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Invasion der Wildschweine

Bergfelde Invasion der Wildschweine

Mit ihren kräftigen Rüsseln graben sie Grünstreifen, Gärten und manchmal sogar Sportplätze um: Wildschweine. So auch im Wohngebiet Heideplan in Bergfelde. Gegen die Invasion helfen stabile Zäune, ein paar Verhaltensregeln – und auch Jäger.

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Schwarzkittel fühlen sich sauwohl in Bergfelde. Grünstreifen und Gärten werden durchwühlt.

Quelle: DPA

Bergfelde/Birkenwerder. In dieser Woche, genauer in der Nacht zu Dienstag, habe er seine 14. Sau im Wald zwischen Birkenwerder und Bergfelde geschossen, sagt Jäger Roland Raich aus Mühlenbeck, während er nach diesmal erfolgloser Pirsch sein Jagdgewehr entlädt. Der 69-Jährige hat zu Beginn des Jagdjahres zu zählen begonnen, also im April. „Ich habe hoffentlich die frechsten erwischt, die im Ort unterwegs waren“, sagt er.

So viele Wildschwein-Begegnungen wie in diesem Jahr hatte sie noch nie, sagt Angelika Wolfgram. Und das will etwas heißen: Seit 1969 verbringt die Berlinerin mit ihrem Mann ihre Freizeit auf dem Erholungsgrundstück am Forstweg. Dieses Jahr sei ein Rekord, so der Eindruck der 67-Jährigen. „Das ist eine richtige Plage“, meint auch Brigitte von Glischinski, die seit 1972 an der Briesestraße wohnt. Deren Grünstreifen sind an mehreren Stellen von Schweinerüsseln umgepflügt. Auch sie hält die aktuelle Zahl der Tiere im Ort für „extrem“. Die Anwohner haben längst aufgerüstet. Zäune werden erneuert, mit Blechen und Steinen wird das Untergraben unterbunden.

„Keiner traut sich mehr in den Wald“, sagt Monika Weiser. Die 76-Jährige führt seit mehr als zehn Jahren Hunde aus, erst ihren eigenen, seit einiger Zeit den von anderen. Dabei bewegt sie sich strikt auf den Straßen. Waldwege meidet sie, seitdem die Wildschweine auf dem Vormarsch sind. Auch ihr Garten wurde in diesem Jahr bereits von hungrigen Schwarzkitteln heimgesucht. Die Kinder halfen ihr, den beschädigten Zaun wieder in Ordnung zu bringen, erzählt sie und geht flott weiter. Hund „Peppers“ mag keinen Stillstand.

Harrt im Schnitt 26 Stunden im Wald aus, bevor er mal einen Schuss abgibt

Harrt im Schnitt 26 Stunden im Wald aus, bevor er mal einen Schuss abgibt: Jäger Roland Raich. Seit einem Vierteljahrhundert geht er auf die Pirsch.

Quelle: Privat

Ein bisschen kämpfen Roland Raich und die anderen Jäger gegen Windmühlen. Erst sei der vergangene Winter so mild gewesen, dass auch die schwächeren Tiere überlebt haben, dann hätten die Sauen in der vergangenen Saison auch noch zweimal geworfen, fasst Fachbereichsleiterin Ariane Fäscher aus dem Rathaus Hohen Neuendorf die Lage zusammen. Allein der „Überfall“ auf den Bergfelder Sportplatz habe die Stadt knapp 46 000 Euro gekostet, die gute Hälfte für den neuen Rasen, der Rest für einen stabilen, schweinesicheren Zaun.

Darüber hinaus habe die Stadt offiziell gar keine Handlungsgrundlage. Dennoch seien Vergrämungsmittel eingesetzt, Dickichte und Schlafmulden beseitigt – und ein Stadtjäger engagiert worden. Doch in siedlungsnahen Gebieten obliege es dem Schützen, ob er die Verantwortung für einen Abschuss übernehmen kann. Oft könne er das nicht. Und für bewohnte Gebiete gebe es keine Genehmigung zum Schießen, so Ariane Fäscher.

Im Heideplan in Bergfelde

Im Heideplan in Bergfelde.

Quelle: Helge Treichel

Selbst in den Landesforsten zwischen Birkenwerder und Bergfelde, wo Roland Raich gemeinsam mit seinem Jagdhelfer Wolf Jahn-Riethdorf sowie drei andere Jäger ihr Revier haben, seien während der Jagd bereits unvermittelt Jogger oder Hundebesitzer aufgetaucht. Unter anderem deshalb werde jedes Wild „angesprochen“, also hinsichtlich seines Alters und Geschlechts genau identifiziert, sagt der Jäger: „Wir brauchen immer ein sicheres Schussfeld.“ Ein weiterer Grund: Sauen dürfen immer gejagt werden, ausgenommen welche mit Frischlingen. Raich bedauert jedoch, dass den Jägern ihre Tätigkeit unnötig erschwert werde, indem für die Fleischbeschau immer höhere Beträge gefordert werden. Das mache den Verkauf von kleineren Tieren unwirtschaftlich, weshalb er sich in dieser Frage mehr Unterstützung wünscht.

Und noch eines ärgert den Jäger – das Abladen von Fallobst, Gemüse und anderen Gartenabfällen sowie Biomüll im Wald. Solche Plätze, teilweise in der Ortslage, würden die Schwarzkittel direkt anlocken. Darüber hinaus sei es verboten. Für Ariane Fäscher ist das „falsch verstandene Tierliebe“. Ihr eindringlicher Appell: „Bitte unterlassen!“

Von Helge Treichel

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