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Oberhavel Jugendliche proben Politik
Lokales Oberhavel Jugendliche proben Politik
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11:45 28.09.2017
Die Jugendlichen stellen sich im Ratssaal von Birkenwerder gegenseitig vor – mit ihrer politischen Rolle, die sie zwei Tage lang ausfüllen. Quelle: Helge Treichel
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Birkenwerder

Sie schmieden Pläne, bringen Ideen ein, sie streiten sich darüber, finden Kompromisse – und sie fassen Beschlüsse: 27 Jugendliche aus der zwölften Jahrgangsstufe der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule nehmen in dieser Woche an einem kommunalpolitischen Planspiel der Gemeinde Birkenwerder teil. Jeweils für zwei Tage nehmen sie die fiktive Identität eines Gemeindevertreters an. Auch die zugeteilten politischen Gruppierungen wie konservativ, freie Wähler, Grüne und Soziales Forum spiegeln nicht die Realität in Birkenwerder wider. Einzig die Beschlussvorlagen stehen thematisch auch in der regulären Gemeindevertretung auf der Tagesordnung. Da geht es um einen Begegnungsort auf der Festwiese gegenüber der Tankstelle, das Einschulungspaket für Abc-Schützen oder die „Nette Toilette“.

Sophie Friese erklärt die Vorstellungsrunde, bei der jeder die ihm zugeteilte „Rolle“ vorstellt. Quelle: Helge Treichel

Ausgedacht hat sich das alles Sophie Friese, die im Rathaus seit einem guten Jahr für den Sitzungsdienst zuständig ist. Ihre Idee stieß in der Gesamtschule sofort auf Interesse: „Das Rollenspiel passt perfekt zu den Unterrichtsthemen und auch zu unserem Anliegen, die Meinungsäußerung auf politischer Ebene zu üben“, sagt Lehrer Matthias Pollich, der Geschichte, Politische Bildung (PB) und Sport unterrichtet. Alle Teilnehmer hätten die Möglichkeit, alle Mitarbeiter im Rathaus anzusprechen, um sich über die reale Situation zu informieren, lobt Referendar Sebastian Seidel.

Sebastian Seidel und Matthias Pollich von der Regine-Hildebrandt-Gesamtschule (v.l.). Quelle: Helge Treichel

Besonders gelungen findet der angehende Geo- und PB-Lehrer die Schnittstelle zur realen Kommunalpolitik. Die Beratungsergebnisse ihrer eigenen durchgespielten Sitzungen durften die Schüler am Dienstagabend im Hauptausschuss präsentieren. Angeregt durch Pressemeldungen über Fahrraddiebstähle am Bahnhof, erarbeiteten sie den Vorschlag, doppelstöckige Fahrradständer zu installieren. Dadurch ließen sich nicht nur zwei Räder übereinander abstellen, sondern auch sicher anschließen. Diese Möglichkeit, die aus mehreren Varianten herausgearbeitet wurde und selbst für die alten Politik-Hasen neu war, stieß auf großes Wohlwollen im Ausschuss. Das galt ebenso für den Vorschlag, auf der Festwiese am Blumenweg gegenüber der Tankstelle einen Begegnungsort für Jugendliche und Senioren zu schaffen. Zwei Pavillons mit Grillplatz könnten eingerichtet, ein kleines Birkenwäldchen angepflanzt und Fitnessgeräte für alle Generationen aufgestellt werden.

Fraktionssitzung mit Annie (16), Aliah (17) und Maximilian (18, v.l.). Quelle: Helge Treichel

Diese Vorschläge würden seitens der Schule nun schriftlich fixiert und eingereicht, lobt Bürgermeister Stephan Zimniok (BiF). Und er begrüßt auch das erstmalig in Birkenwerder organisierte Planspiel. Im Zusammenhang mit den Bundestagswahlen sei viel zu oft von „denen da oben“ gesprochen worden. Tatsächlich bestehe jedoch für jeden die Möglichkeit, Meinungen und Ideen einzubringen. Ziel sei es, diesbezüglich das Demokratieverständnis und das persönliche Engagement zu fördern. „Ich hoffe, dass wir das am Ende bei den Schülern erreichen“, so Zimniok: „Eine tolle Kooperation und ein wichtiger Schritt in puncto Politisierung.“

Bürgermeister Stephan Zimniok (2.v.l.) unterstützt das Projekt. Quelle: Helge Treichel

Parallel beteiligen sich die Gemeinde und die Schule am diesjährigen Schülerwettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung. Volker A. Gäng, dessen Kind die Gesamtschule besucht, führt dafür ehrenamtlich die Kamera. Der Journalist dokumentiert das Planspiel, bittet den Bürgermeister zum Interview. Rathausmitarbeiterin Dania Aljappan, die aus Syrien stammt, befragt die Schüler. „Je toller ihr das macht, desto größer ist die Chance auf den Sieg“, sagt Gäng. Zum ersten Preis gehöre nicht nur eine finanzielle Anerkennung, sondern auch eine Ausstrahlung des Filmbeitrags im ZDF-Fernsehen.

In zwei Gruppen absolvieren die Jugendlichen das Planspiel, jeweils zwei Tage lang. Am Mittwoch startete die zweite Runde.

Von Helge Treichel

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