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Oberhavel Integrationsbarrieren an Werkbank abbauen
Lokales Oberhavel Integrationsbarrieren an Werkbank abbauen
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19:50 15.05.2017
An der Tischlerbank mussten die jungen Syrer einen Brotkorb aus Holz nachbauen. Die Maße mussten sie dafür von einer Zeichnung selbst nehmen. Quelle: Marco Winkler
Lehnitz

„Sie sind ein bisschen schnell, arbeiten aber selbstständig und handwerklich geschickt.“ Tischlermeister Jens Hoscheck ist überzeugt von der Leistung der drei Syrer, die an seiner Werkbank einen Brotkorb zusammenbauen. Anderthalb Stunden haben sie dafür Zeit. Material, Zeichnung und Modell dienen als Vorlage.

„Ich erkenne bei der Arbeit ganz gut, wer schon Erfahrung gesammelt hat in seiner Heimat und wer nicht“, so der Ausbilder im Holzbereich der Tüv Rheinland Akademie in Lehnitz. Hier fand am Montag in Kooperation mit dem Jobcenter Oberhavel ein Berufsorientierungstag für Geflüchtete aus Oranienburg, Hennigsdorf und Gransee statt. 45 anerkannte Asylbewerber waren eingeladen.

Einige Asylbewerber versuchten sich daran, ein Aluminium-Namensschild selbst zu machen. Quelle: Marco Winkler

„Das Jobcenter will wissen, was können die Geflüchteten, auf welchem Stand sie“, so Tüv-Trainingscenterleiter Frank Ließmann. „Außerdem können sie sich selbst die Berufsfelder anschauen.“ Um besser und genauer vermitteln zu können. Gemeint sind die Fallmanager des Jobcenters. „Es ist wichtig, dass sie sich vor Ort ein Bild machen und sich persönlich informieren“, so Jobcenter-Leiter Matthias Kahl.

Für Geflüchtete gibt es in Oranienburg und der Granseer Zweigstelle spezialisierte Teams. „Sie haben sich ihre Schützlinge heute selbst ausgesucht.“ Es war die erste konzertierte Aktion des Jobcenters mit Geflüchteten. „Es sollten Hemmnisse abgebaut werden“, so Matthias Kahl. Der Zugang sei niedrigschwellig gewesen. „Das bringt uns in der Vermittlung einen großen Schritt weiter.“

Der Ausbildungszweig Kfz-Mechatroniker war am Montag beliebt. Quelle: Marco Winkler

Branchen, die auf dem Berufsorientierungstag angeboten wurden: Bau, Farbe, Holz, Kfz, Lager, Elektro, Metall und Pflege. Mit einem Deutschbasis-Kurs in den vergangenen Jahren hätte die Tüv Rheinland Akademie erste Erfahrungen mit Geflüchteten gesammelt, so Frank Ließmann. „Die Leute wollen ja etwas machen, sie wollen arbeiten.“

Doch die Ausbildung in ihrer Heimat sei teils anders aufgebaut und mit anderen Anforderungen verbunden als in Deutschland. Frank Ließmann erinnert sich an einen Syrer, der in seiner Heimat drei Jahre bei Bosch gearbeitet hatte. Nach seiner Flucht wollte er in Deutschland Mechatroniker werden. „Doch die fehlenden Sprachkenntnisse standen ihm im Weg.“

760 erwerbsfähige Asylbewerber im Kreis

In einem standardisierten Test wurden deshalb auch die Deutschkenntnisse der Teilnehmer in Augenschein genommen. Die meisten sind auf einem B1- und B2-Niveau. Ihre praktischen Erfahrungen konnten die Flüchtlinge in Gruppen beweisen. So sollten sie bei Peter Siewert ein Namensschild aus Aluminium anfertigen. „Dann haben sie gleich eine positive Erinnerung an den Tag und das Handwerk“, so der Ausbilder.

Bei Bernd Friedrich durfte am Auto getüftelt werden. Glühlampen und Bremsbelege wechseln, kleine Inspektionen, Radwechsel. „Ich sehe, wer schon mit Werkzeug umgehen kann“, so der Ausbilder. Seit 25 Jahren macht er das. „Von den Handfertigkeiten, die ich heute sehe, kann ich Rückschlüsse auf die Kenntnisse ziehen.“

Genau das ist Sinn und Zweck des Tages gewesen. Die Erfahrungen der Ausbilder wurden anschließend an die Fallmanager des Jobcenters weitergeleitet. Derzeit betreut das Eingliederungsmanagement der Kreisverwaltung 1057 asylberechtigte Personen. 760 sind erwerbsfähig.

Von Marco Winkler

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