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Oberhavel Ingrid Weber strickt bis Mitternacht
Lokales Oberhavel Ingrid Weber strickt bis Mitternacht
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00:34 24.03.2018
Die Malzer Strickfrauen haben auch schon Weihnachtsgeschenke für das Oranienburger Obdachlosenheim gestrickt. Es war Ingrid Webers (3. v.r.) bisher einziger Besuch in Malz. Quelle: Foto: Enrico Kugler
Hennigsdorf

Unter fast 30 Kerlen stand sie in der Schiffswerft ihre Frau. Und das über Jahrzehnte. Ingrid Weber hatte bis 1990 einen knallharten Job als CO2-Schweißerin in Oderberg (Barnim). Für die Hochseefrachter der damaligen UdSSR schweißte sie Gelenke für die Lukenabdeckungen zusammen. Es gab auch Teile, die so viele Tonnen wogen, dass sie nur ein Kran heben konnte. „Es war ein schwerer Job, und ich musste genauso schnell sein wie die Männer“, erinnert sich Ingrid Weber. Die Arbeit im Akkord trieb sie an, war damals schon ihr Lebenselixier. Und sie ist es bis heute geblieben. Nur, dass Ingrid Weber das Schweißgerät gegen Stricknadeln getauscht hat.

Stricken bis Mitternacht

Nach dem Frühstück sticht die Hennigsdorferin die Nadeln zum ersten Mal in die Maschen, nach einer Mittagspause geht es dann etwa um halb eins weiter. Vielleicht gibt es zwischendurch noch eine Kaffeepause, und dann zieht Ingrid Weber eisern durch. Draußen wird es schummerig, irgendwann geht die Sonne unter. Im Sommer sieht Ingrid Weber das auch von ihrem Balkon aus. Sie strickt tapfer weiter. Erst um Mitternacht, wenn die Kräfte sie vollends verlassen, lässt Ingrid Weber endlich die Stricknadeln fallen. „Wenn ich mir ein neues Muster ausgedacht habe, will ich auch sehen, wie es fertig aussieht.“ Das Stricken, sagt die Witwe, ist einfach ihre Welt. „Ich brauche nur meine Schlagermusik und meine Stricknadeln“, sagt Ingrid Weber.

Ohne Schlagermusik geht gar nichts

Im Hintergrund dudelt der Schlagersender „Radio Paloma“, Barden wie Patrick Lindner, Claudia Jung oder Andrea Berg schmettern ihre Nummern. Ihre Musik treibt sie an, im Sockenstricken macht Ingrid Weber so schnell keiner etwas vor. Acht bis zehn Stunden braucht die alte Dame für ein paar Socken. „Wenn man bewegliche Finger hat, kann man die Maschen schnell stricken“, sagt die 76-Jährige. Und die hat die Ex-Schweißerin. Jede Masche muss nach vorne geschoben werden, um mit der Nadel hereinzukommen. Der schwerste Teil, sagt Ingrid Weber, ist dann die Ferse. Dafür muss sie ein Einzelstück, die Haube, einarbeiten.

Ingrid Weber strickt am liebsten alleine

Das Stricken hat sie mit sechs Jahren begonnen, damals noch unter der Anleitung ihrer Großmutter Anna. „Es gab nicht einfach so neue Socken, wir mussten unsere alten stopfen.“ Seit dem Herbst 2016 strickt sie nun für den guten Zweck, damals las sie einen MAZ-Zeitungsannonce der Malzer Strickfrauen. Ein Anruf bei der „Chefin“ Marga Schlag genügte und sie war dabei. Seitdem bringen ihr die Strickfrauen Wolle nach Hennigsdorf, doch es bleibt bei Kurzbesuchen.

Ingrid Weber in ihrem Element. Quelle: Robert Roeske

Ingrid Weber strickt am liebsten für sich alleine, die Damenrunde ist nichts für sie. Schon, weil sie dann ihren Schlagersender nicht so laut aufdrehen könnte. Bei Marga Schlag ist die Hennigsdorfer Akkord-Strickerin dennoch hoch angesehen. Allein schon wegen ihres Tempos. „Frau Weber strickt wirklich unermüdlich, niemand schafft schneller ein paar Socken als sie.“ Erst vor ein paar Wochen schickten die Strickfrauen wieder ein großes Paket an die Berliner Stadtmission, die Sachen sollen die Obdachlosen auf den Straßen der Hauptstadt wärmen. Und das wiederum wärmt Ingrid Webers Herz. „Wenn ich höre, dass die Leute Tränen in den Augen haben, wenn sie unsere Sachen bekommen, stricke ich umso lieber.“

Fast 300 Paar Socken

Ingrid Webers Bilanz bei den Strickfrauen kann sich sehen lassen: 273 Paar Socken hat sie gestrickt, auch zehn Schals, 62 Paar Handschuhe oder 23 Kinderpullover. Und wenn es nach der Rentnerin geht, wird sie noch viele hunderte Wollsachen für die Ärmsten machen. „So lange, wie ich meine Finger noch bewegen kann.“ Dann ist das Gespräch auch beendet, der MAZ-Reporter verkrümelt sich. Ingrid Weber dreht das Radio auf und sticht wieder in die Maschen. Endlich.

Von Marco Paetzel

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