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„Jeder kann ein Stifter sein“

Eine Stiftung für Oranienburg „Jeder kann ein Stifter sein“

Der Vorstandsvorsitzende der Oranienburger Bürgerstiftung, Ronny Schmidt, erklärt, warum die Stiftung für Oranienburger interessant sein könnte. Nicht nur für Leute mit großem Vermögen, sondern für jeden Bürger, der etwas für seine Heimatstadt tun möchte. In der Gemeinschaft von Geldgebern könne viel erreicht werden, sagt Schmidt.

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Der Banker Ronny Schmidt steht der Oranienburger Bürgerstiftung vor.

Quelle: Enrico Kugler

Oranienburg. Gerade hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen das Gütesiegel für die Oranienburger Bürgerstiftung bis 2017 verlängert. Ronny Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Oranienburger Bürgerstiftung, freut sich, dass die vor drei Jahren gegründete Stiftung in Oranienburg mehr wahrgenommen wird und ihr Kapital erhöhen konnte. Der 40-jährige Diplom-Bankbetriebswirt bei der Volksbank, der seit vielen Jahren in Oranienburg arbeitet, begründet, warum sich Bürger in die Oranienburger Bürgerstiftung einbringen sollten.

MAZ: Muss man ein großes Vermögen haben wie der Facebook-Inhaber Mark Zuckerberg, um ein Stifter zu werden?

Ronny Schmidt: Das wird beim Thema Stiftung häufig vermutet. Doch in der Bürgerstiftung ist wirklich jeder, auch mit kleinem Geldbeitrag, willkommen. Ab zehn Euro kann jeder zustiften. Friedrich Wilhelm Raiffeisen hat mal gesagt: Was der Einzelne nicht vermag, das vermögen viele.“ Das ist der Sinn der Bürgerstiftung.

Helfen und spenden kann man doch aber auch für Vereine. Wozu braucht es eine Bürgerstiftung?

Schmidt: Das angesammelte Kapital ist mit seinen Erträgen in Oranienburg und Gemeinden fest verbunden und verpflichtet. Kapital langfristig binden und einsammeln, das ist nur unter dem Dach einer Stiftung möglich und bildet einen wesentlichen Unterschied zum Verein oder anderen Initiativen.

Mit welchem Kapital war die Stiftung vor drei Jahren gestartet und wie hoch ist es heute?

Schmidt: Zur Gründung gab es 76 Gründungsstifter mit einem ursprünglichen Stiftungskapital von 63 000 Euro. Fünf Neustifter und drei Zustiftungen sind hinzugekommen. Insgesamt sind seit Gründung 5485 Euro an nominalem Stiftungskapital hinzugekommen. Das sind jetzt aktuell 68 485 Euro, welche fest mit Oranienburg verbunden und verpflichtet sind.

Wie mehrt die Stiftung ihr Kapital in Zeiten niedriger Zinsen?

Schmidt: Wir legen das Kapital an und lassen uns dabei professionell beraten. Das mache ich als Banker nicht selbst, versteht sich. Unsere Anlagestrategie haben wir in der Bürgerstiftung klar definiert. Wir machen nichts Spekulatives und sind bei der Anlage unseres Stiftungskapitals sehr breit gestreut. Das hat sich bewährt. Im vergangenen Jahr erzielten wir damit immerhin eine Rendite von 3,6 Prozent.

Wie hoch schlägt die Verwaltung der Bürgerstiftung zu Buche?

Schmidt: Wir leisten fast alles ehrenamtlich, so haben Stifter zum Beispiel das Logo entwickelt, den Internetauftritt geschaffen oder den Pokal für den Bürgerstiftungspreis zur Verfügung gestellt. Unsere Kostenquote beläuft sich auf 0,3 Prozent.

Gehört der Bürgerstiftungspreis zu den Projekten?

Schmidt: Ja, es gab sechs Preisträger. 2014 ging der Preis an die Feuerwehr Germendorf und 2015 an den Lehnitzer Karneval Club. Die damit verbundenen Preisgelder in Höhe von mehr als 6000 Euro kamen damit Projekten der Kinder- und Jugendarbeit zugute.

Warum fördern Sie Kinder und Jugendliche?

Schmidt: Weil Kinder das schwächste Glied der Gesellschaft sind. Indem wir Kindern ermöglichen, zum Beispiel weiter Musikunterricht zu erhalten oder ein Trainingslager zu besuchen, binden wir sie an die Stadt. Wir stärken ihr Gefühl von Heimat und tragen damit dazu bei, spätere Leistungsträger in Oranienburg zu halten. In den letzten drei Jahren haben wir 17 Kinder mit insgesamt 3717,35 Euro unterstützt.

Wie gewährleisten Sie denn, dass das Geld auch wirklich bedürftigen Kindern und Jugendlichen zugute kommt?

Schmidt: Darüber informieren uns die Institutionen, die mit den Kindern zu tun haben, zum Beispiel Musikschulen oder Vereine.

Die können sich also an die Bürgerstiftung wenden und einen Zuschuss beantragen?

Schmidt: Ja genau. 2016 wollen wir ein Projekt im Rahmen der 800-Jahr-Feier von Oranienburg fördern. Dafür kann man sich ab sofort per E-Mail bewerben unter info@buergerstiftung-oranienburg.de.

Wie viele Stifter hat die Bürgerstiftung mittlerweile? Was sind das für Leute?

Schmidt: Wir sind jetzt 80 Stifter, 50 von ihnen sind Unternehmer aus der Region. Wir hätten gerne mehr Privatpersonen. Jeder ist eingeladen, für einen guten Zweck zu stiften. Der Stiftungsbetrag kann so wie eine Spende steuerlich abgesetzt werden.

Wie viele Stifter hätten Sie denn gerne?

Schmidt: Für eine Stadt wie Oranienburg mit rund 40 000 Einwohnern wären 1000 Stifter eine gute Größe.

Das ist ein großes Ziel, wie wollen Sie das erreichen?

Schmidt: Wissen Sie, die Bürgerstiftung Oranienburg könnte man mit einem Baum vergleichen, der gerade gepflanzt wurde. Bis er Schatten und Schutz spenden kann, braucht es seine Zeit, Pflege und Geduld. Die Aufgaben orientieren sich also an der wachsenden Größe. Aktuell sind wir noch mit einem Verein vergleichbar, weil wir viele Projekte durch eingesammelte Spenden finanzieren. Das wird sich in Zukunft mit dem wachsenden Kapital ändern.

Gibt es bekannte Stifter?

Schmidt: Unsere Leuchtfigur ist Professor Michael Blumenthal, geborener Oranienburger, Ex-Finanzminister der USA und bis 2014 Direktor des Jüdischen Museums Berlin. Ihn als Stifter zu gewinnen ging ganz schnell.

Warum sollte sich ein Oranienburger für die Bürgerstiftung interessieren?

Schmidt: Weil sie viele Möglichkeiten bietet, etwas gemeinsam mit anderen für Oranienburg zu bewirken.

Zum Beispiel?

Schmidt: Man kann einen eigenen Stiftungsfonds einrichten und ihn einem bestimmten Zweck zuordnen. Dann werden die Zinserträge auf diesen Fonds ausschließlich für diesen Zweck verwendet. Der Fonds kann auch auf Wunsch unter dem Namen des Stifters geführt werden. Man kann sogar unter dem Dach der Bürgerstiftung Oranienburg eine eigene Stiftung gründen. Die Bürgerstiftung übernimmt gegen eine geringe Gebühr die Verwaltung der Stiftung und sorgt für die ertragbringende Anlage des Stiftungsvermögens. Sie hilft bei der Errichtung der Stiftung, reicht die erforderlichen Unterlagen bei der Stiftungsaufsicht und dem Finanzamt ein und garantiert, dass die Erträge aus der Stiftung satzungsgemäß verwendet werden.

Was ist mit Erbschaften?

Schmidt: Menschen, die keine Erben haben und deren Vermögen ohne Testament an den Staat fallen würde, fragen sich oft, wie ihr Lebenswerk über den Tod hinaus einem sinnvollen Zweck zugeführt werden kann. Ein Vermächtnis zugunsten des Kapitalaufbaus der Bürgerstiftung bietet ihnen Sicherheit, dass das vererbte Vermögen für alle Zeiten gemeinnützig in der Region Oranienburg eingesetzt wird.

Gab es schon einen solchen Fall?

Schmidt: Nein, aber wir existieren ja auch erst drei Jahre. Das Stiftungswesen muss erst einmal ankommen in der Gesellschaft.

Gibt es auch Stifter, die kein Geld einbringen?

Schmidt: Ja, wir haben drei Zeitstifter. Hans Biereigel, Jürgen Jancke und Willi Erdmann bringen Zeit ein und tragen die Ziele einer Bürgerstiftung wie Botschafter nach draußen. Das ist sehr wichtig.

Kann jeder Stifter werden?

Schmidt: Jeder, der volljährig ist. Stifter müssen nicht in Oranienburg wohnen.

Ist das Siftungsziel auf Kinder- und Jugendarbeit festgelegt?

Schmidt: Wer weiß denn heute, wo das Geld in 50 Jahren fehlt. Wir als Bürgerstiftung wollen das Ohr an den Bedürfnissen der Bürger vor Ort haben. Das Geld, das heute als Zustiftung in das Kapital fließt, steht dauerhaft den zukünftigen Generationen in Form der jährlichen Erträge daraus zur Verfügung.

Wer kontrolliert, dass der Stiftungswille eingehalten wird?

Schmidt: Unsere eigenen Kontrollorgane sind die Stifterversammlung, der Vorstand und das Kuratorium als Aufsichtsrat. Zudem unterliegen wir der Kontrolle durch das Finanzamt und durch die Stiftungsaufsicht des Landes Brandenburg.

Steht die Oranienburger Bürgerstiftung einer Partei nahe?

Schmidt: Nein, sie ist konfessionell und parteipolitisch nicht gebunden. Eine Dominanz einzelner Stifter, Parteien und Unternehmen wird abgelehnt. Politische Gremien dürfen keinen bestimmenden Einfluss auf Entscheidungen nehmen. So wird die Bürgerstiftung vom Bundesverband Deutscher Stiftungen definiert. Daran halten wir uns. Dass wir das Gütesiegel des Bundesverbandes verlängert bekommen haben, zeigt, dass wir die Merkmale einer Bürgerstiftung erfüllen. Politiker wie Oranienburgs Bürgermeister gehören zu unseren Stiftern, doch sie sind als Privatpersonen dabei.


Von Marion Bergsdorf

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