Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
“Jetzt wollen Sie mich wohl veräppeln“

Oranienburg “Jetzt wollen Sie mich wohl veräppeln“

Frosteinbrüche im Frühjahr sorgen in diesem Jahr für die schlechteste Ernteausbeute der Obstbauern seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das berichtete Hans-Georg Kosel, Experte für den Obstanbau beim 7. Apfelfest im Oranienburger Schlosspark. Trotz teils dürftig gefüllter Apfelstiegen wurde den mehr als 5000 Besuchern so einiges geboten, darunter eine Apfelausstellung mit mehr als 130 verschiedenen Sorten der Kernfrucht.

Voriger Artikel
Kindheitserinnerungen hundertfach
Nächster Artikel
„Geschichte wird an Einzelschicksalen sichtbar“

Margarete Frick befüllte das Mostmobil, welches anschließend frischen Apfelsaft lieferte.

Quelle: Robert Roeske

Oranienburg. Ohne Äpfel geht bei so einem Apfelfest gar nichts. Doch die Anzahl der mit dem Lieblingsobst der Deutschen prall gefüllten Obstkisten im Oranienburger Schlosspark waren am Wochenende beim 7. Historischen Apfelfest überschaubar. Organisator und Obstbauer Dietmar Frick zuckte mit den Schultern: „Das ist alles, was wir zur Zeit da haben“, zeigte er auf seine zwölf mal mehr, mal weniger gut gefüllten Apfelstiegen. „Der Frost hat uns fast die gesamte Ernte vernichtet.“

Überschaubar auch die Apfelausstellung, die Frick für Obstspezialist Hans-Georg Kosel neben seiner Mosterei aufgebaut hatte. Zwar reihten sich dort rund 130 verschiedene Sorten der Kernfrucht nebeneinander. Doch waren manche Schalen nur äußerst spärlich gefüllt: „Liegt nur ein Apfel drin, hing in diesem Jahr auch tatsächlich nur ein Apfel am Baum“, erzählt Frick.

Totalausfall in einzelnen Regionen wahrscheinlich

Pomologe Hans-Georg Kosel bestätigt die mangelhafte Ausbeute. „Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erleben wir das schlimmste Jahr der Obsternte überhaupt.“ Neben den Apfelbäumen seien auch Pflaumen und Kirschen betroffen. Frosteinbrüche im April hätten in Teilen der Region nahezu für einen Totalausfall gesorgt. Angst, in den nächsten Monaten auf das Lieblingsobst verzichten zu müssen, bräuchten die Verbraucher jedoch nicht haben. „Konventionelle Obstzüchter dürften ihre Ernte mittels Frostschutzanlagen bzw. Beregnungsanlagen, die Blüten mit Wasser besprühen und durch einen folgenden Eispanzer als Kälteschutz dienen, gerettet haben. Schwieriger ist es für die Biobauern. Da kann es passieren, dass aus einigen Regionen keinerlei Ware geliefert werden kann.“

„Jetzt wollen Sie mich wohl veräppeln“

Mit den Gästen des Apfelfestes meint es das Wetter am Wochenende bei strahlendem Sonnenschein im Schlosspark indes gut. Die Besucher ließen sich ihre Laune am Spektakel von den schlechten Apfelnachrichten auch nicht vermiesen. So hatten sich Lutz und Andrea Gröschke aus Oranienburg die Enkel Lea (3) und Ben (3) geschnappt, um vorbeizuschauen: „Wir wollen uns hier einen schönen Tag machen. Es findet ja nicht jedes Wochenende so ein Fest statt, also nutzen wir die Gelegenheit“, meinte Lutz Gröschke.

Die Bergfelderin Monika Wilke mit ihrem selbst geernteten Auralia, den sie von Pomologe Hans-Georg Kosel bestimmen ließ

Die Bergfelderin Monika Wilke mit ihrem selbst geernteten Auralia, den sie von Pomologe Hans-Georg Kosel bestimmen ließ.

Quelle: Nadine Bieneck

Monika Wilke indes steuerte zielstrebig auf Hans-Georg Kosel zu. Die 68-Jährige war aus Bergfelde gekommen, um sich zwei Äpfel aus ihrem Garten bestimmen zu lassen. „Der Baum trägt zwei verschiedene Sorten. Ich möchte jetzt endlich mal wissen, um welche beiden Sorten es sich dabei handelt“, berichtet die begeisterte Hobby-Obstzüchterin. Kosel musste die Bergfelderin allerdings enttäuschen. „Jetzt wollen sie mich wohl veräppeln“, schmunzelte er. Sie habe sich wohl verpflückt – beide Äpfel seien ein Auralia. „Eine süßsäuerliche, Brandenburger Sorte“, so der Fachmann. Monika Wilke nahm’s mit Humor. Immerhin hat die Bergfelderin Glück: Im Gegensatz zu vielen anderen trägt ihr Apfelbaum reichlich.

Nicht nur Äpfel, auch Mittelalterspektakel wurde geboten

Wenngleich das Apfelfest unter den Folgen des schlechten Erntejahres litt, wurde den Besuchern dennoch eine Menge geboten. So hatte neben den Obstbauern das Wandertheater „Cocolorus Diaboli“ seine Zelte im Schlosspark aufgeschlagen und bot ein mittelalterliches Spektakel für Groß und Klein. Gauklertruppe, Theateraufführungen, Wikingerboote, Wasserrad, Bogenschießen – rund um den Schlossteich waren mittelalterliche Zelte aufgeschlagen und luden zum Verweilen und Mitmachen ein.

Zufrieden mit der Veranstaltung zeigte sich daher am Sonntag auch die Stadt Oranienburg. „Das Wetter hat mitgespielt und mehr als 5000 Besucher haben das Fest besucht“, freute sich Pressesprecherin Mona Schröder.

0f770b78-9bf8-11e7-8dc4-ecc94511d67c

Der Apfel ist des Deutschen Lieblingsobst. Mehr als 5000 Besucher besuchten dann auch am 16. September (Sonnabend) das 7. Historische Apfelfest im Schlosspark Oranienburg. Wenngleich die Apfelstiegen vor Ort aufgrund der Negativ-Rekordernte teils nur spärlich gefüllt waren, wurde den Gästen doch so einiges geboten.

Zur Bildergalerie

Von Nadine Bieneck

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Oberhavel


MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg