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Oberhavel Jurist und bekennender Christ im Widerstand
Lokales Oberhavel Jurist und bekennender Christ im Widerstand
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15:16 20.02.2017
Der Historiker Manfred Gailus (r.) stellte seine neue Weißler-Biografie gemeinsam mit dem Schauspieler Michael-Che Koch vor. Quelle: Helge Treichel
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Oranienburg

Sein Name müsste in einer Reihe stehen mit denen von Dietrich Bonhoeffer und Martin Niemöller: Friedrich Weißler. Letzterer sei jedoch „merkwürdig unbemerkt geblieben“, sagt der Historiker Manfred Gailus. Friedrich Weißler und seine tragische Geschichte seien kaum bekannt, obgleich er der „erste Märtyrer der bekennenden Kirche“ unter der Nazi-Herrschaft in Deutschland sei.

Der Geschichtsprofessor sagt das am Sonntag vor knapp 100 Zuhörern im Veranstaltungsraum der Gedenkstätte Sachsenhausen, als er seine gerade erschienene Biografie vorstellt. Titel: „Friedrich Weißler – Jurist und bekennender Christ im Widerstand gegen Hitler“. Es ist der 19. Februar, der 80. Jahrestag der Ermordung von Friedrich Weißler.

Deshalb geht der Buchvorstellung und Lesung eine Gedenkveranstaltung voraus. Dazu hatten die Gedenkstätte und die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) zur Gedenkstele im Kommandanturbereich des ehemaligen Konzentrationslagers eingeladen. Pfarrerin Marion Gardei, Beauftragte für Erinnerungskultur der EKBO, erinnert mit eindringlichen Worten und einem Gebet an die historische Leistung des Juristen und Christen mit jüdischen Wurzeln, der wenige Tage nach seiner Ankunft in Sachsenhausen zu Tode geprügelt wird. Grund: Als juristischer Berater und Bürochef der Vorläufigen Kirchenleitung der von Pfarrer Niemöller gegründeten oppositionellen „Bekennenden Kirche“ gehört er zu den Mitverfassern einer an Adolf Hitler gerichteten regimekritischen Denkschrift. Als die vertrauliche Denkschrift in der ausländischen Presse veröffentlicht wird, verhaftet die Gestapo im Herbst 1936 drei Mitglieder der „Bekennenden Kirche“: Werner Koch, Ernst Tillich und Friedrich Weißler. Nach seiner Einlieferung in das KZ Sachsenhausen am 13. Februar 1937 wird Weißler im Zellenbau von mehreren SS-Männern aufgrund seiner jüdischen Herkunft grausam gefoltert und in der Nacht vom 18. auf den 19. Februar 1937 ermordet.

Gedenkveranstaltung an der Stele für Friedrich Weißler. Quelle: Helge Treichel

Seit 1997 werde Weißlers Schicksal in der Dauerausstellung gewürdigt, sagt Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Am 19. Februar 2005 sei die Gedenkstele eingeweiht worden. Der Professor zeigt sich sicher, dass es eine konkrete Absicht mindestens des Lagerkommandanten gab, Weißler zu ermorden.

Der 1891 in Schlesien geborene und als Kind getaufte Weißler war Kriegsfreiwilliger, Träger des Eisernen Kreuzes. Er hatte eine Pfarrerstochter geheiratet, galt den Nationalsozialisten aber als „Volljude“. 1933 wurde er als Landgerichtsdirektor in Magdeburg suspendiert und entlassen – wegen seiner Abstammung. Zuvor hatte er einen SA-Mann, der regelwidrig mit Uniform vor Gericht auftrat, zu einer Ordnungsstrafe von drei Mark verurteilt. Er wird darauf im Büro zusammengeschlagen und auf dem Gerichtsbalkon öffentlich gedemütigt. Mit seiner Frau und den zwei Söhnen zieht Weißler daraufhin nach Berlin, beschreibt Gailus.

Der Berliner Historiker lehrt Neuere Geschichte am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin und hat zahlreiche Veröffentlichungen zur Geschichte des Protestantismus seit dem Kaiserreich vorgelegt. Johannes Weißler, einer der beiden Söhne, habe ihm die Türen zum reichhaltigen Familienarchiv geöffnet. Dem im März 2016 Verstorbenen sei das Buch gewidmet, so Gailus. Anhand von Briefen kann der Autor dadurch zum Beispiel sehr eindringlich nachzeichnen, wie Weißler vom Kirchenchor ausgegrenzt wird und langjährige freundschaftliche Beziehungen durch wachsende ideologische Verblendung in die Brüche gehen.

Von Helge Treichel

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