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Jedes Dorf braucht diesen Ort

Die Friedhöfe von Oranienburg Jedes Dorf braucht diesen Ort

Zehn Friedhöfe bewirtschaftet die Stadt Oranienburg. Angesichts der Tatsache, dass die anonymen Bestattungen zunehmen und Liegeplätze nicht mehr verlängert werden, stellt sich automatisch die Frage, ob so viele Friedhöfe noch gebraucht werden. Schaut man auf die Dörfer, gibt es nur eine Antwort: Ja, diese Plätze werden gebraucht.

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Die Einwohner in den Ortsteilen von Oranienburg halten an ihren Friedhöfen fest.

Quelle: Robert Roeske

Wensickendorf. Auf dem Friedhof in Wensickendorf ist es Mittwochmorgen noch menschenleer. In der Luft liegt der Duft der Lindenblüten. Die riesigen alten Bäume spenden Schatten. Einige Gräber sind schon gegossen, die Umrandung ist frisch geharkt, die Rasenflächen wurden ordentlich gemäht. Die Gießkannen hängen an den Halterungen, wo sie hingehören. Gepflegt und sauber sieht alles aus. Man braucht nicht viel Fantasie, um sich vorstellen zu können, wie die älteren Leute auf den Bänken sitzen und auf die Gräber ihrer Angehörigen schauen.

 Sauber und gepflegt sieht der  Friedhof in Wensickendorf

Sauber und gepflegt sieht der Friedhof in Wensickendorf. Unter den schönen alten Linden lässt es sich gut sitzen.

Quelle: Kathert

Es ist noch nicht lange her, da fragte Jörg Roitsch von den Grünen im zehn Kilometer entfernten Oranienburg: „Brauchen wir überhaupt so viele Friedhöfe?“ Würde Roitsch einen Spaziergang über alle Friedhöfe der Oranienburger Ortsteile machen, hätte er diese Frage vielleicht gar nicht gestellt. „An dem Friedhof werden wir unbedingt festhalten“, sagt Ortsvorsteher Heinz Ließke zu dem Thema. Die Zeit, auf den Dörfern Friedhöfe zu schließen, sei längst noch nicht reif. „Das wäre nicht gut.“ Jedes Wochenende ist Grabpflege angesagt. Das gehört auf dem Dorf einfach dazu. Heinz Ließke ist ziemlich zufrieden mit dem, was die städtischen Friedhofsmitarbeiter in den letzten Jahren alles getan haben.

Die alten Gräber, deren Liegezeit abgelaufen war, sind beseitigt und verfüllt. Die Liegereihen wurden geordnet und Plätze für den Grünabfall angelegt. Bald gibt es auf einer freien Fläche Rasenreihenstellen. Dort können Angehörige einen Stein, 40 mal 60 Zentimer groß, in den Rasen legen und eine Blumenschale daraufstellen. In Sachsenhausen gibt es solche halbanonymen Bestattungsflächen bereits. Die Stadt übernimmt für die gesamte Liegezeit die Pflege.

 Der Hauptweg vom Süd- zum Nordeingang ist nicht befestigt, es gibt nur Rasen

Der Hauptweg vom Süd- zum Nordeingang ist nicht befestigt, es gibt nur Rasen. Bei Besattungen ist das manchmal ein Problem.

Quelle: Roeske

„Natürlich haben wir noch weitere Wünsche für unseren Friedhof“, sagt Ortsvorsteher Ließke. Der Hauptweg zum Beispiel ist nicht befestigt, bisher gibt es nur Rasen. Der Sargwagen ist schon öfter auf dem Weg zur Kapelle ins Wackeln geraten. Und für die steile Treppe zur Friedhofskapelle müsste es eine Lösung geben. Die acht Stufen sind für alte Menschen kaum zu überwinden, mit Rollator oder Rollstuhl schon gar nicht. „Vielleicht könnte ein Lift angebaut werden“, meint Ließke. Dringend nötig wären auch Parkplätze, die es nicht gibt. In der Nordhälfte böte sich eine große freie Fläche direkt auf dem Friedhof dafür an.

 Auch solche Grabstellen, um die sich niemand kümmert,  sind zu finden

Auch solche Grabstellen, um die sich niemand kümmert, sind zu finden. Um so mehr macht es Sinn über anonyme Bestattungsmöglichkeiten nachzudenken.

Quelle: Kathert

Sicherlich geht es auf dem Wensickendorfer Friedhof Stück für Stück weiter, so wie Geld dafür da ist. In Oranienburg wird gerade die neue Kalkulation für die Friedhofsgebühren diskutiert. 61 Euro mehr wird eine Bestattung künftig kosten. Manfred Hartmann, Ortsvorsteher von Malz, ist der Meinung, dass die Leute lieber einmalig diese Summe mehr zahlen würden. „Aber wir möchten unsere Friedhöfe behalten“, sagt Hartmann.

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Bestattungen ständig gestiegen. Die Gründe dafür sind einfach: die Kriegsgeneration, also überwiegend die Frauen, sterben langsam aus, die geburtenstarken Jahrgänge rücken nach, die Einwohnerzahlen steigen.

Was die Friedhöfe kosten

Die Stadt Oranienburg unterhält zehn Friedhöfe, neun Trauerhallen und pflegt 17 Hektar Friedhofsfläche. Für die kommunalen Friedhöfe gilt seit 2007 eine einheitliche Gebührensatzung. Alle zwei Jahre wird eine neue Kalkulation vorgenommen.

Um die Unterhaltung der Friedhöfe kümmern sich sechs Mitarbeiter, ein Verwalter, eine Bürokraft und fünf Hartz-IV-Empfänger.

Die Bewirtschaftung muss kostendeckend erfolgen. Im Jahr 2014 lagen die Kosten bei 503 134 Euro. Im Vergleich zur vorherigen Kalkulation sind die Kosten um 61 432 Euro gestiegen. Im Jahr 2014 gab es rund 460 Beisetzungen. 88 Prozent waren Feuerbestattungen, der Rest Erdbestattungen.

Von Andrea Kathert

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