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Im Wald bei Rehhorst daheim: die Horde

Rock aus der Provinz Im Wald bei Rehhorst daheim: die Horde

2011 war das Geburtsjahr der Horde. Gestandene Männer aus Oberhavel, Barnim und der Uckermark, die gemeinsam Musik machen: Rock, Metal, Punk. Wichtig ist der Band, die im Liebenwalder Ortsteil Kreuzbruch probt, dass der Spaß bei den Auftritten nicht zu kurz kommt. Bis auf den Schlagzeuger sind alle aus der Horde Autodidakten.

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Die Horde, wie sie leibt und lebt und vor ihr Publikum tritt: Thomas Bruhn, Dirk Wagner, Karsten Jürs, Friedhelm Graef und Sebastian Großer (v.l.).

Quelle: Fotos: Bert Wittke

Liebenwalde. Diese Musik geht tief unter die Haut, ganz tief! Sie dröhnt zunächst durch die Ohrmuschel in die Gehörgänge, fährt einem dann tief in den Magen, um schließlich in Windeseile Besitz von Armen und Beinen zu ergreifen. Und schon fangen die Füße an zu wippen, der Kopf nickt im Takt und die Hände klatschen mit. Anatomische Erfahrungen aus dem Probenraum der Horde. Jenem Ort, wo fünf Musiker aus Liebenwalde vor allem eines sein dürfen: laut. Im stillen Kämmerlein lassen sich nun mal keine Konzertprogramme einstudieren. Schon gar nicht, wenn es sich um eine Gruppe handelt, die Rock, Metall und Punk macht und ihrem Publikum Titel wie „Asphalt und Staub“, „Die Erde brennt“ oder „Wehrfuchs“ vorsetzt. Übrigens alles Nummern, die die Horde selbst ersonnen hat.

Wenn die Musiker um den 53-jährigen Frontmann Karsten Jürs nach Feierabend ihre neue Musikanlage anheizen und die Verstärker aufdrehen, ist es mit der Ruhe vorbei. Wen stört’s? Ohne genaue Ortskenntnisse würde ohnehin kaum jemand den Probenraum im Kreuzbrucher Niemandsland zwischen Rehhorst und Angra Pequena finden. Der ideale Ort für die Band, um zu abendlicher Stunde tief und kompromisslos in die Sphären der Rockmusik abzutauchen. Feste Probenzeiten gibt’s nicht. Die Schichtarbeit etlicher Bandmitglieder zwingt dazu, sich spontan zu verabreden.

Auch bei den Proben in ihrem kleinen Studio in Rehhorst (Kreuzbruch) gibt die Horde alles

Auch bei den Proben in ihrem kleinen Studio in Rehhorst (Kreuzbruch) gibt die Horde alles.

Quelle: Bert Wittke

Geboren wurde die Horde an einem ziemlich finsteren Novemberabend des Jahres 2011, in einem schallgedämmten Raum von Gitarrist Dirk Wagner. Der 39-Jährige hatte den Raum gewissermaßen in weiser Voraussicht eingerichtet, als er mit seiner Familie auf den idyllischen Hof in Kreuzbruch zog. Die Besetzung der Band hat sich mit den Jahren immer mal wieder ein klein wenig verändert. Aktuell dabei sind Frontmann Karsten Jürs aus Liebenwalde, der sich als Gründungsmitglied bezeichnen darf, Schlagzeuger Friedhelm „Janno” Graef aus Groß Schönebeck (Barnim), Bassist Sebastian Großer aus Berbersee (Uckermark) sowie der Liebenwalder Thomas Bruhn, Background-Mann, Tänzer, Percussionsspieler. Letzterer hat übrigens auch seinen Sohn Patrick schon für die Musik der Horde begeistern können. Der 15-Jährige tritt inzwischen sogar hin und wieder mit auf und spielt, wie Dirk Wagner versichert, „eine feine Gitarre“.

Dass die Truppe unter dem Namen Horde durch die Lande zieht, verdankt sie ihrem Trommler Janno. Er ist übrigens auch der einzige aus der Horde, der eine Einstufung als Schlagzeuger hat. Die anderen sind alle Autodidakten. Janno ging eines schönes Tages beim Bierchen durch den Kopf, was für ein bunter Haufen sich da eigentlich versammelt hatte, um zusammen „rumzuklimmpern. Das war der Moment, in dem die Horde aus der Taufe gehoben wurde. Nach einem guten Jahr hatte die Horde so viele Covernummern, unter anderem von ZZ Top, ACDC, den Rolling Stones und Elvis einstudiert, dass man damit zunächst bei Geburtstagsfeiern auftrat. Inzwischen kommen sieben eigene Songs hinzu. Sie stammen zum überwiegenden Teil aus der Feder von Sebastian Großer, der sich selbst als „Bastl von Berbersee“ und als in Brandenburg lebender Bohemien bezeichnet.

Einmal im Jahr, am Himmelfahrtstag, sucht sich die Band einen Ort in der Region, wo sie kostenlos auftritt. Dieses und voriges Jahr gastierte sie in der Marina Mildenberg. Dort macht die Horde Reklame in eigener Sache, zeigt, was sie musikalisch drauf hat und knüpft Kontakte. Die Reaktionen waren bisher immer so, dass sich die Band für den Rest des Jahres über Auftrittswünsche nicht zu beklagen brauchte.

Neben ihrer mit ganzer Hingabe gespielten Live-Musik ist die Horde auch dafür bekannt, dass sie jede Menge Spaß macht. Kein Auftritt, bei dem die Jungs nicht tief in die Gag-Kiste greifen und Halli-Galli machen. Da zieht sich denn Frontmann Karsten Jürs schon mal eine Wehrwolf-Maske übers Gesicht oder stülpt sich ein Elvis-Toupés über. Oder der 48-jährige Thomas Bruhn stolziert als Officer durchs Publikum und nimmt wahllos Leibesvisitationen vor. Ein anderes Mal zwängt er sich in ein Biene-Maja-Kostüm und schwirrt zwischen den Musikern auf der Bühne vorbei.

Im bürgerlichen Leben gehen die Mitglieder der Horde, die am Sonnabend von 18 bis etwa 20 Uhr übrigens beim Dorffest in Badingen auftreten, sehr seriösen Berufen nach: Dirk Wagner (Erzieher Brandenburger Kinderland, Friedhelm Graef (Heizungsmonteur), Karsten Jürs (Polizist), Sebastian Großer (Autor/Trauerredner), Thoams Bruhn (Schlosser beim Wasser- und Schifffahrtsamt Zehdenick).

Kontakt: Dirk Wagner, Telefon: 0176/44578810 oder hordenmail.wixsite.com/horde

Von Bert Wittke

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