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Oberhavel Immer mehr „Blüten“ im Umlauf
Lokales Oberhavel Immer mehr „Blüten“ im Umlauf
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02:15 11.02.2016
Bekommt alle „Blüten“ auf den Tisch: Hauptkommissar Karsten Degener vom LKA in Eberswalde (r.) mit Stefan Rannefeld, von der Pressestelle der Polizeidirektion-Nord. Quelle: ENRICO KUGLER
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Oranienburg

Ahnungslos wollte MAZ-Fotograf Robert Roeske Ende letzten Jahres mit einer Fünf-Euro-Note bei einem Oranienburger Drogeriemarkt bezahlen. Und löste prompt Alarm und einen Polizeieinsatz aus: Falschgeld! Gelandet ist der Schein auf dem Tisch von Martina Rösler. Die Kriminalkommissarin bearbeitet in Oranienburg für den Bereich der Polizeidirektion-Nord alle Fälle von „Blüten“. Rund 300 sind es jedes Jahr. Dabei werden zehn bis 15 Prozent des Falschgeldes im Handel genau auf diese Weise entdeckt, das Gros jedoch bei den Sicherheitstransporten, die das Geld von den Supermärkten einsammeln und zu den Banken bringen, wo es gecheckt wird.

Manche Geschäfte hätten zwar jene kleinen Geldprüfgeräte unterm Verkaufstresen, „aber die Verkäufer nutzen sie oft nicht. Aus Zeitmangel und weil die Kunden wenig Verständnis haben, wenn sie in der Schlange stehen und es dauert.“ Genau das machen sich die Täter zu Nutze: Sie bringen die Scheine vor allem in Umlauf auf Märkten, an Erdbeerverkaufsständen im Sommer, an Imbissbuchen, in Fast-Food-Ketten oder an Tankstellen. Überall dort, wo es schnell gehen muss, das Licht nicht so gut ist oder im Getümmel keiner so genau hinschaut. Dort wird es dann auch weitergegeben.

Größere Falschgeldsummen tauchen schon mal beim Autohändler auf, wo Geldbündel den Besitzer wechseln. So wie 2015, als jemand 8000 Euro in 20-Euro-Scheinen bezahlen wollte, die Hälfte davon war falsch. Polizeibekannt ist inzwischen ein Duo junger Männer aus Oranienburg und Berlin, das zwischen 2012 und 2013 150-mal 20-Euro-Schiene unter die Leute gebracht hat, erinnert sich Karsten Degener. Der Hauptkommissar arbeitet in der Auswertung der Fälschungskriminalität beim LKA in Eberswalde.

Gefälscht werden vor allem 20-Euro-Noten (40 Prozent aller Blüten 2015) und 50-Euro-Noten (49 Prozent). 240 Falschnoten sind 2015 in der Polizeidirektion-Nord aufgetaucht. Auch Münzen werden gefälscht, vor allem im Wert von zwei Euro. „Echte Münzen sind leicht magnetisch, falsche stark oder gar nicht“, so Degener.

In seiner Blüten-Sammlung hat er die skurrilsten Dinge: 20-Euro-Scheine vom Farbkopierer mit Silberpapier beklebt. Sogenanntes „Souvenirgeld“ aus der Türkei, Russland oder der Ukraine in allen Währungen mit Aufschriften wie „All you need ist love“. Sogenanntes „Höllengeld“, Nachdrucke, die zum Beispiel in Vietnam den Toten ins Jenseits mitgegeben werden: Dollar-Noten mit vietnamesischen Aufschriften. Und auch einen 30-Euro-Schein gibt es. Einen Versuch war’s wert!

Wo die Fälscherwerkstätten sitzen? Münzen würden vor allem in China und der Türkei geprägt, Scheine stammen nicht selten von der „Napoli-Group“. In Neapel wurden in Werkstätten bis zu zehn Millionen Euro Falschgeld entdeckt. 200-Euro-Scheine kämen oft aus Bulgarien, so Degener. „Die Fälschungen sind leider gut gemacht“, so der Fachmann. Inzwischen gebe es für Falschgeld vom Kopierer Hologramme aus China übers Internet. Und Falschgeld, bestellt übers „Darknet“, wo es neben Drogen und Waffen angeboten wird.

Insgesamt 70 von der Bundesbank festgelegte „Fälschungsklassen“ existieren: Sicherheitsmerkmale, die es zu erkennen gilt. Martina Rösler hat inzwischen ihren ganz speziellen Blick aufs Geld: Stimmen die Rillen? Das Hologramm?, die Sicherheitsstreifen und vor allem der „Kipp-Effekt“? Wenn die Zahl 50 auf dem 50-Euro-Schein von Braun in Violett wandelt – das bekommen die Fälscher zum Glück nicht hin. Trotzdem: 77 000 Euro Schaden sind in Brandenburg allein 2015 durch Falschgeld entstanden. Sieben Täter wurden ausgemacht, in mehr als 150 Fällen handelte es sich aber um „gutgläubigen Letztbesitz“, wie beim MAZ-Fotografen.

20 Jahre bleiben die „Blüten“ in der Asservatenkammer, bevor sie vernichtet werden. Ersatz gibt es für Falschgeld nicht. Aber für verschlissenen Scheine, die zum Beispiel in die Waschmaschine geraten sind. Wie die fünf Euro von Robert Roeske. Die waren nämlich doch echt.

Von Heike Bergt

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