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Informationsstele zur Nelkenzucht enthüllt

Borgsdorf Informationsstele zur Nelkenzucht enthüllt

In Borgsdorf ist die Nelke im Wappen nicht länger der einzige Hinweis auf die 90-jährige Geschichte als „Nelkendorf“. Bürgermeister Steffen Apelt enthüllte am Dienstag gemeinsam mit ehemaligen Mitarbeitern eine öffentliche Informationsstele.

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Dietrich Raetzer (r.) spricht mit Edith Kunze und anderen Ehemaligen über die Geschichte. „Ich hatte zum Frauentag immer Blumen“, sagt Ehemann Herbert Kunze (l.) mit Blick auf die DDR-Mangelwirtschaft.

Quelle: Helge Treichel

Borgsdorf. „Es war eine schöne Zeit“, sagt Edith Kunze. Wehmut liegt dabei in ihrer Stimme. Das Berufsleben der 69-Jährigen ist eng mit dem Gartenbaubetrieb in Borgsdorf verbunden. 1963 hatte sie dort als Gärtnerlehrling begonnen. Und im Dezember 1993 gehörte sie als Chefin der Vertriebsabteilung zu denen, die in der untergegangenen Firma das Licht ausschalteten.

Eine Stele erinnert jetzt an die Gartenbaugeschichte des Hohen Neuendorfer Stadtteils. Sie wurde am Dienstagabend an der Borgsdorfer Meile/Blumenstraße/Sperberstraße enthüllt. Es ist die zweite dieser Art nach der Erinnerungsstele für den Widerstand im Nationalsozialismus am Bieneninstitut, sagte Bürgermeister Steffen Apelt (CDU) in der feierlichen Runde. Sie diene weniger dem Gedenken als vielmehr der Informationsvermittlung.

Raimund Weiland 8l9 und Steffen Apelt enthüllen die Stele

Raimund Weiland 8l.9 und Steffen Apelt enthüllen die Stele. Hilfe erhalten sie von Julia Junghänel vom ausführenden Grafikbüro gewerkdesign aus Berlin und ihrem Sohn.

Quelle: Stadtverwaltung

Die Geschichte der Borgsdorfer Nelkenzucht beginnt mit der Gründung der Gärtnerei im Jahr 1904. Gründer Curt Moll ist später Mitglied der NSDAP und richtet sich im April 1945 selbst. Es lägen persönliche Erinnerungen vor, dass Moll Zwangsarbeiter beschäftigte. Und auch Kriegsverbrechen würden ihm nachgesagt, so Apelt. Dies jedoch sei mit Archivmaterial nicht offiziell zu bestätigen gewesen. Die intensiven Auseinandersetzungen in der Stadtverordnetenversammlung hätten die Unsicherheit in dieser Frage widergespiegelt. „Es war richtig, sich diese Zeit der intensiven Diskussion zu nehmen“, sagt der Verwaltungschef rückblickend.

Das Projekt geht auf einen Antrag der CDU-Fraktion zurück, der Ende Oktober 2014 gefasst wurde. Die Idee habe die Verwaltung an den Kulturkreis weitergegeben. Dort habe sich gleich eine Gruppe begeisterter Hobbyhistoriker und Borgsdorfer gefunden, die in die Recherche einstiegen und einen umfangreichen Text sowie Bildmaterial zuarbeiteten – „viel zu viel für eine Tafel, die Passanten lesen sollten“, so Apelt.

Jetzt stehe „nur das Allernötigste“ auf der Tafel. Es sei jedoch geplant, eine umfangreiche Version der Darstellung auf der städtischen Internetseite zu platzieren, damit Interessierte tiefgründiger nachlesen können. Der Bürgermeister bedankte sich bei den Historikern, ohne deren Hilfe die Arbeit gar nicht zu leisten gewesen wäre. Denn offizielle Archivrecherchen hätten „wenig Resultate“ gebracht.

Die Informationen auf der Metalltafel

Die Informationen auf der Metalltafel.

Quelle: Helge Treichel

Die Stele sei wichtig, „damit Nelken nicht nur im Ortswappen sichtbar sind“, sondern auch der geschichtliche Hintergrund präsent ist, sagte Stadtverordnetenvorsteher Raimund Weiland (CDU). Er halte es für wichtig, die Geschichte zu kennen, um die Gegenwart gestalten zu können. Die Idee für eine dritte Stele habe er bereits im Kopf. Worum es dabei geht, wollte Weiland aber noch nicht verraten. Im Haushalt 2017 stehe zunächst noch kein Geld dafür zur Verfügung. Immerhin rund 10 000 Euro habe die Stele gekostet.

Einen kleinen Makel hat Edith Kunze entdeckt: „Da fehlt ein Foto von 1989“, sagt sie im Gespräch mit Dietrich Raetzer vom Geschichtskreis. Das Jahr markiert den Höhepunkt der Produktion. Das Volkseigene Gut (VEG) Gartenbau Berlin ist zu dieser Zeit mit 120 Mitarbeitern der größte Schnittblumenproduzent der DDR. Die Jahresproduktion hatte sich von 1,3 Millionen Stück Blumen (1968) über 4,2 Millionen (1976) auf 8,7  Millionen Stück (1989) erhöht. Edith Kunze war da für 28 Mitarbeiter sowie für sieben Verkaufsstellen verantwortlich, darunter in Hennigsdorf, Oranienburg und Berlin. Nach dem Mauerfall jedoch brach das Geschäft ein. Plötzlich kam alles aus Holland, noch dazu in einem größeren Sortiment. „Wir sind unsere Waren nicht mehr losgeworden“, sagt Edith Kunze. Auch die Hoffnungen auf Investoren hätten sich immer wieder zerschlagen.

Weitsichtige Stadtverordnete hätten damals die Umwandlung in eine Siedlungsfläche beschlossen, sagte Bürgermeister Apelt. „Heute leben hier 2500 Menschen in einer völlig neuen Siedlung. Auch diese städtebauliche Maßnahme sei eine Erfolgsgeschichte. Als eine der wenigen in der Bundesrepublik schließe sie mit einem positiven Gesamtergebnis ab.

Von Helge Treichel

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