebook und Twitter zu nutzen, ist im Gespräch. Kontakt per E-Mail, Post oder Telefon ist möglich. Ich habe bereits einen Brief erhalten, in dem der Vorschlag gemacht wird, den Ullmannstich wieder als Badeort herzurichten. Wir möchten gern viele Leute einbinden. Jeder kann sicher sein, dass alle Vorschläge aufgenommen werden, auch wenn nicht jeder umsetzbar sein wird. Gut funktioniert hat die Bürgerbeteiligung übrigens in diesem Jahr beim Verkehrskonzept für die Altstadt.

Die Arbeit der Regio Nord, „Wo(hl)fühlen in Gransee“, die Möglichkeiten des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (Insek) sind alles Elemente, die auf die Entwicklung der Stadt und der Region abzielen. Sehen Sie den Zukunftswettbewerb als gute Ergänzung dazu?

Richter : Ich sagte eingangs, dass wir ganz gut aufgestellt sind und Bürgerbeteiligung ist auch kein Neuland bei uns. „Zukunftsstadt 2030+“ ist aber mehr als eine Ergänzung. Wir haben die Chance, mit Unterstützung von Experten Ideen und Konzepte zu einem einheitlichen Bild zusammenzufügen. Das wird nicht leicht, wenn wir nicht oberflächlich bleiben wollen. Es heißt, sich gewissenhaft mit allen Anregungen auseinanderzusetzen. Das braucht Zeit. Die erste Phase des Wettbewerbs, bei der es ums Ideensammeln geht, dauert neun Monate.

Sie sagten bei der Stadtverordnetenversammlung „Wir sind gut, könnten aber besser sein“. Was könnte besser sein?

Richter: Ich sagte aber auch, dass es manchmal schwer ist, den Standard zu halten. In den vergangenen Jahren hat die Stadt und die Gewo Gransee einiges getan, um bezahlbaren Wohnraum zu halten. Da müssen wir weitermachen. Die Wohnungen müssen bezahlbar bleiben, und gleichzeitig müssen die Wohnungen und das Umfeld der Wohnhäuser attraktiver werden, um für die Zukunft bedarfsgerecht zu sein. Ein anderes Beispiel: Unsere Spielplätze und Sportanlagen sind verbesserungswürdig. Nachholbedarf besteht vielleicht auch im Bereich Kultur.

Und wo sollte der Standard gehalten werden?

Richter: Nach Möglichkeit überall - und er darf auch verbessert werden. Selbst wenn das schwer ist und besonderes Engagement von vielen fordert. Nehmen wir den öffentlichen Nahverkehr. Auf der einen Seite sinken die Fahrgastzahlen, auf der anderen gibt es die Notwendigkeit, dass nicht nur die Kinder zur Schule, sondern alle, die auf den Bus angewiesen zum Beispiel zum Arzt oder zum Frisör kommen müssen. Oder die Feuerwehr. Man kann die Arbeit der Feuerwehrkameraden bei uns gar nicht hoch genug würdigen - und wir haben hier im Amt einen guten Stand, aber auch Nachwuchsprobleme. So hat die Feuerwehr schon vor Jahren begonnen, sich gezielt um Nachwuchs zu kümmern. Gleichzeitig müssen wir die Ausstattung, Fahrzeuge und Gebäude zeitgemäß erneuern, das heißt auch verbessern. Zum Beispiel braucht Menz ein neues Gebäude für die Feuerwehr. Oder die Kitas. Für die Kitas haben wir in den vergangenen Jahren viel getan, die Ausstattung ist gut. Aber das reicht nicht. Seit 2013 haben Kinder ab dem zweiten Lebensjahr wieder einen Anspruch auf einen Kitaplatz. Da gibt es in den nächsten Jahren einiges zu tun.

Im Wettbewerb sind 52 Teilnehmer, darunter Bonn, Magdeburg, Erlangen oder Ulm. Bekommen Sie bei den klangvollen Namen Angst?

Richter: Eine von bundesweit 52 Städten zu sein, ist schon etwas Besonderes. Angst? Nein. Wenn wir es geschafft haben, eine von 52 zu werden, dann haben wir auch eine Chance, eine Runde weiter zu kommen und eine von 20 zu werden.

Welche Veränderungen würden Sie sich für Gransee bis 2030 wünschen?

Richter: Ich persönlich möchte mir das Kloster als Ort der Kultur vorstellen. Und mehr noch würde es mich freuen, wenn Reisende, die am Bahnhof in Gransee anzukommen, angenehm überrascht sind von einem attraktiven Bahnhofsumfeld und einem sanierten Bahnhofsgebäude. Aber das sollte gar nicht bis 2030 dauern müssen.

 – Hier erfahren Sie, wie das Projekt funktioniert und wie Sie mitmachen können.

 – Alle Artikel und weitere Informationen haben kompakt auf der Sonderseite www.MAZ-online.de/gransee2030 zusammengefasst.

Die Stadt Gransee hat unter www.gransee.de einen Link eingerichtet.

Von Stefan Blumberg

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