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Oberhavel Im Wohnmobil durch Russland
Lokales Oberhavel Im Wohnmobil durch Russland
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11:40 28.08.2017
Ankunft in Berlin am Brandenburger Tor. In solchen Fahrzeugen, sowie in Pkw, Wohnmobilen und sogar auf Motorrädern fuhren die Russlandreisenden.
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Glienicke

Uschi Hansen aus Glienicke und ihre Kinder Marit (10) und Jannik (14) stehen noch so unter dem Eindruck ihrer Erlebnisse, dass sie wild durcheinander sprechen. Denn keiner will das, was ihm gerade einfällt, vergessen. Aber der Reihe nach: Ralf und Uschi Hansen (beide 52) wollten etwas tun, um den Frieden zwischen Deutschland und Russland zu fördern. Sie hatten genug von Negativmeldungen über Russland. Sie wollten mehr über das Land erfahren, trauten sich aber nicht, es allein auf eigene Faust zu bereisen. Also surfte Uschi Hansen im Internet und stieß auf die „Freundschaftsfahrt nach Russland“. Diese wird nicht von einem Reiseveranstalter im gewerblichen Sinne organisiert, sondern von Privatpersonen, die schon oft in Russland waren und eben die Freundschaft zum Land fördern wollen. Sie haben den Verein „Druschba Global“ (russisch Freundschaft) ins Leben gerufen, der die Fahrten organisiert. Kurz entschlossen riefen die Hansens beim Verein an, beantragten das Visum und kriegten es punktgenau am Tag der Abreise.

Uschi und Ralf Hansen in den T-Shirts des Vereins „Druschba“. Quelle: privat

Gemeinsam mit 365 Menschen aus 14 Ländern ging es am 23. Juli in Berlin am Brandenburger Tor los, weiter über Stettin und Kaliningrad. Dann trennte sich der Tross der Fahrzeuge. Denn die meisten Teilnehmer fuhren mit eigenem Pkw, Wohnmobil oder sogar Motorrad. Sieben verschiedene Routen standen zur Auswahl, zum Beispiel zum Baikalsee, nach Karelien, in den Kaukasus oder zum Schwarzen Meer. Familie Hansen entschied sich für den „Goldenen Ring“ über Riga, Pskow, Twer, Sergiljew Posad, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo, Wladimir, Moskau, Smolensk, Minsk und zurück nach Berlin über Brest und Warschau.

Die zehnjährige Marit Hansen in russischer Tracht. Quelle: privat

Das Besondere an diesen Freundschaftsreisen: Es sind keine finanziellen Interessen damit verbunden, es wird keine politische Richtung vorgegeben. Mitwirkenden Personen seien frei in ihrer politischen Meinungsfindung, heißt es auf der Internetseite des Vereins. Was dieser organisiert, sind Begegnungen mit Menschen in Dörfern und Städten. Es werden Reiserouten sowie Übernachtungsmöglichkeiten vorgeschlagen – nicht gebucht, das müssen die Teilnehmer selber bewerkstelligen. Für Verpflegung müssen die Reisenden ebenfalls selbst sorgen. „Gerade das machte den Reiz der Reise aus. Beim Einkaufen oder Nach-dem-Weg-Fragen kamen wir mit der Bevölkerung in Kontakt“, erzählt Uschi Hansen.

Spaß haben die Reisenden aus Deutschland beim Tanzen mit russischen Menschen. Quelle: privat

Begeistert berichtet sie von herzlichen Empfängen in Dörfern, wo die Bewohner für die Gäste sangen und sie liebevoll bewirteten. Einmal nahm Familie Hansen, die im Wohnmobil reiste, die Freundin eines Mitreisenden – Lydia – mit nach Moskau zum Klassentreffen. Lydia sprach nur russisch, doch die Verständigung klappte mit Händen und Füßen. Marit Hansen: „Lydia hat mich und Jannik gleich in den Arm genommen.“ Ihr Bruder Jannik fand den Besuch einer Motorenfabrik interessant, in der Motoren für Mercedes produziert werden. In einem Restaurant saßen Veteranen neben den Deutschen. Ein alter Mann stand auf und stellten den Gästen eine Flasche Wodka auf den Tisch. „Ich habe noch nie so offene Menschen gesehen“, sagt Jannik. Und überhaupt, ergänzt seine Mutter und hebt auf Medienberichte über Russland ab: „Ein Land, das unter den Sanktionen leidet? Von wegen, die Russen mobilisieren jetzt ihre eigenen Reserven, entwickeln die Landwirtschaft.“

Prall gefüllte Stände mit Obst und Gemüse auf den Dörfern. Quelle: privat
Familie Hansen auf einer Brücke in Moskau kurz vor dem Ende ihrer Rundfahrt. Quelle: privat

5000 Kilometer sind die Hansens gefahren. Ihr Fazit: „Ein faszinierendes Land mit herzlichen Menschen, die Freundschaft mit uns Deutschen wollen – trotz Sanktionen.“

Marit und ihr Bruder Jannik brachten sich eine Pelzmütze aus Russland mit. Quelle: Marion Bergsdorf

Und Putin? Uschi Hansen: „Die Leute stehen Schlange, um ein T-Shirt mit dem Bild von Putin drauf zu kaufen. Sie sagen, Putin rücke das gerade, was bei Gorbatschow und Jelzin schiefgelaufen war. Er kümmere sich darum, dass es den Menschen gutgehe.“

Von Marion Bergsdorf

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