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Im „Zwergenhaus“ wird gefeiert

Friedrichsthal Im „Zwergenhaus“ wird gefeiert

70 Jahre ist es nun her, dass der Kindergarten in der Waldstraße 22 eröffnet wurde. Damals gab es kein fließendes Wasser und nur Toiletten auf dem Hof. Das kann sich heute kaum noch jemand vorstellen. Aber vielleicht wird am 5. Mai über alte Zeiten gesprochen. An diesem Tag findet nämlich die offizielle Feier in der Kita statt.

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Erzieher Mario und die vierjährige Sora freuen sich auf die Festwoche.

Quelle: Robert Roeske

Friedrichsthal. Im Büro von Petra Conrad sieht es nach viel Arbeit aus. Logisch, die Kita-Leiterin muss 190 Kinder betreuen und 22 Kollegen unter einen Hut bekommen. Doch im Moment türmen sich noch mehr Sachen auf dem Schreibtisch von Petra Conrad. Es sind hautsächlich Chroniken und Berge von Fotos. In der Ecke steht schon eine große Tafel mit vielen Zeitungsartikeln. „Das haben die Hortkinder schon vorbereitet“, sagt die Kita-Leiterin. Viel Zeit bleibt nicht mehr, Anfang Mai wird gefeiert: 70 Jahre Kita. Eine ganze Festwoche soll es im „Zwergenhaus“ geben.

Im Februar 1947 war der Kindergarten in der Waldstraße 22 eröffnet worden. Das damalige Jugendheim wurde umgebaut. Mit zwei Räumen und einem kleinen Waschraum fing alles an, 32 Quadratmeter für 21 Kinder. Im Obergeschoss wohnte noch die Reinigungskraft.

Die damalige Leiterin, Frau Schramm, verstarb vier Jahre später und 1953 übernahm Lieselotte Schwalger den Kindergarten. Anfang der 1950er-Jahre - das waren ganz andere Zeiten. So sehr sich die Gemeinde freute, einen eigenen Kindergarten zu haben, die Bedingungen waren alles andere als rosig. Fließend Wasser gab es nicht, das wurde mit Eimern von einer Pumpe geholt. Und wenn die im Winter eingefroren war, blieb nur der Weg zur Nachbarin. Weil es keinen Gasanschluss gab, wurde das Wasser im Kachelofen erwärmt. An sanitäre Anlagen war nicht zu denken. Kinder und Erzieherinnen mussten nach draußen aufs Plumpsklo.

Für die pädagogische Erziehung standen den Frauen kaum Hilfsmittel zur Verfügung, es gab keine Bücher oder Beschäftigungsmaterial. Es wurde improvisiert. Fantasie und Geschicklichkeit der Erzieherinnen waren gefragt.

Das waren aber noch die geringsten Probleme. Schlimmer stand es um die Ernährung der Kinder. Zum Frühstück gab’s schwarzen Malzkaffee. Der damalige Bürgermeister veranlasste, dass jeder Bauer täglich einen Liter Milch zur Verfügung stellen sollte. Doch die wenigsten Bauern gaben etwas ab.

Eine Festwoche im „Zwergenhaus“

Vom 2. bis 5. Mai wird in der Kita „Zwergenhaus“ eine Festwoche zum 70-jährigen Bestehen der Einrichtung stattfinden. Von den Überraschungen sollen die Kinder noch nichts wissen.

Am Dienstag, 2. Mai, eröffnet der Kita-Chor den Tag. Danach gibt es viele Spaßspiele für die Kinder.

Am Mittwoch, 3. Mai, unternehmen die Krippenkinder einen Ausflug zum Spielplatz auf dem Dorfanger, wo gepicknickt wird. Die Kita-Kinder fahren von 9 Uhr bis 13 Uhr zum Indoorspielplatz „Veltinchen“. Drei Euro sind zu zahlen. Die Hortkinder holen ihren Ausflug in den Ferien nach.

Am Donnerstag, 4. Mai, spielen die Erzieher für die Kinder das Theaterstück „Das Rübchen“.

Am Freitag, 5. Mai, findet ab 15.30 Uhr die offizielle Feier am Backofen statt. Die Hortkinder haben ein kleines Programm vorbereitet. Die neue, überdachte Sitzgelegenheit vor der Kita wird eingeweiht. Es gibt selbst gebackenes Brot, Backkartoffeln, Bratwurst, Kartoffelcreme, Waffeln und eine große Torte.

Aufgebaut werden eine Hüpfburg, ein Schminkstand und die Feuerwehr kommt vorbei. Die Kinder sollen sich über Riesenseifenblasen, Luftballontiere und selbst gemachte Buttons freuen. Es gibt eine Tombola.

Ortsvorsteher Jens Pamperin will die Kinder mit einer Indoor-Tischtennisplatte überraschen. Zur Feier sind ehemalige Kollegen und Kindergartenkinder herzlich eingeladen.

Weil bald immer mehr Mütter einer Arbeit nachgingen, brauchten die Kinder eine warme Mahlzeit im Kindergarten. Als 1954 der Kinderhort im Luchweg eröffnet wurde, war das Problem gelöst. Dafür wurden im Kindergarten nun Schlafplätze gebraucht. Von zu Hause brachten die Kinder Decken und Kissen mit. 1958 wurde das Haus erweitert, bekam einen Anbau und die oberen Räume dazu. Endlich gab es Innentoiletten und fließend Wasser. Als allerdings die Schulküche vom Luchweg in den Fichtengrund verlegt wurde, musste das Essen für 60 Kinder in Eimern und Taschen, alles ans Fahrrad gehängt, bis in die Waldstraße gebuckelt werden. Die Zahl der Kinder in Friedrichsthal stieg immer weiter. Der Rat der Gemeinde stellte schließlich das Zweifamilienhaus auf dem Nachbargrundstück zur Verfügung. Damit gab es 1969 insgesamt 72 Plätze im Kindergarten. Sieben Erzieherinnen und fünf technische Kräfte waren dort beschäftigt.

Als schließlich angeordnet wurde, alle Kinder könnten den Kindergarten besuchen, wurde 1981 ein drittes Haus auf dem Gelände gebaut. 1982 wurde der Flachbau übergeben und es herrschten wesentlich bessere Bedingungen für Kinder und Erziehrinnen. In den nächsten Jahren wurden bis zu 100 Mädchen und Jungen in sechs Gruppen von elf Erzieherinnen betreut. Lieselotte Schwalger arbeitete von 1951 bis 1986 im Kindergarten, davon 32 Jahre als Leiterin. Sie hinterließ eine der Chroniken.

Petra Conrad hat noch viel zu tun bis alles für die Festwoche vorbereitet ist

Petra Conrad hat noch viel zu tun bis alles für die Festwoche vorbereitet ist.

Quelle: Robert Roeske

Damals wie heute geht es im Friedichsthaler Kindergarten darum, dass sich die Kleinen wohlfühlen. Seit 2006 kümmert sich Petra Conrad um dieses Anliegen. Als sie anfing, waren es 80 Kinder und neun Kollegen. Erfahrungen hat sie schon viele. Im Oktober diesen Jahres kann sie auf 35 Dienstjahre bei der Stadt blicken.

Seit zwei Jahren gibt es die offene Arbeit im „Zwergenhaus“, die Kinder wählen selbst , was sie machen möchten oder wo sie spielen wollen. Eine Stunde am Tag bleibt aber den Bezugserziehern vorbehalten. Das „Zwergenhaus“ orientiert auf Umwelt, Natur und Gesundheit. Die Eltern können in der Kita hospitieren.

Am 5. Mai gibt es sicher viel zu erzählen. Denn auch ehemalige Kindergartenkinder und Erzieherinnen sind herzlich eingeladen. Auch Lieselotte Schwalger, inzwischen über 90 Jahre alt, versucht, zur Feier zu kommen.

Von Andrea Kathert

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