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Kalte Dusche aus dem Stellwerksfenster

Sicherheit an Bahnübergängen Kalte Dusche aus dem Stellwerksfenster

Als eine Frau bei sich schließenden Schranken am Bahnhof Borgsdorf den Stellwerksturm passierte, wurde sie von einem Wasserguss getroffen. Absicht? Eine Zeugin des Vorfalls unterstellt genau das. Ein Bahnsprecher verneint das. Er warnt vor Lebensgefahr und verweist auf die schlechte Vorbildwirkung.

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Der „Tatort“ am Bahnhof in Borgsdorf.

Quelle: Enrico Kugler

Borgsdorf. Als eine etwa 60-jährige Frau den Bahnübergang in Borgsdorf übequeren wollte, schlossen sich die Schranken. Die Frau nahm daraufhin den direkten Weg zum Bahnsteig, der über eine kleine Grasfläche am Stellwerkshäuschen führt. In diesem Moment sei sie vom Bahnpersonal von oben mit einem Eimer Flüssigkeit übergossen worden.

Zeugin meldet sich bei der MAZ

Diese Szene, die aus einer Stummfilmkomödie stammen können, hätten Fahrgäste am Freitagmorgen um 6.14 Uhr am Borgsdorfer Bahnhof beobachten können, schreibt Karin Wünscher der MAZ. „Dass diese Frau aufgrund eines Beckenbruchs in der Bewegung eingeschränkt ist, muss das Personal nicht wissen“, schreibt die Zeugin. Ob die „erzieherische Handlungsweise“ im Sinne der S-Bahnführung ist, scheine ihr jedoch sehr fraglich. Und sie fragt: „Ist jemand, der mit solchen Mitteln bei seinen Mitmenschen seinen Frust ablässt für eine verantwortungsvolle Tätigkeit in der Öffentlichkeit tragbar?“ Täglich sei zu beobachten, „wie die Fahrgäste morgens am Borgsdorfer S-Bahnhof nach dem Warnsignal noch schnell (zwei bis drei Minuten vor Zugeinfahrt) durch die sich schließenden Schranken schlüpfen, um den Bahnsteig zu erreichen“.

Wasserkocher wird aus dem Fenster entleert

Recherchen hätten ergeben, dass die Mitarbeiter des Stellwerks tatsächlich regelmäßig ihren Kocher mit dem abgestandenen Wasser aus dem Fenster entleeren, sagte Bahnsprecher Ingo Priegnitz auf Nachfrage. Das sei nicht weiter verwerflich, da sich in dem Bereich unter dem Stellwerksfenster ja gar keine unautorisierten Personen aufhalten dürften. Das gelte natürlich erst Recht bei geschlossenen Schranken. Und eine Absicht könne er darin auch nicht erkennen.

Priegnitz zeigte sich fassungslos, dass sich jemand trotzdem in diesem Bereich bewegt und sich dann über ein solches Malheur beschwert. „Die Leute begeben sich jedes Mal in Lebensgefahr“, so der Bahnsprecher mit Blick auf die jährlich 200 Unfälle an Bahnübergängen. Die Bahn AG habe deshalb unter dem Titel „Sicher drüber“ eigens eine Aufklärungskampagne gestartet. Wer sich über die Regeln und Verbote hinwegsetzt, sei darüber hinaus noch ein schlechtes Vorbild für Kinder und Jugendliche, so Priegnitz.

Ordnungswidrigkeit kostet 25 Euro

Das Betreten der Gleise bei rot blinkendem Licht im Andreaskreuz und bei sich schließenden Schranken könne mit einem Verwarngeld von 25 Euro geahndet werden, sagte Jens Schobranski, Sprecher der Bundespolizei. Wenn es zu einer Betriebsstörung kommt, weil ein Zug zum Beispiel bremsen müsse, könne es zu einer Ordnungswidrigkeitenanzeige kommen. Und das bei einer Gerichtsverhandlung bestimmte Ordnungsgeld können dann noch empfindlich höhrer ausfallen.

Die Schließzeiten der Schranken seien so berechnet, dass auch Menschen mit Behinderungen die Gleisanlagen noch sicher verlassen können, betont Ingo Priegnitz. Der Forderung nach zusätzlichen Zäunen begegnet so: „Wer will, kommt auch dort drüber. Wir haben 34.000 Kilometer Gleise.“ Sein Tipp: „Zu Hause einfach pünktlicher losgehen.“

Von Helge Treichel

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