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Imbiss, Tatort, Filmset

Hennigsdorf Imbiss, Tatort, Filmset

Das Hennigsdorfer City-Bistro am Bahnhof wurde vor mittlerweile zehn Jahren eröffnet, heute ist der Imbiss eine feste Instanz. Immer wieder kommt es davor aber zu Gewalttaten, erzählt Inhaber Cecen Osman. Ende 2016 hat er ein weiteres Café am Postplatz eröffnet, demnächst soll ein italienisches Restaurant folgen.

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Inhaber Cecen Osman (l.) mit Mitarbeiter Karasu. Wenn es personell eng wird, stellt sich auch der Chef selbst mal an die Dönerrolle.

Quelle: Fotos: Marco Paetzel

Hennigsdorf. Es ist Mittagszeit, dreiviertel Eins. Gerade hat die S-Bahn wieder ein Dutzend Gäste ausgespuckt. Ein paar Meter weiter, am Tresen des City-Bistros wird die Schlange länger und länger. „Zwei Döner zum mitnehmen, bitte!“, ordert die nächste Kundin. Mitarbeiter Karasu nickt, wetzt die Säbel, schält die nächste Portion Fleisch von der Dönerrolle. Eine Schermaschine, wie man sie aus vielen Berliner Dönerläden kennt, würde es hier nie geben. „Die schleudert das Fett aus dem Fleisch, dann wird es trocken“, sagt Cecen Osman. Der Inhaber des Imbiss’ hat eben so seine Grundsätze. Die Dönerrollen bestehen zu 100 Prozent aus Kalbsfleisch, die Soßen kredenzen seine Mitarbeiter selbst. „Nur mit gutem Fleisch und guter Soße wird es ein guter Döner“, sagt der 37-Jährige.

Er ist gelernter Maurer, hat sich 2004 mit seiner Baufirma in Berlin selbstständig gemacht. Vor zehn Jahren hörte er davon, dass der Imbiss am Hennigsdorfer Bahnhof leerstand. „Eine so zentrale Lage ist ideal, ich musste es einfach probieren“, sagt Osman. Heute ist der Laden etabliert, gerade unter der Woche bedienen seine drei Mitarbeiter im Akkord. Wie viele Döner täglich über die Theke gehen, will Osman aber nicht verraten. Geschäftsgeheimnis. „Aber wir brauchen in jedem Jahr mehr Dönerfleisch für unsere Kunden.“

Die zentrale Lage hat aber auch ihre Schattenseiten. Es gibt Kripobeamte, mit denen Cecen Osman schon per du ist. Wie viele Schlägereien es im Umfeld des Dönerladens schon gegeben hat, kann er nicht mehr sagen. Etwa 80 Prozent, schätzt er, passieren aber gar nicht im Laden, sondern davor. „Die Polizisten wollen aber immer unsere Überwachungskamera sehen oder sich das Blut von den Händen waschen“, so Osman. Im August 2015 ging ein wildgewordener Hennigsdorfer mit einer abgebrochenen Bierflasche auf zwei afrikanische Asylbewerber los, der Streit eskalierte vor dem Döner-Imbiss. Einer der Männer überlebte nur knapp, der Schnitt verfehle seine Halsschlagader um Millimeter. Zeugen berichteten danach auf Facebook davon, dass der Tatort regelrecht blutverschmiert gewesen sei. Die Gegend war rund acht Stunden gesperrt, etwa fünf Einsatzwagen der Polizei waren im Einsatz, um Spuren zu sichern und Zeugen zu befragen. „Ich war um zwei Uhr dann da, wir konnten dann erst um 11 Uhr wieder öffnen“, so Osman. Wäre sein Laden in einer Seitenstraße, würde so etwas nicht passieren – da ist sich der Gastronom sicher. „Aber am Bahnhof fühlen sich viele wie Helden, und dann schlagen sie sich.“ Als der Krankenwagen in diesem Jahr ein weiteres Mal anrücken musste, war der Schock bei den Mitarbeitern groß. Peter, ein Endsechziger, hatte im Dönerladen einen Herzinfarkt erlitten, Wiederbelebungsversuche bleiben zwecklos. „Er war von Anfang an Stammgast, das war für uns schon sehr hart“, sagt Osman.

Aber es gab auch erfreulichere Termine im Dönerladen. Im Sommer 2016 verwandelte sich der Postplatz in ein Filmset, die junge Regisseurin Nina Vukovic drehte hier den Psychothriller „Detour“. Osman sagte erst ab, als die Anfrage zum Dreh vor seinem Laden kam. „Aber dann habe ich gesagt, an einem Sonntag ist es okay. Da ist nicht so viel los.“ Der Film lief kürzlich in der ZDF-Reihe „Das kleine Fernsehspiel“. Und Cecen Osman ist stolz, dass sein Laden zu sehen ist.

Der Vater von drei Kindern identifiziert sich stark mit der Stadt, 2002 ist er mit seiner Familie in die Havelpassage gezogen. „Hennigsdorf ist gewachsen und hat sich toll entwickelt“, sagt Osman. Er trägt zu dieser Entwicklung bei. Im Dezember 2016 eröffnete er das Café „100 Grad“ neben dem Handyladen am Postplatz. Und bis Ende des Jahres will der Unternehmer mit türkischen Wurzeln in der ehemaligen DB-Kartenverkaufsstelle gegenüber vom Dönerladen ein kleines italienisches Restaurant eröffnen. Pizza, Pasta, Burger. „Die Einrichtung habe ich in 3D am PC planen lassen, das wird gut aussehen.“ Wenn das Lokal eröffnet ist, will Osman erstmal durchschnaufen. Aber er macht schon wieder neue Pläne. „Irgendwann“, sagt er, „will ich im Zentrum noch ein Hotel eröffnen.“

Von Marco Paetzel

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