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Zarte Pflänzchen auf dem Rieselfeld

In Wansdorf wachsen Pappeln für Hennigsdorfer Biomassekraftwerk Zarte Pflänzchen auf dem Rieselfeld

„Vom Rieselfeld zum Energiefeld“ – so heißt der in Brandenburg einzigartige Langzeitversuch. Pappeln sollen auf dem ehemaligen Rieselfeld, der sogenannten Kurzumtriebsplantage, wachsen. Das Projekt– auf 25 Jahre angelegt und 200000 Euro teuer – ist eine Kooperation der Berliner Stadtgüter, der Hennigsdorfer Cobios Energie-Gesellschaft und des Klärwerks Wansdorf.

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Gerd Bartsch, Chef von Cobios Energie, mit einem Pappelstamm auf dem Rieselfeld.

Quelle: Marco Paetzel

Wansdorf/Hennigsdorf. Gerd Bartsch steht auf einem kargen Feld, ein paar hundert Meter vor Wansdorf. Der Boden ist zerklüftet, Reifenspuren ziehen sich durchs Gelände. Alle paar Meter hat ein Fahrzeug mit Spezialwalze Anfang Mai auf einem Gebiet von sechs Hektarn Stammstücke junger Pappeln in den Boden gedrückt. „Jetzt wachsen daraus die ersten Triebe“, sagt der Chef von Cobios Energie, einer Tochtergesellschaft der Cobios-Stiftung.

„Vom Rieselfeld zum Energiefeld“ – so heißt der in Brandenburg einzigartige Langzeitversuch. Pappeln sollen auf dem ehemaligen Rieselfeld, der sogenannten Kurzumtriebsplantage, wachsen. Das Projekt– auf 25 Jahre angelegt und 200000 Euro teuer – ist eine Kooperation der Berliner Stadtgüter, der Hennigsdorfer Cobios Energie-Gesellschaft und des Klärwerks Wansdorf. Das Werk liefert pro Jahr bis zu 50000 Kubikmeter gereinigtes Abwasser für die Bäumchen, im Hennigsdorfer Biomasseheizkraftwerk sollen sie später verbrannt werden.

Schon im August 2012 wurde das Projekt auf dem Rieselfeld präsentiert. Doch der Drahtwurm, eine gefräßige Käferlarve, hat die erste Generation von Pappeln vernichtet. Der Wurm ist im Boden nichts Besonderes, nur im Rieselfeld kommt er hundertmal so oft vor wie gewöhnlich. Der Boden wurde gekalkt, zudem wurden Studentenblumen und Senf gepflanzt, um den Schädling zu vertreiben. Das scheint gelungen zu sein, sagt Gerd Bartsch. Wenn alles gut geht, könnten die Bäume in vier, fünf Jahren geerntet werden. Sie sollen kurz über dem Boden abgeschnitten werden, damit die Stämme neu austreiben können.

Sechs Pappelarten wachsen auf dem Feld. In vier bis fünf Jahren könnten sie erntereif sein

Quelle: Marco Paetzel

Doch ob das klappt, ist ungewiss. Zu DDR-Zeiten stand das Abwasser auf dem Rieselfeld bis zu 40Zentimeter hoch, alle paar Wochen wurde Nachschub eingeleitet. 1919 ging das los, zuerst aus Spandau, später aus Oranienburg, Velten, Falkensee, Hennigsdorf. Das Abwasser kam aus Haushalten, Krankenhäusern, Industrieanlagen. Blei, Cadmium, Zink und Quecksilber versickerten mit der Jauche im Boden, auch Rückstände von Medikamenten und anderen Chemikalien. 1986 war das Feld so verseucht, dass die DDR den West-Berlinern den Abwasserhahn zudrehte. 1998 wurde es stillgelegt. Seitdem, sagte Klärwerk-Chef Axel Swoboda beim Projektstart, ist hier nicht einmal Unkraut gewachsen. Die Pappeln könnten trotzdem wachsen, sie gelten als genügsam. Die Bäume wachsen im Rahmen des Projekts auch auf einem 20Hektar großen ehemaligen Rieselfeld bei Schönerlinde.

Noch mal zehn Hektar hat Cobios Energie – außerhalb des Projekts – auf Grünland und Ackerflächen in Polen bepflanzen lassen, auch auf weiteren zehn Hektarn bei Rüdersdorf sollen Pappeln wachsen. „Ziel ist, dass wir bis zu 25Prozent des Jahresbedarfs für das Biomasseheizkraftwerk über die Kurzumtriebsplantagen decken“, so Gerd Bartsch. Bisher gab es erst eine Ernte Anfang des Jahres, als 800 Kubikmeter Pappelholz von Schönerlinde nach Hennigsdorf gekarrt wurden. Anderthalb Tage lief das Biomasseheizkraftwerk damit auf Hochtouren. Das Gros der Holzhackschnitzel für das Kraftwerk sind nach wie vor Reste, die beim Holzfällen oder Grünschnitt anfallen. Etwa 90 Euro kostet eine Tonne des Brennstoffs. Geld, das die Stadtwerke mit dem eigenen Anbau sparen könnten.

Wärme aus Holzresten

Das Abwasser zur Bewässerung der Pappeln wird im Klärwerk Wansdorf gefiltert, mit Bakterien versetzt und mit Eisen angereichert. Mit Universitäten erforschen die Stadtgüter mit dem Pilotprojekt, ob und wie das Abwasser so genutzt werden kann, dass es keine Umweltschäden anrichtet.
Bis zu zehn Lkw beliefern das Hennigsdorfer Biomasseheizkraftwerk täglich mit Holzresten, insgesamt sind das rund 20 000 Tonnen im Jahr.

Die Holzhackschnitzel werden im Kraftwerk verbrannt. Mit dieser Wärme wird Öl erhitzt, das wiederum eine Turbine antreibt. Rund 50.000 Megawattstunden Strom hat das Kraftwerk seit September 2009 erzeugt.

Zusammen mit dem Biogasheizkraftwerk deckt die Stadt Hennigsdorf rund 60 Prozent ihres Wärmebedarfs mit regenerativen Energien. 80 Prozent der Haushalte und 70 Prozent der Unternehmen sind ans Wärmenetz angeschlossen. pae

Von Marco Paetzel

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