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In Oranienburg mit der Meerjungfrau tauchen

Turm-Erlebniscity In Oranienburg mit der Meerjungfrau tauchen

Bis zu 20 Meter taucht Natalie Grande in die Tiefe und ist als Apnoe-Taucherin gefragte Stuntfrau für Drehs unter Wasser. Seit acht Jahren arbeitet sie als Profi-Meerjungfrau und bietet Kurse für den sportlichen Nachwuchs zusammen mit ihrem Mann Andres Camacho auch in Oranienburg aus

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Die beiden Profi-Taucher bei der Arbeit. Das Nixenschwimmen ist längst auch etwas für Männer

Quelle: www.photofever.com

Oranienburg. Fünf Minuten kann Natalie Grande die Luft anhalten. Dabei auch noch gut aussehen und im Wasser schweben neben einem versunkenen, algenbewachsenen Schiff in zehn Metern Tiefe vor Teneriffa. Wie eine Meerjungfrau eben. Jenes Fabelwesen – halb Mensch, halb Fisch. Ihre Beine stecken in einer riesigen schuppenbesetzten Schwanzflosse aus Latex. Die sitzt im wahrsten Sinne des Wortes wie angegossen und kann mehrere Kilogramm schwer sein. Natalie Grande ist Stuntfrau, ausgebildete Taucherin und hat eine Meerjungfrau-Apnoe-Akademie gegründet. Seit acht Jahren arbeitet sie als professionelle Meerjungfrau. Eine Schnapsidee meinten anfangs ihre Eltern. „War es nicht“, weiß die 35-Jährige heute. Inzwischen trainiert sie auch zusammen mit ihrem Mann Andres Camacho Meerjungfrauen. Jeden Sonnabendnachmittag ab 16.30 Uhr in Oranienburg.

Die gebürtige Berlinerin ist bekennender „Landmensch“. Nach ihrer Ausbildung zur Stuntfrau vor 15 Jahren in Berlin lebte sie in Bärenklau, dann vier Jahre auf Teneriffa. Jettet jede Woche zu Aufträgen nach Istanbul, die USA, Bahrein oder Spanien. Zu sehen war sie zum Beispiel bei Kampfszenen in der Serien „Hinter Gittern“, drehte Boot-Stunts oder gewagte Sprünge ins Wasser, trat als Nixe bei Szenen für „Terra X“ auf. Aufträge sind Clips für Tauchschulen und Reiseveranstalter oder sie wird als Show-Act für ein Pool-Event gebucht, „Hauptauftraggeber sind aber Fotografen“. Um das ständigen auf Achse sein etwas zu reduzieren, zog sie mit ihrem Mann zurück nach Deutschland.

Als Profi-Nixe trainiert sie nun kleine Meerjungfrauen in spe und sucht Mitarbeiter, die sie zu Trainern für Standorte in Österreich, der Schweiz und Ägypten ausbilden möchten. „Und wir möchten weiter von Bädern in Berlin und Oraneinburg Richtung Hamburg expandieren.“ Voraussetzung für Trainer: Rettungsschwimmer und Erste-Hilfe-Schein, „den Rest lernt man bei uns.“

Dabei unterscheide sich ihr Konzept vor allem darin von anderen: „Dass wir neben dem Spaß Wert auf den Sportfaktor legen, das Meerjungfrautauchen mit einer Ausbildung verbinden. Das ist einzigartig.“ Apnoe-Tauchen, „das kann jeder lernen, sofern man keine Probleme mit den Ohren oder den Atemwegen hat.“ Wichtig sei, „beim Training dranzubleiben, denn 90 Prozent sind Atemübungen“. Drei Minuten die Luft anzuhalten, das erreichten Erwachsene ohne Vortraining. „Das ist vor allem Kopfsache.“ Doch drei Minuten seien eine magische Grenze, „dann kann man sich Woche um Woche um zehn bis 20 Sekunden steigern.“ Doch ohne regelmäßiges Üben fange man immer wieder bei null an. Profis kommen auch bis zu neun Minuten ohne Atemzug aus.

Ein Kurs umfasst zehn Stunden mit maximal zwölf Teilnehmern jeden Alters. Die älteste Teilnehmerin derzeit sei 56 und „sehr gut“. Zum Schluss gibt es den Test für das Tauchabzeichen in Bronze, Silber oder Gold. Trainiert werden Tieftauchen bis vier Meter, Atemübungen, es gibt Tauchparcours, Lebensrettungstraining unter Wasser und schwimmen mit Flossen und Kostüm. „Der Sport ist gut für Rücken und Bauch“. Und natürlich gibt es ein Fotoshooting unter Wasser, wie am kommenden Sonnabend. „Da muss man ganz dick Schminke auftragen, sonst sieht man aus wie eine Leiche“, sagt Natalie und lacht.

Was federleicht scheint, ist ein ziemlich harter Job: Vier Stunden im Wasser für einen Zwölf-Sekunden-Dreh fürs Fernsehen sind nicht selten. Die Augen sind gereizt und auch bei 27 Grad im Wasser wird es einem irgendwann kalt. Da muss man als Meerjungfrau durch. Wie oft sie in die Fluten steigt? „Früher täglich, heute dreimal die Woche.“ Sie tauche aber selten tiefer als 20 Meter. Ihr bringe nicht die Tiefe den Kick, sondern „ich bin ein Guck-Taucher“, sagt sie. Die Unterwasserwelten vor Griechenland und Ägypten faszinieren sie bis heute.

Übringes hat das Monoflossenschwimmen längst auch die sportliche Männerwelt für sich entdeckt. „Und wir bieten die Kurse in Deutsch, Englisch und Spanisch an.“ Andres Camacho büffelt gerade die deutsche Sprache. Es gefällt ihm in Oranienburg. „Noch“, wirft Natalie Grande ein. „Aber auf Teneriffa ist es jetzt auf jeden Fall wärmer“, deutet er an und zurrt seine Kapuze fest.

Von Heike Bergt

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