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Oberhavel Das Lager als Stadt
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09:23 29.05.2014
Günter Morsch. Quelle: Köser
Oranienburg

Ein Blumenbeet, liebevoll angelegt, zeigt das Foto. Doch der elektrisch geladene Stacheldrahtzaun ist nicht weit entfernt. Das KZ-Sachsenhausen, kurz nach seiner Fertigstellung. Ein Spießeridyll des Schreckens.

Das Bild stammt aus dem Buch „Sachsenhausen. Das Konzentrationslager bei der Reichshauptstadt“ von Günter Morsch. Am Dienstagabend stellte der Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten sein Werk vor. Es veranschaulicht mit Fotos, Plänen und Dokumenten die Entstehung des Lagers bis zum Weggang des ersten Kommandanten im Sommer 1937.

Über das KZ Sachsenhausen gebe es praktisch keine Gesamtdarstellung, so der Autor, die Akten waren weitgehend vernichtet worden. Seit 1993 leitet er die Gedenkstätte, nun wollte er das Buchprojekt endlich in die Tat umsetzen. Warum dieses KZ? An diesem Standort? Unter anderem aus Gründen der Prävention, so Morsch. Das Lager Esterwegen etwa lag nahe der niederländischen Grenze. Für den Fall eines Krieges wünschten die Nationalsozialisten Standorte in der Mitte des Reichs.

Zudem wollte man das KZ-System reorganisieren. Kleinere Lager sollten aufgelöst und die Häftlinge in neue, größere KZs verlegt werden. Die ähnelten einer Stadt, so Morsch. Mit eigenem Wasserwerk, Betrieben und Siedlungen.

Eines der Opfer war Ernst Heilmann, sozialdemokratischer Politiker. Sein Leidensweg führte ihn von Oranienburg und Esterwegen über Sachsenhausen bis nach Buchenwald, wo er ermordet wurde. „Die Nazis haben ihn dauernd gequält“, sagte Morsch.

Ein Bild zeigt einen Brief von ihm an seine Frau – das erste Dokument aus dem soeben eröffneten KZ Sachsenhausen, vom 8. September 1936. Ernst Heilmann zählte zu den sogenannten Schutzhäftlingen, also Menschen, die aus politischen Gründen verhaftet worden waren. Es war die mit Abstand größte Gruppe, danach kamen die „Vorbeugungshäftlinge“, meist Kleinkriminelle.

Homosexuelle und Angehörige der Zeugen Jehovas bildeten weitere, kleinere Gruppen. Juden wurden noch nicht gesondert erfasst. Der Autor zeigt Pläne. Das KZ-Gelände, ein gewaltiges Dreieck mitten im Wald. Die Kiefern rodeten ebenfalls Häftlinge, im Akkord. Aber auch private Firmen waren involviert, zwei Millionen Reichsmark flossen an Ingenieure und andere Beteiligte. Im Sommer 1936, der Zeit der Olympischen Spiele in Berlin, war es soweit, das Lager für bis zu 6000 Häftlinge stand. Heinrich Himmler lobte Sachsenhausen als vollkommen modernes und neuzeitliches KZ. Die Opfer vegetierten in Baracken, den Tätern wurde eine eigene Siedlung gebaut. Die SS-Angehörigen, viele kamen aus Bayern, sollten unter sich bleiben. Morsch: „So ein Haus war wie ein Lottogewinn“.

Von Fritz Hermann Köser

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