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Oberhavel „Ihr werdet euch an mich erinnern“
Lokales Oberhavel „Ihr werdet euch an mich erinnern“
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00:34 08.03.2018
Niklas Mohrin, Tony Sieg und Julius Röper (v. l.) legten am Sonntag den Kranz nieder. Quelle: Helmut Schneider
Grüneberg

Seit Jahren bemüht sich ein Arbeitskreis interessierter Grüneberger Einwohner, die Geschichte des Dorfes zu erkunden. Dazu gehört auch ein sehr dunkles Kapitel aus der Nazizeit. Denn am 6. März 1943 wurde ein Außenlager des KZ Ravensbrück direkt am Bahndamm des Ortes von 350 weiblichen Häftlingen bezogen. 1800 Frauen waren es bis zur Auflösung des Lagers im April 1945, die unter unvorstellbaren Bedingungen dort lebten und in zwölfstündigen Schichten für die Grüneberger Metallgesellschaft mbH Infanteriemunition herstellen mussten.

Gedenktafel wurde 1989 aufgestellt

An der Stelle, wo vor 75 Jahren der Leidensweg dieser Frauen begann, steht heute eine Gedenktafel, die 1989 von den Grüneberger Bürgern an zwei Originallagerpfosten angebracht worden war. Mit einer Gedenkminute, Kranzniederlegung und einer kurzen Ansprache von Bürgermeister Bernd-Christian Schneck und Pfarrerin Barbara Schlenker gedachten dort die Teilnehmer am Ende dieser Veranstaltung der Opfer von damals.

Julius Röper liest vor. Quelle: Helmut Schneider

Zuvor hatte aus diesem Anlass der Arbeitskreis in die alte Dorfschule eingeladen. Speziell hatten sich Jugendliche unter Leitung von Tony Sieg diesem Thema unter dem mehrdeutigen Begriff „überLAGERt“ gestellt. Ihnen wurde dabei vom Landesjugendring Brandenburg e. V. geholfen, der wiederum vom Ministerium für Bildung unterstützt wird. „Es gab anfänglich einen schmalen Hefter mit Informationen zu diesem Lager, inzwischen können wir einen ganzen Schrank füllen“, sagte stolz Azubi Tony Sieg. Ergebnis dieser Arbeit waren auch Interviewprotokolle von drei Frauen, die dieses Martyrium überlebt haben. Diese Protokolle wurden Abschnittsweise von den Besuchern verlesen. Hervorragend musikalisch eingestimmt von Jens Seidenfad mit seinem Akkordeon sprachen drei ehemalige Häftlinge über ihr Schicksal in Grüneberg.

„Wir wurden oft geschlagen“

Die Slowenin Dana Valic kam 1944 in das Lager. Sie schilderte sinngemäß: Wir wurden oft geschlagen und bekamen wenig zu essen. Unsere Hände bluteten von den gratigen Patronenhülsen, die wir zwölf Stunden lang an Fließband mit Kugeln füllen mussten. Am 25. April ging es zurück nach Ravensbrück und weiter auf den Todesmarsch Richtung Ostsee, erzählte sie. Am 3. Mai 1945 seien sie unter freiem Himmel in einem Wald aufgewacht und sahen einen russischen Kosaken zu Pferde. „Krieg ist aus“, rief er. Dana Valic wurde Lehrerin und lebt betagt in Slowenien.

Bürgermeister Bernd-Christian Schneck im Interview. Quelle: Helmut Schneider

Aus dem Protokoll der Polin Danuta Hilkner: Die Arbeit war gefährlich. Es gab Explosionen und Tote. Der Kommandoführer war ein Sadist. Er ließ uns mit dem Wasserschlauch bespritzen und fünf Stunden in der Kälte stehen. Von 400 Frauen waren lediglich 20 stehen geblieben. Alle anderen lagen ohnmächtig am Boden.

Über ihre Zeit in Grüneberg erzählte Aleksandra Suiba aus Donezk, dass ihre Aufseherin ihr die Häftlingsnummer so auf die Armvene tätowiert habe, dass sie operativ nicht zu entfernen ist. „Ihr werdet euch immer an mich erinnern“, habe ihre Peinigerin lachend gesagt.

Nach dem letzten Satz aus diesen Protokollen herrschte minutenlanges Schweigen in der überfüllten Dorfschulstube. Lediglich das Ticken der Wanduhr war zu hören.

Von Helmut Schneider

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