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Oberhavel Im Vorgarten von Berlin
Lokales Oberhavel Im Vorgarten von Berlin
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02:16 22.08.2014
Hier wurde einst Abwasser verrieselt: Die Schönerlinde Teiche sind heute ein idyllisches Naturrefugium zwischen Berlin, Oberhavel und Barnim. Quelle: Enrico Kugler
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Oberhavel/Havelland

So einfach wächst kein Gras über die Sache. Jahrzehntelang kamen mit den Berliner Abwässern auch Schwermetalle und andere Schadstoffe auf Felder rund um die Hauptstadt. Lange bevor es Kläranlagen gab, entsorgten Großstädte Abwässer auf Rieselfeldern vor ihren Toren. Das machte die sandigen Böden Brandenburgs zunächst sogar fruchtbar und bedingt geeignet für den Ackerbau. Doch mit der massiven Industrialisierung Berlins wurden Schwermetalle und andere Schadstoffe in die Kanalisation und damit auf die Rieselfelder geleitet. Die Altlasten sind bis heute in den Böden und machen deren Bewirtschaftung stellenweise schwer bis unmöglich.

Auf dem früheren Rieselfeld Wansdorf, zwischen Schönwalde und Bötzow gelegen, startete vor zwei Jahren ein Feldversuch. Sechs Pappelarten wurden dort angepflanzt. Die schnell wachsenden Bäume sind anspruchslos und sollen einmal im Hennigsdorfer Biomasseheizkraftwerk verwertet werden. Der Anbau sei schwierig, sagt Peter Hecktor. Die Schadstoffe hemmen das Wachstum. Doch die Berliner Stadtgüter GmbH, deren Geschäftsführer Hecktor ist, bestreitet einen Langzeitversuch. 25 Jahre lang soll die sechs Hektar große Fläche Pappeln und Weiden liefern.

Auf 16.600 Hektar

Auf mehr als 16.600 Hektar breiten sich die Berliner Stadtgüter noch in Brandenburg aus. Ihre Geschichte begann vor 140 Jahren. Heute noch erhaltene Gutshöfe sind unter anderem Schönerlinde, das Museum Domäne Dahlem und der Gutshof Britz in Neukölln.
Eine Ausstellung zur Geschichte der Stadtgüter ist bis Jahresende im Alten Wasserwerk Friedrichshagen zu sehen, Müggelseedamm 307, geöffnet freitags und samstags 10 bis 18 Uhr, sonntags bis 16 Uhr.

Die Renaturierung ehemaliger Rieselfelder ist eine der Aufgaben der Stadtgüter GmbH. Die neue Nutzung solcher Flächen soll gleichzeitig einen Beitrag für Klima und Umwelt liefern. An den Schönerlinder Teichen bei Mühlenbeck scheint das gelungen. Die ehemaligen Rieselfelder wurden lange Jahre für die Karpfenzucht genutzt. Heute sind viele Teiche verlandet. Auf den anderen fühlen sich Wasservögel wohl. Am Himmel kreisen Milane und Bussarde. Zurzeit überzieht das Gelb der Goldrute die Landschaft. Die Apfelbäume tragen reiche Frucht. Auf den Wiesen grasen Wasserbüffel und robuste Konik-Pferde. Von einem Rundweg ist alles gut zu beobachten, Schautafeln klären über die Entwicklung der Teiche, über Flora und Fauna auf. Das ZDF hat den „Löwenzahnpfad“ angelegt.

Die bei Mühlenbeck gelegenen Teiche sind heute Naturschutzgebiet und gehörten einst zum Volkseigenen Gut Schönerlinde. Die Stadtgüter erlebten in der DDR eine wechselvolle Geschichte, wurden neu strukturiert, umfunktioniert, Flächen zu Bodenreformland erklärt oder ganz aufgegeben. Die Rieselfelder, die sich auf dem Gebiet bei Mühlenbeck früher befanden, wurden durch den Bau des Klärwerks in Schönerlinde überflüssig. Die Gebäude des Guts Schönerlinde sind heute vermietet. An der Geschichte des Guts lässt sich die Entwicklung der vor 140 Jahren gegründeten Stadtgüter gut ablesen.

Neue Energie: Fotovoltaikanlage in Dallgow-Döberitz. Quelle: Peter-Paul Weiler

1873 legten Rudolf Virchow und James Hobrecht die Grundlagen. Auf ihre Initiative hin beschlossen die Berliner Stadtverordneten den Bau eines Kanalisationssystems. Die rasant wachsende Stadt brauchte endlich eine Entwässerung. Riesige Flächen im Berliner Umland wurden gekauft, sie dienten als Rieselfelder und markierten 1874 den Start der Stadtgüter. Abwässer flossen bis dahin einfach in den Rinnstein. Mit der Ableitung durch geschlossene Kanäle ging die Typhusrate stark zurück. Noch heute gelten die Rieselfelder als gute Idee, auch wenn ihre Nutzung durch die jahrzehntelange Belastung mit Industrieabfällen schwierig ist. 16.600 Hektar messen sie zusammengenommen. Das ist so groß wie ein Fünftel der Fläche Berlins. Die Stadtgüter sind wie der Hinterhof der Metropole. Viel lieber wären sie der Vorgarten Berlins.

Die Freiflächen, die Berlin auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts für seine Expansionspläne kaufte, dienen heute auch der Frischluftzufuhr in die Stadt. Als Dienstleiter bietet die Stadtgüter GmbH die Schaffung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen, die bei jeder Baumaßnahme durch Flächeninanspruchnahme erforderlich sind. Die Gesellschaft wurde damit zum Experten bei der Beseitigung von Altlasten. Wie auf dem früheren Flughafen in Dallgow-Döberitz. Dort wurden Munitionsreste und Kerosin aus dem Erdreich geholt. Heute sammeln Kollektoren Sonnenenergie. „Mit der dort durchgeführten Investition erwirtschaften wir die Mittel zur Altlastenbeseitigung“, sagt Peter Hecktor.

„In Wahrheit brodeln unten drunter die Gefahren“

Peter Hecktor, Chef der Stadtgütergesellschaft, über Schwierigkeiten, heutige und künftige Aufgaben auf den Berliner Außenflächen

MAZ: Herr Hecktor, wer erntet eigentlich auf den Stadtgütern die Äpfel?

Peter Hecktor: Ich weiß nicht genau, aber wir hatten schon eigene Ernteaktionen und die von Naturschutzverbänden. Die Stadtgüter haben selber Saft und Apfelschnaps daraus gepresst.

Ich habe einen Apfel an den Schönerlinder Teichen gepflückt. Ich kann ihn also ohne Bedenken essen?

Hecktor: Ja, wir haben die Äpfel auch auf Schwermetalle untersuchen lassen. Es ist nichts drin.

Ihr Büro ist mitten in der Stadt, in der Frankfurter Allee in Friedrichshain. Warum arbeiten Sie nicht auf einer Ihrer Stadtgüterflächen?

Hecktor: Der Dienstsitz war in Blankenfelde auf einem alten Stadtgut geplant. Da wir aber gleichermaßen Flächen nördlich und südlich von Berlin haben, wollten wir mitten in der Stadt und in der Nähe unserer Auftraggeber, der Senatswirtschaftsverwaltung und dem Abgeordnetenhaus, sein.

Wie viele Berliner Abgeordnete kennen denn die Stadtgüter?

Hecktor: Ich glaube, das sind relativ wenige. Zumindest die Mitglieder des Haupt- und des Umweltausschusses kennen uns. Ich habe den Eindruck, die Thematik liegt für viele sehr weit weg. Wasserbetriebe oder Stadtreinigung sind unmittelbar mit der Stadt verknüpft. Viele glauben wohl nicht, dass sich hinter der Stadtgrenze noch etwas befindet, das mit der Stadt zu tun haben könnte. Dennoch sind unsere Aufgaben wichtig. Berlin muss sich mit dem Umland verflechten. Weder Wirtschaft noch Klima enden an der Stadtgrenze. Wir haben dabei die Interessen der Umlandgemeinden zur Kenntnis zu nehmen. Insofern nehmen wir eine Brückenfunktion zwischen Berlin und Brandenburg wahr.

Funktioniert denn die Zusammenarbeit mit den Gemeinden?

Hecktor: Wir finden meist immer eine Lösung. Teilweise funktioniert die Zusammenarbeit sehr gut, zum Beispiel in Schönefeld. Dort haben wir Flächen für den neuen Flughafen abgegeben.

Sie haben Flächen an den BER verloren?

Hecktor: Für das Betriebsgelände haben wir 130 Hektar abgegeben und 300 Hektar für Ausgleichsmaßnahmen bereit gestellt.

Sieht noch viel Arbeit: GmbH-Chef Peter Hecktor. Quelle: Berliner Stadtgüter

Sind die Stadtgüter denn auch noch landwirtschaftlich tätig?

Hecktor: Wir bauen für die Biomasseproduktion an. Beim Energiewald in Wansdorf kooperieren wir mit der Stadt Hennigsdorf und bauen Pappeln auf den ehemaligen Rieselfeldern an.

Die früheren Rieselfelder bei Mühlenbeck wirken heute sehr idyllisch. Sind sie das tatsächlich?

Hecktor: Die Schönerlinder Teiche sind ein gelungenes Beispiel für die Umwandlung von Rieselfeldern. Zwischen zwei lebensfeindlichen Verkehrsadern ist ein idyllischer Lebensraum entstanden. Wir müssen aber immer ein Auge darauf haben, dass die Schadstoffe bleiben, wo sie sind. Und das Wasser dort würde ich nicht trinken.

Warum sind die Felder noch heute so belastet?

Hecktor: Mit der Industrialisierung wurden über die Kanalisation auch Metalle und Schwermetalle auf die Felder gespült. Das kann man nicht sanieren. Wir müssen die Flächen sichern. Daher ist eine dauerhafte Beobachtung nötig. Letztlich muss man sich der Gefahren bewusst sein.

Welche weiteren Felder wurden aus Ihrer Sicht in gelungener Weise umgestaltet?

Hecktor: Der Denkmalspfad in Großbeeren zeigt sehr gut, wie Rieselfelder funktioniert haben. Da kann man zeigen, dass alles, was ich durchs Klo spüle, nicht einfach weg ist. Die Umwandlung des Flughafens Dallgows ist ebenfalls sehr gelungen.

Wie sieht Zukunft der Berliner Stadtgüter aus?

Hecktor: Ein wichtiges Standbein wird die Verpachtung und die Bewirtschaftung sein. Wir wollen die Flächen gerade im Verflechtungsraum von Bodenspekulation und Preistreiberei rausnehmen. Damit eröffnen wir Landwirten und Gewerbetreibenden die Chance, überhaupt Betriebsstandorte zu erhalten. Ein künftig immer wichtigerer weiterer Bereich ist die Organisation von Ersatz- und Ausgleichsmaßnahmen. Hier sind der Bund und andere Bundesländer schon weiter. Die Stadtgüter haben sowohl die Ressourcen, das Know-how und die Leute. Nur die Aufgabenzuweisung fehlt.

Interview: Klaus D. Grote

Die Stadtgüter übernehmen damit völlig andere Aufgaben als in der Zeit ihrer Entstehung. Schon mit der Gründung der Stadtgüter GmbH 1922 kamen zu weiteren Rieselfeldern Ackerflächen und Weideland hinzu. 2800 Schafe, 2513 Rinder und 2200 Schweine lebten auf den Gütern. Die DDR baute die Viehwirtschaft kräftig aus. Mehr als 20.000 Schafe wurden 1953 gemästet, auch Geflügel und Legehennen zogen ein. Alte Gutshöfe verschwanden und wurden durch Hallen für die Großmast ersetzt. Werkstätten und Sportplätze fanden Platz auf den Gütern. Mehr als 8000 Menschen bewirtschafteten die Höfe, zu denen auch das Gut Stolpe mit Flächen in Lindenhof und Pinnow gehörte.

Frisches Geflügel: Zwischen 1945 und 1990 wurden die Stadtgüter verstärkt zur Tiermast genutzt. Quelle: Berliner Stadtgüter

Heute werden von den Stadtgütern nur noch Viehfutter und Pflanzen für die Energieerzeugung produziert. „Kartoffeln kann man auf den Böden nicht anbauen“, sagt Hecktor. Auch für den Bio-Anbau seien die Flächen ungeeignet. Die meisten Flächen sind problematisch geblieben.

Von Klaus D. Grote

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