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Im „Wenzel“ gibt’s Matjes

Freienhagen Im „Wenzel“ gibt’s Matjes

Das Restaurant „Wenzel“ in Freienhagen ist längst ein Geheimtipp für Liebhaber der deutschen Küche. Seit 26 Jahren führt Barbara Zerbe ihre Gastwirtschaft und ist dabei jung und guter Dinge geblieben. Die MAZ schaute in ihrer Reihe „zu Hause in ...“ einfach mal vorbei.

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Barbara Zerbe und ihr Mann MIchael (v. r.) „schmeißen“ das Restaurant alleine. Sie serviert, er steht in der Küche, und das seit 26 Jahren.

Quelle: Andrea Kathert

Freienhagen. „Als wir die Idee mit dem Restaurant hatten, da haben uns alle ausgelacht“, sagt Barbara Zerbe. Sie wirbelt mit freundlicher Miene durch die Gaststube. Denn 26 Jahre nach ihrer Idee ist im Restaurant „Wenzel“ in Freienhagen jeder Tisch belegt. „Die meisten sind Stammgäste“, meint die Inhaberin, die von sich sagt, sie sei 68 Jahre alt. Kaum zu glauben, sie muss einen Trick haben. „Arbeit hält eben jung“, lacht sie. Und das sie an ihrer Arbeit Spaß hat, das nimmt ihr jeder ab.

Ohne einen kleinen Plausch mit den Gästen kommt sie von keinem Tisch wieder weg. Und wenn es sich nicht um Stammgäste handelt, erklärt sie den Fremden auch gerne, warum die Speisekarte so übersichtlich ist, dass ausschließlich alles frisch gekocht wird und dass heute gerade Matjesessen auf dem Programm steht. Wobei dafür Ehemann Michael zuständig ist, der kennt sich aus mit dem jungen Hering. „Den bestellen wir in Holland, das ist der größte Exporteur.“ Der neue Hering hat noch nicht gelaicht, ist deshalb ganz weich. „Und schmeckt besonders lecker.“ Von den Gästen ist genau dieser Satz zu hören, wenn Barbara Zerbe die leer geputzten Teller abräumt.

Das Restaurant liegt im Ernst-Thälmann-Weg 3

Das Restaurant liegt im Ernst-Thälmann-Weg 3. Alle Events sind auf der Website zu finden.

Quelle: Andrea Kathert

Was für ein Glück für alle Stammgäste, dass die Wirtin nicht ihrem erlernten Beruf weiter nachgegangen ist. „Eigentlich wollte ich Restaurateurin werden, aber ich habe keinen Ausbildungsplatz bekommen“, erzählt sie. Stattdessen lernte sie Meß- und Reglungstechniker. Ein Beruf, der ihr nicht gerade viel Spaß bereitet hat. „Aber immerhin kann ich heute eine Lampe selbst reparieren.“ Das ist auch was wert.

In dem Raum, wo jetzt die Gäste genüsslich speisen, hat früher die LPG ihre Maschinen repariert. Barbara Zerbe gehört das Wohnhaus nebenan und zu DDR-Zeiten hat sie die Eierannahme geführt, Hühner und Honig verkauft – wie das eben so war auf dem Dorf. Bis zur Wende. Da brauchte es auch in Freienhagen neue Ideen. „Erst wollten wir einen Getränkestützpunkt aufmachen.“ Das hat aber nicht funktioniert. Auch aus dem Gewerbe mit den Lampenschirmen wurde nicht so richtig was. Also sollte die Idee mit einem Café gewinnen. Gesagt, getan. Die Maschinenwerkstatt wurde umgebaut und rund herum angebaut: Küche, Nebengelass, Vorraum, Toiletten. Der Name Wenzel ist schnell erklärt. „So heißt mein Sohn mit Vornamen“, sagt Barbara Zerbe. Noch vor sieben Jahren hieß sie Hopke, bis sie den Mann heiratete, der jetzt in der Küche das Zepter schwingt. Ehemann Michael ist ausgebildeter Koch. Und trotzdem teilen sich die beiden auch in der Speisenzubereitung die Arbeit. „Für die Salate bin ich zuständig, und natürlich für die Torten.“ Denn zweimal im Jahr gibt es ein „Tortenfest-Wochenende bei „Wenzel“. Dann werden drei große Zelte im Garten aufgestellt, die nach kurzer Zeit rappelvoll sind. „Mein Höchstmaß waren mal 50 Torten für ein Wochenende.“ Natürlich alle selbst gebacken und hergerichtet. Und alles ging weg.

Inzwischen lässt es Barbara Zerbe beim Tortenfest etwas ruhiger angehen. Aber frisch gebackener Kuchen steht trotzdem immer in der Gaststube, die nun auch nicht mehr die ganze Woche offen steht. Aber von Freitag bis Sonntag können die Besucher immer noch diese ruhige Atmosphäre im rustikal eingerichteten Gastraum genießen und hoffen, dass das Essen nicht so schnell kommt. Denn es gibt jede Menge zu sehen. Überall, an jeder Wand, in jeder Ecke hängen unzählige Bilder. „Die haben uns alle die Gäste geschenkt.“ Einer von ihnen brachte jedes Mal ein Aquarell für die Gaststube mit. Nun ist er gestorben. Aber seine Bilder leben bei „Wenzel“ weiter. „Ich hab mehr als 100 Aquarelle von ihm.“ Und dann fallen da noch die ganzen Puppen auf. „Eigentlich wollte ich nur eine haben“, sagt Barbara Zerbe. Die sollte zu der Kellner-Puppe passen, die im Restaurant steht. „Aber nie hat die Größe gepasst“, meint sie. Denn inzwischen haben ihr die Stammgäste fast 60 Puppen geschenkt. Aber die Richtige fehlt immer noch. Auf die wartet die Wirtin immer noch.

Und überhaupt ist Barbara Zerbe ein großer Fan von alten Sachen. „Die Gäste schenken mir Porzellan-Services und Sammeltassen, die würden sie sonst wegwerfen.“ Bei der Gastwirtin sind sie in guten Händen. Sie mag es, schöne Kaffeetafeln herzurichten und mit ihren Gästen zu plaudern. Das könnte doch das Geheimnis sein, warum es das Restaurant „Wenzel“ nach 26 Jahren immer noch gibt.

Von Andrea Kathert

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