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Junge Gemeinde zeigt Einsatz

Glienicke/Nordbahn Junge Gemeinde zeigt Einsatz

Die älteren Mitglieder der Jungen Gemeinde haben ihren Glienicker Treffpunkt neu hergerichtet, nachdem dieser bei einem Einbruch verwüstet worden war – komplett in Eigeninitiative. Dabei mussten sie unter anderem Ekelgefühle überwinden.

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Die Junge Gemeinde der evangelischen Kirche ist auch ein bisschen stolz auf das Geschaffene.

Quelle: Helge Treichel

Glienicke. Erst hatten alle nur die eingeschlagene Scheibe über der Eingangstür entdeckt. Im Laufe des Vormittags wurde dann klar, dass Einbrecher den Treff der Jungen Gemeinde in Glienicke heimgesucht hatten. Der Aufenthaltsraum in der Gartenstraße war in der Nacht aufgebrochen und offenbar während eines Gelages verwüstet worden. Müll, Dreck, Zerstörung – und zu allem Überfluss hatte jemand auf das Sofa uriniert. „Es hat höllisch gestunken“, erinnert sich Lukas Klein. Der 18-Jährige vom Marie-Curie-Gymnasium und seine Freunde fassten sehr schnell den Entschluss, die Räumlichkeiten in einem Nebengelass nahe der Kirche wieder herzurichten.

So fanden die Jugendlichen ihr Domizil nach dem Einbruch vor

So fanden die Jugendlichen ihr Domizil nach dem Einbruch vor. Überall waren gerauchte Zigarillos ausgedrückt worden.

Quelle: Privat

Das war am 13. Februar. Mit Geduld und Spucke, Einfallsreichtum und vor allem großer Eigeninitiative gingen sie ans Werk. Das Ergebnis kann sich drei Wochen später bereits sehen lassen. „Wir haben alle Möbel und den Bodenbelag rausgeschmissen“, sagt Lukas Klein. In der ersten Woche wurden Wände, Türen und Fenster gestrichen und ein neuer Bodenbelag verlegt. Auf eine Facebook-Anfrage gab es Möbelangebote. Die Jugendlichen entschieden sich für eine moderne Anbauwand aus Schönfließ. Die neue Lampe, ihr „Star-Wars-Kampfstern“, stammt von einer Einkaufstour bei Ikea. „Fast jeden Tag waren fünf bis sieben Leute da“, so Lukas, der an einer Tafel die Einkaufsliste führte. Was zu tun ist, wurde zuvor spontan beraten und entschieden. Einziges übernommenes Relikt sei der alte Tisch.

Lukas Klein (l) führte die Einkaufs- und To-Do-Liste

Lukas Klein (l.) führte die Einkaufs- und To-Do-Liste.

Quelle: Helge Treichel

„Die Initiative finde ich großartig“, sagt Pfarrer Christian Leppler. Seine Schützlinge hätten einfach losgelegt und sich die Sache auch nicht aus den Händen nehmen lassen, resümiert er mit Wohlgefallen. An den Auslöser indes erinnert er sich weniger gern: Denn zwei Nächte zuvor war bereits in das Gemeindebüro eingebrochen worden. Besonders schmerzlich sei der Diebstahl des Altargeschirrs, das die Veltheims zur Einweihung der Kirche vor 152 Jahren gestiftet hatten. Die Stücke seien aufwendig gearbeitet, aber nicht aus Edelmetall. Und so hofft der Pfarrer auf eine verstohlene Rückgabe, denn der ideelle Wert des Geschirrs sei groß. Ohne jeden Nutzen für die Diebe sei auch die Fernbedienung für die Kirchenglocken, die mitgenommenen Kelche oder der herausgebrochene Tresor, der natürlich kein Bargeld enthielt. Und so sei wohl ein etwas betagter Beamer das Einzige, was den dilettantischen Tätern irgendwie von Nutzen sein könnte.

Die Einbruchsspuren an der Eingangstür

Die Einbruchsspuren an der Eingangstür.

Quelle: Privat

Für besonders bemerkenswert hält der Pfarrer die Tatsache, dass die entstandenen Sanierungskosten von insgesamt rund 1300 Euro zunächst von den jungen Helfern ausgelegt wurden, abzüglich einer für den Wiederaufbau eingegangenen Geldspende von 100 Euro. Die Kirchengemeinde erwarte nun eine Rückerstattung von der Versicherung. Allerdings sei der Arbeitseinsatz auch „nicht das erste Mal, dass sich die Jugendlichen sinnvoll eingebracht“ hätten, betont Pfarrer Leppler. Viele hätten zum Beispiel bereits mitgeholfen, die 50 Teilnehmer der Jugendfahrten zu betreuen.

Urinfleck auf dem Sofa

Urinfleck auf dem Sofa.

Quelle: Privat

Die Junge Gemeinde setzt sich aus Jugendlichen zusammen, die sich vorrangig während ihres Konfirmandenunterrichts kennengelernt haben. Zirka 15 von ihnen treffen sich fast jeden Abend in den nunmehr renovierten Raum.

Auch wenn der anfängliche Spaß angesichts des Arbeitspensums später etwas gelitten habe, denkt Informatik-Student Thomas Gebauer aus Glienicke gern an das Projekt: „Man war in guter Gesellschaft und es wurde auch viel gequatscht und gelacht.“

Von Helge Treichel

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