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Illegale Geschäfte in Velten

Zollbeamte observieren Zigarettenhändler nur sporadisch Illegale Geschäfte in Velten

In Velten ist es ein offenes Geheimnis: Seit Jahren machen illegale Zigarettenhändler auf dem Areal an der Poststraße ihre Geschäfte. Doch die Polizei kontrolliert nur sporadisch. Sie vermutet, dass die illegalen Händler für den Großbrand in der Veltener Innenstadt vergangene Woche verantwortlich sein könnten - und sucht Zeugen.

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Illegale Zigaretten werden oft in Erdlöchern versteckt.

Quelle: Peter Geisler

Velten. Die Scheibe geht runter, ein kleiner Mann mit schwarzer Wollmütze drückt dem Fahrer eine Stange Zigaretten in die Hand. Dann rollt der Transporter vom Parkplatz des Thomas-Philipps-Marktes. Seit mehr als zehn Jahren machen illegale Zigarettenhändler auf dem Areal an der Poststraße so ihre Geschäfte. In Velten ist das ein offenes Geheimnis. Mitarbeiter des Ordnungsamtes lassen sich auf dem Parkplatz nicht sehen. "Das Problem mit den Händlern ist uns bekannt, allerdings ist das eine klassische polizeiliche Aufgabe", erklärt Berthold Zenner, Veltens Ordnungsamtschef.

Tatsächlich waren in den vergangenen Jahren mehrmals Zollbeamte vor Ort, sie observierten die illegalen Händler stundenlang. Der größte Coup: Ende 2011 fassten die Ermittler einen Vietnamesen, der Kopf einer Händlerbande war. Er soll für 57 Zigarettenlieferungen aus Polen mit einem Umfang von 4,5 Millionen Schmuggelzigaretten verantwortlich sein. Die Glimmstängel wurden allesamt in Velten verkauft. Der Vietnamese wurde im Mai 2012 zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Das bleibt aber die Ausnahme, sagt Norbert Scheithauer, Sprecher des Zollfahndungsamtes Berlin-Brandenburg. Zwar gebe es häufiger Festnahmen in Velten. Doch nach ein paar Stunden stehen die Händler meist wieder auf dem Parkplatz. Einen Mann, der mit drei Stangen Zigaretten erwischt wird, könne man nicht lange in Haft behalten. Und dann geht das Spiel von vorne los. "Wir stellen die Männer wieder fest, nehmen sie mit und lassen sie laufen."

Die illegalen Händler in Velten, sagt Scheithauer, seien die letzten in der Kette. Kleinkriminelle, die sich ein bisschen Geld verdienen. "Wir zerschlagen eher internationale Banden und Großabnehmer in Berlin und Brandenburg." Deshalb kontrollieren die Beamten nur sporadisch in Velten und Umgebung, die Händler sollen wenigstens gestört werden. "Den Handel können wir aber nicht beseitigen", räumt Scheithauer ein.

Dabei verkaufen die Vietnamesen gefährliche Ware. Speziell Fälschungen der Marke "Jin Ling" seien schädlich, weil sie mit den europäischen Standards nichts zu tun haben. In verlassenen Fabrikgebäuden in Osteuropa wird der Tabak mitunter in Betonmischer gekippt, unter denen Gasbrenner stehen. Danach kippen Arbeiter die Ware auf den Boden und fegen sie zusammen. Dabei sind dann nicht nur Schmutz vom Boden, sondern mitunter auch lebende und tote Futtermilben, Milbenkot und Schimmelpilzspuren. Außerdem sind in diesen Zigaretten meist giftige Stoffe enthalten. Die Arsen-Belastung ist oft bis zu sechsmal höher als der zulässige Grenzwert.

Die illegalen Händler könnten zudem für den Großbrand in der Innenstadt verantwortlich zu sein. Zwei Hallen neben dem Thomas-Philipps-Markt waren in der vergangenen Woche zerstört worden, der Schaden beläuft sich auf 180000 Euro. Anwohner hatten der Kripo berichtet, dass die Händler eine der Hallen als illegales Zigarettenlager genutzt hatten. "Eine Möglichkeit ist, dass in der Halle Feuer gemacht wurde, es kann aber auch eine umgefallene Kerze oder eine weggeworfene Zigarettenkippe gewesen sein", so Polizeisprecher Toralf Reinhardt. Dass die Ermittler die Brandverursacher erwischen, ist unwahrscheinlich. Denn mögliche Beweise sind mit den Hallen verbrannt. "Und wir haben bis jetzt keine Hinweise auf verdächtige Personen", so Reinhardt. Die Polizei bittet Zeugen, sich zu melden.

Von Marco Paetzel

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Verdacht auf Brandstiftung

Ein Großbrand hat in der Nacht zu Dienstag in der Innenstadt von Velten (Oberhavel) gewütet und dabei zwei Lagerhallen sowie zwei Garagen zerstört. Die Feuerwehr war mit rund 130 Einsatzkräften vor Ort, benachbarte Wohnhäuser mussten evakuiert werden. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

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