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Irritationen um Trinkwasser-Grenzwert

Alles klar im Wasserwerk Irritationen um Trinkwasser-Grenzwert

Welcher Grenzwert gilt denn nun für den Arzneimittelwirkstoff Phenazon, der im Trinkwasser aus dem Stolper Wasserwerk nachgewiesen wurde? Diese Frage beschäftigt Helmut Kimmling und Joachim Tetzlaff aus Glienicke. Die Irritationen um den zulässigen Grenzwert sind aufgeklärt. Fazit: Alles okay in Bad und WC.

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Helmut Kimmling (l.) und Joachim Tetzlaff.

Quelle: Helge Treichel

Glienicke/Oberhavel. Welcher Grenzwert gilt denn nun für den Arzneimittelwirkstoff Phenazon, der im Trinkwasser aus dem Stolper Wasserwerk nachgewiesen wurde? Diese Frage beschäftigt Helmut Kimmling und Joachim Tetzlaff aus Glienicke. Die beiden Nachbarn waren nach einer Reinigung der Warmwasseraufbereitungsanlage in ihrem Mehrfamilienhaus im Sanddornweg auf die Thematik aufmerksam geworden – und wollen Klarheit. Gilt ein Wert von 1,0 Mikrogramm pro Liter – wie ihn das Gesundheitsamt zu Grunde legt? Oder gilt der zehnmal geringere Wert, den das Umweltbundesamt veröffentlicht hat?

„Für den Arzneistoff Phenazon gibt es keinen Grenzwert in der Trinkwasserverordnung“, sagt Sprecher Ronny Wappler aus der Pressestelle des Landkreises auf Nachfrage. Im Jahr 1996 sei vom Umweltbundesamt (UBA) mitgeteilt worden, dass eine gesundheitliche Gefährdung der Verbraucher bei Konzentrationen von unter 1,0 Mikrogramm Phenazon pro Liter Trinkwasser nicht hergeleitet werden könne. Für Spurenstoffe sei dann vom UBA in den vergangenen Jahren allerdings das so genannte GOW-Konzept entwickelt worden. GOW stehe für Gesundheitlicher Orientierungswert und stelle einen „Vorsorgewert“ dar, so Wappler.

Grenzwerte sind verbindlich, Orientierungswerte nicht

Die Bewertung erfolge auf Basis vorhandener Daten und immer unter dem Gesichtspunkt der gesundheitlichen Vorsorge. Grenzwerte seien dagegen in Gesetzen und Verordnungen festgelegte Höchstkonzentrationen für natürliche Inhaltsstoffe, Wirkstoffrückstände und Umweltschadstoffe in Lebensmitteln, Bedarfsgegenständen sowie etwa im Wasser und der Luft. Wappler: „Bei Überschreitung müssen die verantwortlichen Einrichtungen – das können Wasserbetriebe sein aber auch Industrieunternehmen oder Arzneimittelproduzenten – sofort Schritte zur Reduzierung und Gefahrenabwehr unternehmen.“

Im Gegensatz zu einem Grenzwert im Sinne der Trinkwasserverordnung sei ein Orientierungswert aber nicht rechtlich bindend, „sondern stellt eine Empfehlung dar“. In der Entstehungszeit des GOW-Konzeptes wurden alle Stoffe, für die noch keine dezidierte Bewertung vorlag, mit 0,1 Mikrogramm belegt, darunter auch Phenazon.

0,3 Mikrogramm pro Liter sind „unproblematisch“

Mit Veröffentlichung der neuen Liste der nach GOW bewerteten Stoffe durch das Umweltbundesamt am 16. April 2016 wurde ein GOW-Wert von 0,3 Mikrogramm/l festgelegt. Aus gesundheitlicher Sicht sei eine lebenslange Aufnahme von 0,3 Mikrogramm Phe­nazon pro Liter unproblematisch. Dieser Wert sei so niedrig angesetzt, dass nach Angaben des UBA auch bei lebenslanger Aufnahme kein Anlass zur gesundheitlichen Besorgnis bestehe. „Grundsätzlich sind GOW vereinfacht gesagt Werte mit eingebautem Sicherheitspuffer, um eine gesundheitliche Gefährdung ausschließen zu können.“, sagt Wappler. Im Hinblick auf das Minimierungsgebot der Trinkwasserverordnung (§ 6 Absatz 3) sei eine Konzentration von unter 0,1 µg/l dagegen „wünschenswert“.

Wert wird laut Wasserprobe aus Schildow eingehalten

Die jüngste Trinkwasseruntersuchung vom 16. Februar 2016 an der Netzprobenstelle Kita Schildow habe einen Phenazon-Wert von 0,18 µg /l nachgewiesen und blieb damit deutlich dem GOW 0,3 μg/l. Für den Fall, dass ein GOW überschritten wird, müssen Wasserversorger in Abstimmung mit dem Fachbereich Gesundheit kurz- und langfristige Maßnahmen ergreifen, um diesen Wert zu minimieren. „Das ist im aktuellen Fall jedoch nicht angezeigt, denn auch im Trinkwasser aus dem Wasserwerk Stolpe werden die GOW eingehalten“, sagt Wappler.

Fachbereich Gesundheit des Landkreis berät auch

Das Trinkwasser unterliegt von der Gewinnung bis zur Bereitstellung der Überwachung durch den Fachbereich Gesundheit. Dadurch sollen gesundheitliche Beeinträchtigungen durch mikrobiologische oder chemische Verunreinigungen des Trinkwassers vermieden werden. Im Rahmen dieser hoheitlichen Aufgabe werden Trinkwasserproben zur Untersuchung entnommen oder Untersuchungen beauftragt. Wappler: „Wir bewerten die Untersuchungsergebnisse und stehen den Betreiberinnen und Betreibern von Wasserversorgungsanlagen und Verbraucherinnen und Verbrauchern auch beratend zur Seite.“

Das Wasser im Norden Berlins

Die Wasser Nord GmbH & Co.KG sichert die Trinkwasserversorgung der Stadt Hohen Neuendorf mit ihren Stadtteilen Bergfelde, Borgsdorf, Hohen Neuendorf und Stolpe, sowie die Versorgung der Gemeinden Birkenwerder, Glienicke/Nordbahn und Mühlenbecker Land, jedoch lediglich für die Ortsteile Mühlenbeck, Schildow und Schönfließ.

Die Wasser Nord bezieht ihr Trinkwasser vom Wasserwerk Stolpe, einem Werk der Berliner Wasserbetriebe und verteilt jährlich mehr als 2.500.000 m³ Wasser über ein 343 km langes Rohrnetz an etwa 19.000 Haushalte.

Die 30 Mitarbeiter kümmern sich um Kundenservice, Buchhaltung und die Instandhaltung des Rohrnetzes.

Von Helge Treichel

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