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Oberhavel Jonglage auf Französisch
Lokales Oberhavel Jonglage auf Französisch
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00:27 07.10.2015
Viel Ulk und Spannung auf dem Gauklerfest in Oranienburg. Quelle: F. H. Koeser
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Oranienburg

Vor derart geballter Herzlichkeit gibt es kein Entrinnen. Die beiden Gaukler stürzen ins Publikum und verteilen Küsschen auf die Wangen der Zuschauer. Munter, fröhlich, und vor allem reichlich. „Bonjour“, rufen sie dazu aus. Die zwei Herren der Berliner Formation „Flugträumer“ parlieren mit schwerem französischem Akzent, „Rüben Montpellier“ und „Sebastien de Baguette“ nennen sie sich nicht von ungefähr.

Dann lassen die Jongleure ihre Keulen tanzen, bis zu acht Stück wirbeln durch die Lüfte. In ihre Nummer haben sie Akrobatik- und Capoeira-Elemente eingearbeitet. Sebastien macht zwischendurch Sprünge wie ein begnadeter Balletttänzer.

Die Sonne knallt auf Akteure wie Zuschauer hinab, sie blendet die Artisten. Die wissen sich zu helfen. Erneut eilen sie zu den Bänken und leihen sich von zwei Damen deren Sonnenbrillen aus. Nun klappt alles noch besser. Doch es droht Konkurrenz - einige Kinder machen Faxen. „Platz, Sitz“, befehlen die Gaukler. Die Kleinen gehorchen auf der Stelle.

Die Stimmung war prächtig auf dem Schlosshof am vergangenen Sonnabend, zahlreiche Besucher waren zum Oranienburger Gauklerfest gekommen, was wohl nicht nur an dem sommerlichen Wetter lag. „Die Gäste schätzen vor allem die tolle Atmosphäre an diesem besonderen Ort“, so Veranstalter Gerd Schulz von ’Carnica - Historische Feste und Märkte’. Oranienburg sei für seine Firma längst eine feste Größe. Schon zum sechsten Mal waren sie hier zu Gast.

Inzwischen haben verwegen aussehende Gesellen die Bühne betreten, gar Schauerliches wissen die Musiker von „La Marotte“ aus Sachsen-Anhalt zu berichten. Einen 20-köpfigen feuerspeienden Drachen hatten sie erlegt, den Kadaver aber immerhin nachhaltig-ökologisch weiterverwertet. Unter anderem als Saiten für ihre Zupfinstrumente. Dann legen sie mit mittelalterlich-rockigen Klängen los. Einige tanzen. Die meisten jedoch konsumieren Getränke von Ständen mit illustren Namen wie „Bierhimmel“ oder „Bierhölle“, oder verzehren Flammkuchen. Nicht wenige tragen historische Kostüme.

Nun sorgen die „Schmierenkomödianten“ aus Berlin für Unterhaltung. Ein kahlköpfiger Herr und eine Dame mit Zylinder jonglieren geschickt mit Messern und brennenden Fackeln. Der Mann schneidet dazu noch Grimassen, wie sie kaum einer gesehen hat. Kein Wunder, so seine Partnerin, er ist unter Milchkühen aufgewachsen. Und wurde von einem Yorkshire-Terrier gesäugt.

Von Fritz Hermann Köser

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